Führen die AfD in die Bundestagswahl: Alice Weidel und Tino Chrupalla Foto: dpa/Kay Nietfeld

Die Basis hat entschieden: Alice Weidel und Tino Chrupalla führen die AfD in die Bundestagswahl. Der große Verlierer heißt Jörg Meuthen. Eine Analyse in fünf schnellen Schlussfolgerungen:

Berlin - Das Spitzenkandidatenteam der AfD für die Bundestagswahl steht nun fest: Für die Partei ziehen Parteichef Tino Chrupalla aus Sachsen und die Fraktionschefin und baden-württembergische Landesvorsitzende Alice Weidel in den Wahlkampf. Bei einer Mitgliederbefragung stimmten 71 Prozent für das Spitzenduo. Die Konkurrenz – die hessische Bundestagsabgeordnete Joana Cotar und der niedersächsische Spitzenkandidat Joachim Wundrak – unterlag mit 27 Prozent. Die beiden Kandidaten werden dem Lager um Parteichef Jörg Meuthen zugerechnet, das sich selbst als gemäßigt bezeichnet. Weidel und Chrupalla dagegen agieren mit Unterstützung der extrem rechten Strömung des Flügel um den thüringischen Landeschef Björn Höcke. Sein Landesverband gilt als gesichert rechtsextrem.

 

Zum ersten Mal hat die AfD ihre Spitzenkandidaten in einem Mitgliedervotum gewählt. Das hat sie nicht getan, weil ihr Basisdemokratie so sehr am Herzen liegt. Die Entscheidung für dieses Verfahren war der Ausweg, um den schwelenden Machtkampf in der Partei vom Parteitag zu verbannen. In der Kandidatur hat sich dieser Machtkampf jedoch klar abgebildet. Eine Analyse in fünf Schlussfolgerungen:

1. Großer Verlierer Meuthen

Der große Verlierer dieser Abstimmung ist Parteichef Jörg Meuthen. Sein Plan, die extrem rechte Strömung des Flügel in seiner AfD zu isolieren und zu entmachten, ist nach etwas mehr als einem Jahr endgültig misslungen. Die Idee, die Strömungen der Partei in einem Kandidatenduo aus Chrupalla und Cotar zu verbinden, wurde von seinem Co-Sprecher Chrupalla abgeschmettert. Im Rückblick hat Meuthen einen schweren taktischen Fehler damit begangen, die Spitzenkandidaten nicht vom Parteitag im April wählen zu lassen.

2. Den „Freiheitlichen“ fehlen Führungsfiguren

Meuthen, der für eine Partei im Europaparlament sitzt, die in ihrem Wahlprogramm soeben für den sofortigen Dexit votiert hat, und der sich gegen eine Bundestagskandidatur entschieden hat, ist nicht nur ein Parteichef auf Abruf. Er hat auch keine potenten Nachfolger. Außer ihm gibt es zum ersten Mal seit Gründung der Partei im Lager der selbst ernannten „Freiheitlichen“ keine starken, bekannten Führungsfiguren, hinter denen sich die Basis scharen will. Auch darin zeigt sich, wie die Partei sich weiter nach rechts bewegt.

3. Mehr Basisdemokratie ist eher ein Wunsch

Die AfD ist nicht so basisdemokratisch, wie sie gerne wäre. Die Beteiligung an einem Mitgliedervotum ist mit 48 Prozent vergleichsweise schwach. Um genau beurteilen zu können, was sich aus dem Ergebnis über den innerparteilichen Machtkampf an der Basis ableiten lässt, müsste man wissen, wie sich die Beteiligung auf die Landesverbände verteilt. Wie wurde mobilisiert? Haben sich die kleineren, aber radikaleren ostdeutschen Landesverbände stärker an der Abstimmung beteiligt?

4. Mäßigung ist den Anhängern nicht so wichtig

Sicher ist: Die Basis wünscht sich bekannte Gesichter und außerdem die Abteilung Attacke. Gemäßigtes Auftreten, Abgrenzung zum Flügel oder zum Protestmilieu der so genannten Querdenker spielt als Kriterium offensichtlich keine Rolle. Es stört die Basis auch nicht, dass das Duo Weidel/Chrupalla mit Unterstützung des Flügel agiert.

5. Weidel tankt schon jetzt Kraft

Für Alice Weidel ist dieses Ergebnis wie ein Kraftriegel: Damit hat sie den Beweis, dass die Spendenaffäre ihr ebenso wenig anhaben kann wie die Stimmverluste bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg und die Kritik an ihrer Führungsschwäche aus den Reihen der Bundestagsfraktion. Ihren Anspruch auf die Fraktionsspitze hat sie mit der Kandidatur gewahrt. Und: Gut möglich, dass sie nach der Wahl bei den parteiinternen Personalentscheidungen im Herbst nach dem Parteivorsitz greift.