Die Schüler des städtischen Gymnasiums Ettenheim schlüpften in „Top Dogs“ in die Rolle erfolgreicher Geschäftsleute, die auf einen Schlag ihre Lebensgrundlage verlieren.
Regisseur Bertram Hensle warnte das zahlreich erschienene Publikum gleich in seiner Begrüßung: Eine heitere oder vorweihnachtlich-besinnliche Theateraufführung dürfe man an diesen beiden Abenden nicht erwarten. Und er sollte Recht behalten: Die „Top Dogs“, die die sieben Oberstufenschüler in beeindruckender Weise auf den Brettern der Mensa-Bühne des Städtischen Gymnasium verkörperten, waren – wie es Gunnar Weidner vom Schulleitungsteam am Ende der Aufführung benannte – vielmehr von bitterbösem Zynismus und von entwaffnendem Einblick in die brisante Wirtschaftskrise und die Machtspiele der Superreichen geprägt. „Business – das ist Blut, Krieg und Tränen“, wie der Autor des Stücks Urs Widmer schon im Jahr 1996 bilanzierte.
Das Eingangsbühnenbild passt: protziger Sessel, Stehtische mit Sektflaschen und Gläsern, alle im feinen Zwirn, teils mit Krawatte, eine Treppe, auf der es zunächst scheinbar nur eine Richtung gibt – nämlich nach oben. Doch ganz schnell kommen die Top-Manager, die in Dubai ihre Macht gegenüber den Untergebenen ausgespielt und dafür monatliche Millionen gescheffelt haben, auf dem harten Boden an. Sie werden entlassen, einer nach dem anderen – getröstet, ja wirklich gute Arbeit geleistet zu haben, aber halt zu alt, zu teuer, zu unbeweglich.
Anfangs scheint es bergauf zu gehen, dann kommt jedoch alles anders
Sie sind – besser waren – Finanzanalystin bei der Chase Manhattan Bank, Boss im Catering der Swiss-Air, Projektleiter einer Turbinenfabrik, Kultur-Manager eines Konzerns, um einige beispielhaft zu benennen. Ihre bittere Erkenntnis: Ethik und Moral, das war einmal.
Sie werden nicht damit fertig, suchen die Flucht aus ihrer Verzweiflung in einem Karibik-Urlaub, im Kauf eines Porsches, in einer Luxus-Villa, im Bergsteigen, in Ehrenämtern, einer sogar im Verheimlichen seiner Schlappe vor seiner Familie. Um durchweg die Erfahrung zu machen: Nichts von alledem hilft wirklich.
Sie suchen die Flucht in einem sogenannten „Outplacement-Center“. Unter Anleitung der Seminarleiterin versuchen sie sich wieder zu fangen: in Rollenspielen, in Märchenstunden, in japanischen Kampfübungen, in Powerwalk. All das soll sie zum erneuten Wiedereinstieg in das Hamsterrad der globalisierten Großwirtschaft befähigen, soll sie wieder fit machen für das große Geschäft. Erste Erfolge – beispielsweise in Korea – scheinen sich abzuzeichnen. Die „Global-Player“ der ganzen Welt scheinen nach ihnen zu rufen, selbst der Herr mit der Motorsäge darf da natürlich nicht fehlen. Sie besteigen nach und nach die Treppe auf der Bühne, um schlussendlich ausnahmslos von dieser abzustürzen. Die Musik, ein ganz wesentliches, beeindruckendes Element dieser von Bertram Hensle verantworteten Inszenierung, verstummt. Das Bühnenlicht erlischt, es ist stockdunkel im Theaterraum. Mehr Symbolik geht nicht.
Am Ende wurde es dann doch noch ein wenig weihnachtlich
Schier nicht enden wollender Beifall ist verdienter, anerkennender Lohn für den Regisseur und die sieben Elftklässler, die sich auch durch den Eintritt in den schulischen Endspurt vom Mitspielen nicht haben abhalten lassen. Anne Maurer, Janis Beuth, Aaron Platzer, Melissa Forental, Neele Moritz, Madlen Langlitz und Lukas Bürkle haben wahrlich gute Arbeit geleistet.
Und dann erklang in ihrer Inszenierung doch noch so etwas wie vorweihnachtliche Zuversicht, als sie – in deutlichem Kontrast zum dominierenden Musikstil dieser Aufführung – Nicoles Erfolgssong aus dem Jahr 1982 intonierten: Ein bisschen Friede, ein bisschen Freude, ein bisschen Sonne, ein bisschen Liebe, ein bisschen Wärme, ein bisschen Hoffnung – Träume in der Angst vor dem Dunkel. Peter Lichts „Lied vom Ende des Kapitalismus“ als musikalischer Opener oder der musikalische Schluss „Everything counts“ von Depeche Mode mit Bezug auf die menschliche Gier – alles nachdenkliche Texte in einer Weltsituation, die zu denken gibt.