El Khannouss, Silas und Bouanani (v. li.) sind potenzielle Afrika-Cup-Fahrer beim VfB. Foto: Pressefoto Baumann/Volker Mueller

Der Afrika-Cup 2025 kündigt sich mit großen Schritten an. Auf den VfB Stuttgart hat das möglicherweise großen Einfluss. Ab wann müssen die Verantwortlichen auf ihre Kicker verzichten?

Als das Exekutivkomitee der Afrikanischen Fußball-Konföderation (CAF) vor einigen Monaten bekannt gab, dass der Afrika-Cup 2025 zwischen Mitte Dezember 2025 und Mitte Januar 2026 ausgetragen wird und damit rund um Weihnachten und Neujahr durchgespielt wird, kauten wohl so manche Funktionäre und sportliche Verantwortliche der europäischen Clubs nervös auf ihrer Unterlippe.

 

Denn das bedeutet für sie, dass sie auf so manche Stars aus ihren Kadern vier bis acht Wochen keinerlei Zugriff haben – also auch genau dann, wenn in den Top-Ligen Europas die Startphase nach dem kurzen Winter-Päuschen ansteht. Das gilt auch für den VfB Stuttgart.

Bei den Schwaben stehen mit Bilal El Khannouss, Badredine Bouanani und Silas gleich drei potenzielle Afrika-Cup-Teilnehmer unter Vertrag, die ersten beiden spielen aktuell eine gewichtige Rolle im Kader von Trainer Sebastian Hoeneß. Da der Cup bereits am 21. Dezember startet und der afrikanische Kontinentalverband üblicherweise eine Abstellungspflicht von acht Tagen vor Turnierstart vorgibt, könnten die drei an diesem Wochenende rund um den Südgipfel gegen den FC Bayern ein letztes Mal im VfB-Kader stehen.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn zum einen sind bisher keine offiziellen Nominierungen erfolgt – wobei zumindest bei El Khannouss als Stammspieler der marokkanischen Nationalelf davon auszugehen ist –, zum anderen laufen aktuell im Hintergrund noch Gespräche zwischen dem VfB und den Nationalverbänden von Marokko, DR Kongo und Algerien, ob und, wenn ja, ab wann die Spieler abgestellt werden, so sie denn nominiert werden.

Hintergrund: Weil der afrikanische Kontinentalverband CAF den Afrika-Cup in den Dezember vorgezogen hat, anstatt ihn im Januar bis in den Februar hinein auszuspielen, obliegt das Kontinentalturnier nicht mehr den vom Weltverband eigentlich vorgegebenen Abstellungspflichtzeiträumen. Eine einheitliche Regelung, wie jetzt verfahren werden soll, wurde nun immerhin am Mittwoch gefunden. Die Fifa hat eine Abstellungspflicht für Vereine ab dem 15. Dezember bestätigt.

Die Abstellung der Spieler von ihren Vereinen zu den Nationalteams ist vor jedem Afrika-Cup immer großes Thema. In der Vergangenheit gab es rund um das Kontinentalturnier – unabhängig von der offiziellen Abstellungsfrist – zahlreiche Sondervereinbarungen zwischen Spielern, Verbänden und Vereinen, die sich auf eine kürzere Abstellungsphase einigten. Zuletzt 2024 bei Torhüter André Onana geschehen, der 24 Stunden vor Kameruns erstem Afrika-Cup-Spiel noch ein Match für Manchester United bestritt und dann per Privatjet in die Elfenbeinküste geflogen wurde. So weit auf die Spitze treiben möchte man das Thema beim VfB Stuttgart allerdings nicht.

Dennoch ist bei El Khannouss, dessen Heimatland nicht nur das Turnier ausrichtet, sondern als amtierender WM-Vierter auch klarer Titelfavorit ist, jetzt schon klar, dass er die Partie gegen Hoffenheim (20.12., 15.30 Uhr) nicht mehr für den VfB absolviert und womöglich auch in der Partie in Bremen (14.12., 19.30 Uhr) nicht mehr eingesetzt wird. Bei Bouanani und Silas gestaltet sich die Lage etwas anders – hier muss man erst einmal abwarten, ob beide überhaupt von ihren Nationalverbänden nominiert werden.

Afrika-Cup 2025 – die wichtigsten Termine:

  • 21. Dezember: Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Marokko und den Komoren
  • 1. Gruppenphase: 21. Dezember – 24. Dezember
  • 24. Dezember: Heiligabend finden vier Spiele statt. Vor allem im Süden des Kontinents gibt es Länder, in denen viele Menschen christlichen Glaubens leben. Mit Äquatorial-Guinea, Gabun oder Mosambik sind mehrere Teams solcher Länder an Heiligabend im Einsatz.
  • 25. Dezember: Am ersten Weihnachtstag haben alle Teams frei.
  • 2. Gruppenphase: 26. Dezember – 28. Dezember
  • 3. Gruppenphase: 29. Dezember – 31. Dezember
  • 31. Dezember: An Silvester finden vier Spiele statt.
  • 1. und 2. Januar: Vor der K.-o.-Runde gibt es zwei freie Tage.
  • Achtelfinale: 3. Januar – 6. Januar
  • Halbfinale: 14. Januar
  • Spiel um Platz 3: 17. Januar
  • 18. Januar: Finale in Rabat

Wer auch immer vom VfB-Trio nominiert werden sollte, eines ist jetzt schon klar: Kommt dessen Nationalteam bis mindestens in das Achtelfinale des Turniers, ist ein Einsatz im ersten Bundesligaspiel des Jahres für diesen Spieler jetzt schon auszuschließen. Denn die Partie ist bereits angesetzt, findet am 10. Januar in Leverkusen statt (18.30 Uhr).

Überhaupt jagt im Januar ein Topspiel das nächste. Leverkusen, Frankfurt, Union Berlin, Rom, Mönchengladbach, Bern und Freiburg lauten die Gegner, gleich sechs Spiele (!) hat der VfB zu absolvieren. Als Beispiel: Kommt El Khannouss wie erwartet mit Marokko weit, möglicherweise sogar bis ins Finale, dürfte er – ein wenig Urlaub nach den Anstrengungen mit eingerechnet – für fast keines dieser Spiele eine Option sein.