Deutschland helfen, das möchte Generaloberin Dr. Joséphine Toyi aus Burundi. Am Dienstag hat sie Diakon Karl-Heinz Schäfer in Hechingen besucht, mit dem ihre Kongregation eine Jahrzehnte lange Freundschaft verbindet. Foto: Stopper

Ihr Orden wurde von einer europäischen Missionarinin Afrika gegründet, nun möchten Generaloberin Joséphine Toyi und ihre Schwestern Deutschland etwas zurückgeben.

Missionieren ist für die aktuell 483 Schwestern der Kongregation Bene-Tereziya Schwestern in Burundi keine Einbahnstraße. 1931 wurden sie auf Initiative einer weißen Missionarin gegründet. Nun haben sich die Zeiten geändert. Auch in Deutschland schrumpft die katholische Kirche.

 

„Die Europäer haben uns den Glauben gebracht“, sagt Joséphine Toyi, „aber wir sind erwachsen geworden und kommen nun zurück, um unseren Eltern zu helfen“. Man sei doch verbunden im Glauben.

Seit sieben Jahren sind Schwestern aus Burundi in und um Freiburg aktiv. Eine arbeitet in einer Klinik als Krankenschwester, eine in der Seelsorge, andere in allen möglichen sozialen Berufen. Elf sind sie mittlerweile in Deutschland. Sie ziehen nicht von Haus zu Haus um zu missionieren, stattdessen helfen sie tatkräftig Kranken, Alten und Armen, und sie leben in Gemeinschaft ihren Glauben. Ein Gottesdienst, den sie bei Freiburg mitgestalten, verzeichnet steigende Besucherzahlen. Ihre Hoffnung ist, dass ihre tätige Barmherzigkeit auch auf deutsche verzagte Christen ausstrahlt.

Hechinger Missionar knüpfte ersten Kontakt

Den Kontakt zwischen Hechingen und den Bene-Tereziya Schwestern knüpfte einst der Hechinger Missionar Zachäus Knoll, als er vor über 30 Jahren in Gitega, der Hauptstadt von Burundi, eine Einrichtung gründete, in der körperbehinderte Kinder aufgenommen werden und eine Schul- und Berufsausbildung erhalten.

Betreut werden sie von Schwestern der Bene-Tereziya-Kongregation. Und der Ausschuss Mission-Eine Welt der Hechinger katholischen Gemeinde unterstützt diese Einrichtung regelmäßig. Den Ausschuss leitet Diakon Karl Heinz Schäfer. „Wir sind etwa 50 Leute, die regelmäßig spenden, und wir haben etwa 200 Sympathisanten“, so Schäfer.

Dass der deutsche Katholizismus schrumpft, ist aber auch hier zu merken. „Wir sind überaltert, Jüngere kommen kaum nach“, bedauert Schäfer. „Ich hoffe, wir können diese Hilfe noch länger leisten.“

Kindern wird Weg in Selbstständigkeit gezeigt

Das Geld wirke segensreich im Zachäus-Haus in Gitega, erklärt die Generaloberin, betont aber auch: „Wir Schwestern arbeiten und verdienen Geld, das alles in unsere Gemeinschaft fließt. Niemand von uns hat einen persönlichen Besitz“. Dennoch reiche das nicht aus, denn der Bedarf an Betreuung sei groß. „Kinder mit Behinderung gelten für die Familien oft als Unglück. Sie werden zum Betteln geschickt oder vor der Öffentlichkeit versteckt.“

Wenn die Schwestern davon hören, reden sie mit den Eltern und versuchen die Kinder in ihrem Heim aufnehmen zu dürfen. Kindergarten, Schule, Berufsausbildung wollen sie ermöglichen. Hat jemand Näherin gelernt, erhält sie zum Abschied eine Nähmaschine, wird auf dem Weg in die Selbstständigkeit unterstützt.

Der Kontakt zu den Schwestern aber wird gehalten. Zwei Mal im Jahr wird gemeinsam gefeiert. „Wir sind wie eine Familie“, erklärt Joséphine Toyi. Für diese Kinder zu arbeiten, sei für sie gelebter Glaube.

Kann sie sich erklären, warum ein Land wie Deutschland, das einst Missionare nach Afrika schickte, nun buchstäblich den Glauben verliert? Vielleicht der Wohlstand, der einem das Gefühl vermittle, eigentlich alles zu haben und die Suche nach dem eigentlichen Grund für das Leben aufzugeben, vermutet sie. Gemeinschaft bilde sich aber auch durch die Überzeugung, „dass etwas von uns bleibt“. Wer sich liebevoll für andere einsetze, könne diesen Glauben spüren. Dieses Gefühl „wie ein Feuer in der Dunkelheit“ vorzuleben, das sei das Ziel ihrer Gemeinschaft . „Meine Berufung ist die Liebe“, das ist ihr Lebens- und Glaubensmotto. Es ist der Titel eines Buchs der Heiligen Terese von Lisieux, das sie als Mädchen einst zufällig geschenkt bekam.

Die Behinderten-Einrichtung der Schwestern kann durch eine Spende unter dem Kennwort „Zachäus-Haus“ an die katholische Kirchengemeinde Hechingen unter IBAN: DE53653512600079064572 unterstützt werden.