Das Transportflugzeug A400M der Bundeswehr. Mit diesen Maschinen wurden Menschen aus Kabul evakuiert. Foto: Friso Gentsch/dpa Foto: dpa

Für die einheimischen Mitarbeiter der Bundeswehr in Afghanistan hat die Luftbrücke in vielen Fällen keine Lösung gebracht. In der Gesamtzahl der ausgeflogenen Afghanen sind sie eine kleine Minderheit.

Berlin - Die von der Bundesregierung organisierte Luftbrücke aus Kabul hat nach vorläufigen Angaben 138 weitere Ortskräfte nach Deutschland gebracht sowie deren Familienangehörige.

Insgesamt seien 634 Menschen aus dieser Gruppe ausgeflogen worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI) am Montag in Berlin. Er verwies darauf, dass die Zahl der Hilfeersuchen erst nach dem Beginn der Luftbrücke deutlich gestiegen sei - auf nunmehr mindestens 40.000 Menschen.

Vor Beginn der Evakuierung am 14. August habe das Bundesinnenministerium Kenntnis davon gehabt, dass 174 Ortskräfte sowie Familienangehörige für die gesamte Bundesregierung zur Ausreise anstehen, insgesamt 886 Menschen, so der Sprecher. Es ging dabei um die Afghanen, die aktiv eine Gefährdungsanzeige gemacht hatten und auf Listen standen.

"Während der Evakuierungen gab es aus den Ressorts Nachreichungen, gab es auch von den Ortskräften sehr viele Nachmeldungen, auch von Familienangehörigen, so dass wir derzeit davon ausgehen, dass der Anteil derer, die einen Bezug zu Ortskräften haben für die gesamte Bundesregierung inzwischen bei mehr als 40.000 Personen liegt", sagte der Sprecher.

Nur 30 Ortskräfte mit Luftbrücke evakuiert

Aus den Reihen der Bundeswehrhelfer und ihrer Familien sind inzwischen etwa 2000 Menschen in Deutschland - und überwiegend vor dem Fall Kabuls gekommen. Bei der Evakuierungsmission wurden nach Angaben aus der Bundeswehr nun noch 30 Ortskräfte und 80 Familienangehörige nach Deutschland geflogen, also 110 Menschen.

Allerdings hatten nach Angaben aus Militärkreisen am Freitag etwa 1000 Bundeswehr-Ortskräfte und Angehörige in Kabul außerhalb des Flughafens auf Rettung gewartet, im ganzen Land wird diese Zahl nun noch auf etwa 3000 Menschen beziffert. Darunter sind auch Afghanen, die wegen einer Arbeit für das deutsche Militär als besonders gefährdet gelten könnten.

Die Bundeswehr hatte in Kabul den militärisch geschützten Flugtransport organisiert, aber nicht die Auswahl der Passagiere getroffen. Insgesamt kamen mit der Luftbrücke nach Angaben des BMI 4587 Menschen nach Deutschland, davon 3849 Afghanen und 403 deutsche Staatsangehörige. Unter den Schutzbedürftigen waren auch Bürger zahlreicher anderer Staaten, wobei Deutsche wiederum auch vom Militär anderer Nationen ausgeflogen wurden - ein übliches Vorgehen unter Verbündeten.

Das Bundesinnenministerium hatte nach eigenen Angaben seit 2013 ungefähr 1500 Polizisten in Afghanistan im Einsatz gehabt und etwa 300 Ortskräfte. Bis zum 14. August hätten 4 Ortskräfte ihre Ausreise angemeldet. Allen sei die Ausreise angeboten worden, so der Sprecher. Drei Ortskräfte seien mit Familie ausgereist, die vierte Familie habe diese "aus persönlichen Gründen" nicht angetreten.

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