Hauptversammlung: Verein sorgt weiterhin für Unterstützung des Bildungsprojekts in Afrika
Nagold. Zur Jahreshauptversammlung des Vereins "Kinderhilfe Ugwaku" waren die Mitglieder in diesem Jahr – nach einjähriger Corona-Pause – erstmals in den Konferenzraum der Sparkasse in Nagold eingeladen. Hausherr Ralph Günthner begrüßte die Anwesenden und übergab an Hans Wycisk, den Vereinsvorsitzenden und an Pfarrer Paul Odoeme, den Initiator des Projektes.
Hans Wycisk gab einen umfassenden Überblick über das, was während der zurückliegenden rund zwölf Jahre geleistet wurde – ursprünglich als ein Ausschuss der Katholischen Kirchengemeinden um Nagold, seit nun fast acht Jahren als Verein unter seiner Leitung. "Wir sind zwar mit nur 97 Mitgliedern ein recht kleiner Verein", so Wycisk, "aber umso erstaunlicher, was vom zehnköpfigen Ausschuss in dieser Zeit initiiert, organisiert und geleistet wurde". Nach dem Bau des Ursprungsprojektes, einer Secondary-School (Gymnasium) mit angeschlossener Mensa im Jahr 2010 folgte ein Schlafhaus für die Schüler und ein Gebäude für die Lehrer.
"Man kann durchaus sagen, dass es sich bei unserer Schule inzwischen um ein Internat handelt, da aktuell rund 60 Prozent der Gymnasiums-Kinder auf dem Gelände wohnen und leben", stellte Hans Wycisk fest.
Sportanlage wird gerade fertig
Im Jahr 2018 wurde dann eine Grundschule eingeweiht, sodass heute im Schulzentrum rund 620 Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Pater Emanuel unterrichtet werden. Eine angeschlossene Sportanlage wird gerade fertig, "damit sich die Kinder auch außerhalb der Schulzeit sinnvoll beschäftigen können".
Parallel zu der schulischen Bildung wurden weitere Projekte angestoßen: Eine kleine Fischzucht und ein Gemüsefeld entstand auf dem Gelände, sowie eine kleine Hühnerfarm – alles vorwiegend zur Eigenversorgung.
Corona traf auch die Menschen um Ugwaku hart. Um ihnen zu helfen, wurden mit zweckgebundenen Spenden letztes Jahr eine "Vesperkirche" vor Ort sowie eine finanzielle Unterstützung für die Lehrerschaft organisiert. Des Weiteren kam über die Aktion "Hungerhilfe" eine Spendensumme von rund 36 000 Euro zusammen. Dafür konnte man an 160 arme Familien Lebensmittel verteilen.
Zur Bezahlung des Schulgelds der Kinder in Höhe von 130 Euro pro Jahr wurden Patenschaften mit Spendern aus Deutschland ins Leben gerufen für Kinder, deren Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können. Derzeit werden unter der Leitung von Wolfgang Dreher und Cornelia Thoma 170 solcher Patenschaften betreut.
Im Mittelpunkt der derzeitigen Planung stehen noch zwei große Projekte: Erstens, der Bau einer eigenen, stabilen Stromversorgung mittels Photovoltaikanlage. Für dieses Projekt konnte mit der Firma Raach aus Erolzheim/Bayern ein idealer Partner gefunden werden. Die Finanzierung erfolgt größtenteils durch eine zweckgebundene Spende der Firma Daimler aus deren "ProCent"-Projekt.
Als zweites Großprojekt steht der Bau einer berufsbildenden Schule an, in der die klassischen Handwerksberufe des Bau-, Holz-, Metall-, Elektro- und Schneiderhandwerks sowie die Landwirtschaft erlernt werden können. Die Idee entstand, da nicht jeder Schüler nach Abschluss des Gymnasiums weiter zum Studium gehen möchte oder kann.
Abschließend nannte Wycisk noch ein paar beeindruckende Zahlen. Bislang konnten – dank des unermüdlichen Einsatzes der Vereinsmitglieder – rund 1,2 Millionen Euro an Spendengeldern gesammelt werden – über Kleinspenden, Gelder der "Sternsinger", Zuwendungen von Firmen und Organisationen und privaten Wohltätern. Für den Bau der Berufsschule, mit dem noch in diesem Jahr begonnen werden soll, besteht noch ein Finanzloch. Hierzu wurde die Aktion "5000 mal 50 Euro" initiiert, mit der bislang rund 73 000 Euro eingenommen wurden und für die natürlich weiterhin eifrig geworben wird.
Anschließend legte Kassenwartin Monika Straub den Kassenbericht 2019 und 2020 vor. Sie und auch der Vorstand erhielten danach per Handzeichen die Entlastung. Marita Pross, die Schriftführerin fasste stichwortartig die Protokolle der letzten beiden Jahre zusammen.
Zum Schluss berichtete Paul Odoeme, der seine Afrikanische Heimat regelmäßig bereist, vom Fortschritt des Projektes und überbrachte den Dank der Menschen vor Ort, insbesondere der Kinder. Er betonte, dass Kinder das Wichtigste "für uns alle" seien, ein ganz besonderes Geschenk, für das sich jeder Einsatz lohne.