Repräsentanten der Unzufriedenheit: die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla. Foto: imago/Andreas Gora

Deutschland leidet unter den Folgen Trumpscher Politik. Doch viele Deutsche neigen einer Partei zu, die Trump huldigte. Das zeugt von Ignoranz, meint unser Autor Armin Käfer.

Noch unbeliebter als der Bundeskanzler ist in Deutschland allenfalls Donald Trump. Bei vielem, was uns gerade beschwert, hat er die Finger im Spiel. Da erscheint es glattweg paradox, dass ausgerechnet jene Partei erstmals in der Beliebtheitsskala ganz vorne liegt, die den verrücktesten US-Präsidenten aller Zeiten bis vor kurzem noch als großes Vorbild verehrt hat. Die AfD huldigte ihm, als wäre seine Art von Politik einer Alternative auch für Deutschland.

 

Unpatriotisch und ignorant

Vor dem Hintergrund dessen, was Trump anrichtet und welche Folgen es für uns hat, ist es ausgesprochen unpatriotisch, ihn anzuhimmeln – oder eine Partei, die das tut. Wer dies vor lauter Sympathie für die AfD übersieht, muss schon sehr ignorant sein.

Ungeachtet solcher Schizophrenie lässt sich deren Zulauf nicht ignorieren. Er speist sich aus dem Grundgefühl unserer Zeit: Unzufriedenheit. Dazu leistet auch die aktuelle Bundesregierung ihren Beitrag: indem sie Reformen vor sich herschiebt, Entlastungen verspricht, die nichts taugen, und statt dessen interne Widersprüche zelebriert. All dies zahlt bei der AfD ein. Aus Unmut wird Trotz, der alle Widersprüchlichkeiten übersieht – auch den Umstand, dass die AfD sich als Partei der Saubermänner inszeniert, aber die Vetternwirtschaft pflegt. Und dass sie keinen Plan hat, um die Rente zu stabilisieren oder das Gesundheitssystem nachhaltig zu finanzieren. Was sie vorhat, schadet Deutschland mehr, als Trump bisher anzulasten ist.