Andreas Grammel will für die AfD in den Landtag einziehen. Foto: Niklas Ortmann

Die Corona-Einschränkungen trieben Andreas Grammel in die AfD. Mit dieser Partei ist er längst nicht nur in Sachen Pandemie auf einer Wellenlänge. Jetzt will er in den Landtag.

Wer den Zulauf zur AfD verstehen möchte, sollte die Geschichte von Andreas Grammel hören. Grammel, 64 Jahre alt und Industriemechaniker im Ruhestand, ist einer von denen, die sich zwar schon immer fürs Weltgeschehen interessiert haben, aber nie politisch aktiv waren. Einer, den erst die „unverhältnismäßigen“ Corona-Einschränkungen in die Partei drängten, weil er zu dem Schluss kam: „Es geht nicht anders.“ Und einer, der bei Aussagen von Parteikollegen auch hin und wieder mal den Kopf schüttelt – weil er eben keiner ist, der Polen für genauso gefährlich wie Russland hält.

 

Und doch steht für ihn fest: „Die AfD ist die Bürger- und Arbeiterpartei.“ Daran ändert die Tatsache nichts, dass auch der Landesverband der AfD in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft ist. Er sei noch keinem Rechtsextremisten in der Partei begegnet, versichert Grammel.

Energiemix mit Kohlekraft

Weniger extrem im Vergleich zu Parteikollegen ist Grammel, der in Besenfeld wohnt, beim Thema Windkraft: Er sei für Technologieoffenheit und könne sich durchaus einen Energiemix vorstellen, bei dem auch Windräder eine Rolle spielen. „Wenn es bei uns auch mal rentabel ist.“

Zum Energiemix gehört für Grammel auch Kohlekraft. Entsprechend vertritt Grammel beim Klimawandel eine Meinung, wie man sie aus seiner Partei kennt: „Deutschland rettet die Welt nicht.“ Er hält auch nichts davon, dass das Land ein Vorreiter für saubere Energie sein könnte: „Wir machen unsere Wirtschaft kaputt durch die Vorreiterrolle.“

Bei Klimaschutz sparen

Da wundert es nicht, dass Grammel, wenn er von Entbürokratisierung und einem schlankeren Staat spricht, Stellen wie die eines Klimaschutzmanagers als Erstes nennt. Personell aufrüsten möchte er hingegen die Polizei, um das Sicherheitsgefühl auch im ländlichen Raum zu stärken, das in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach abgenommen hat – was für ihn auch mit Migration zu tun hat.

Hier setzt sich Grammel für Rückführungen von Flüchtlingen ein, die sich illegal im Land aufhalten oder straffällig geworden sind. Was er vom Begriff Remigration hält? Dieser habe schon seine Berechtigung, sei aber durch die Medien blöd dargestellt worden, meint Grammel. „Wer hier arbeitet, Steuern zahlt und integriert ist, ist herzlich willkommen.“ Zur Frage, ob Einwanderung nicht gegen den Fachkräftemangel helfen könne, sagt er: „Wir haben selber genug Fachkräfte, die wir halten und qualifizieren müssen.“ Gefolgt von der Frage: „Wie viele Fachkräfte sind bisher eingewandert bei uns?“

Sozialleistungen sollten sich in einem „normalen Rahmen“ bewegen, Kommunen finanziell entlastet werden, indem das Prinzip „Wer bestellt, bezahlt“ auch umgesetzt werde. Sparen will Grammel wenig überraschend bei der Migrationshilfe – und beim Bürgergeld, das die AfD durch eine „aktivierende Grundsicherung“ ersetzen möchte. Das ist aber Bundessache.

Ein Landesthema ist hingegen die Bildung, bei der Grammel auf ein dreigliedriges System mit verbindlicher Grundschulempfehlung setzt. Eingeschult in die Regelklasse sollen Kinder aber erst, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen, sagt Grammel.

„Uns läuft die Zeit davon“

Schafft Grammel, der auf Listenplatz 29 steht, den Einzug in den Landtag, wird er dort aller Voraussicht nach auf der Oppositionsbank sitzen. Er fordert aber: „Die Brandmauer muss fallen.“ Eine Koalition mit der CDU könne er sich vorstellen, denn: „Das ist alles AfD-Programm.“ Hauptsache, der Politikwechsel kommt: „Uns läuft die Zeit davon.“

Kandidatenporträts

Zur Person
Andreas Grammel ist 64 Jahre alt, Industriemechaniker im Ruhestand und wohnt in Besenfeld. Er arbeitete als Leiter der Dreherei eines mittelständischen Unternehmens. Er vertritt die AfD im Kreistag und Regionalrat und ist deren Sprecher im Kreisverband Calw-Freudenstadt.

Serie
In einer Serie stellt unsere Redaktion bis zur Landtagswahl am 8. März Kandidaten für den Wahlkreis Freudenstadt im Rahmen von Porträts vor.