Er ist derzeit Hüfingens einzig festangesiedelter Hausarzt und dementsprechend stark nachgefragt: Markus Common, 58 Jahre. Foto: Singler

Hausärzte sind rar und dementsprechend stark ausgelastet. Für Patienten bedeutet das oft: lange Wartezeiten. Zwei Mediziner aus Hüfingen schildern die Situation auf der Baar.

Hüfingen - In Hüfingen ist Markus Common nach eigenen Angaben der einzige festangesiedelte Hausarzt. "Die Hüfinger Bevölkerung fragt sehr viel nach bei mir. Aber wenn man die Qualität aufrechterhalten möchte, wobei man auch die Arbeitsbelastung von Kollegen berücksichtigen muss, die Familie haben, muss man Grenzen ziehen", sagt er.

 

Sein Arztkollege Winfried Grohmann – er betreibt ebenfalls eine Praxis in Hüfingen – verweise auf seine Praxis in Löffingen, sofern er nicht in Hüfingen zugegen sei. "Das kann man machen, ist aber keine luxuriöse Situation für die Bevölkerung und macht die kollegiale Absprache zwischen uns schwer." Dabei habe Common vor allem Patienten im Sinn, die älter als 80 Jahre und nicht mehr so mobil sind. "Diese Menschen sind auf Verwandtschaft angewiesen, um zum Arzt zu kommen." Eine klassische Hausarztpraxis, wie Common sie an einem festen Standort in Hüfingen seit 20 Jahren unterhalte, sei in erster Linie für die ältere Bevölkerung sehr viel besser. Von Winfried Grohmann ist zu erfahren, dass an seinen Standorten Lenzkirch, Bonndorf, Löffingen und Hüfingen insgesamt acht Ärzte arbeiten. Für Hüfingen und Löffingen stünden davon vier Ärzte zur Verfügung, sodass die Patienten gut versorgt seien.

"Berufsbild eines Arztes stark verändert"

"Wir leisten 28 Sprechstunden pro Woche in Hüfingen, es ist immer ein Arzt vor Ort", sagt Grohmann. Logistisch nehme man außerdem flexible Anpassungen vor, "je nachdem, wo es klemmt". Mit Praxen an mehreren Standorten gebe Winfried Grohmann "bereits heute eine Antwort auf die Herausforderung, junge Mediziner für die hausärztliche Versorgung vor Ort zu gewinnen", sagt Bürgermeister Michael Kollmeier. Ihm zufolge hat sich das Berufsbild eines Arztes nun mal stark verändert. Heutzutage seien auch Mediziner an einer stärkeren Work-Life-Balance interessiert, wollten mehr Frei- und Familienzeit genießen. Die Stadt schätze alle in Hüfingen tätigen Hausarztpraxen. Genauso wie Markus Common leiste das Team um Winfried Grohmann einen beachtlichen Anteil an der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung, so Kollmeier.

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Die hausärztliche Versorgung sei besser, als die auf klassischen Strukturen abzielende Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung es abbilde. Gleichwohl sei die Lage nicht ideal, in Zukunft habe nicht nur Hüfingen mit der Frage der Generationennachfolge zu tun, hier wolle die Verwaltung die Praxen begleiten.

Dass man zukünftig umdenken müsse, sagt auch Winfried Grohmann. Bereits vor Jahrzehnten sei ihm bewusst geworden, dass es neue Modelle brauche. Dass seine Hüfinger Praxis nicht im Versorgungsbericht der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) auftaucht, erklärt Grohmann damit, weil er Kassensitze in Löffingen, Bonndorf und Lenzkirch habe, Hüfingen jedoch eine Nebenstelle sei.

"Wir sind seit September 2012 in Hüfingen, haben seit einigen Jahren auch ein neues Gebäude dort", so Grohmann. Markus Common macht sich mit seinen 58 Jahren bereits jetzt Gedanken zwecks einem Nachfolger für seine eigene Praxis. "Aufgrund des Wissens, dass es mit der Nachfolge schwierig ist, habe ich natürlich schon angefangen, mich umzuhören", formuliert er. "Aber im Moment sieht es nicht so gut aus."

Versorgungsgrad liege bei aktuell 86 Prozent

Um die hausärztliche Versorgung der Stadt Hüfingen zu bewerten muss Swantje Middeldorff, Pressereferentin der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg, etwas ausholen. Für die ambulante ärztliche Versorgung gebe es eine Bedarfsplanung: "Diese gibt vor, wie viele Ärzte sich pro Einwohner niederlassen dürfen. Bei den meisten Fachärzten gelten die Landkreise als Planungsbereiche, bei den Hausärzten sind es die Mittelbereiche, die meist kleiner zugeschnitten sind."

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Hüfingen zählt zum Mittelbereich Donaueschingen. "Wir betrachten nicht in erster Linie einzelne Gemeinden, sondern diese Mittelbereiche, um den Versorgungsgrad feststellen zu können." Und in Donaueschingen sehe es – wie in vielen anderen Mittelbereichen auch – nicht gut aus. Der Versorgungsgrad liege bei aktuell 86 Prozent, sieben weitere Hausärzte könnten sich niederlassen, aber "letztlich fehlt es an niederlassungswilligen Ärzten".

Das führe dazu, dass in Baden-Württemberg mittlerweile knapp 700 Hausarztsitze unbesetzt seien, so Swantje Middeldorff.

Die ärztliche Versorgung im Schwarzwald-Baar-Kreis

Aufschluss über die ärztliche Versorgung im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt ein aktueller Bericht der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Demnach leben im Landkreis 212 813 Einwohner, für den Faktor Einwohner je Hausarzt wird die Zahl 1565 angegeben. Blumberg kommt laut Versorgungsbericht der KVBW auf sieben Hausärzte, einen Frauenarzt und einen Psychotherapeuten. Bräunlingen zählt drei Hausärzte sowie einen Psychotherapeuten. Donaueschingen hat 13 Hausärzte, fünf Augenärzte, sechs Chirurgen und Orthopäden, acht Frauenärzte, zehn Internisten, fünf Kinder- und Jugendärzte, sechs Psychotherapeuten sowie acht weitere Fachärzte.

Hüfingen hat laut des KVBW-Berichts nur einen Hausarzt – die Praxis von Winfried Grohmann wird hier nicht mitgezählt. Die Altersstruktur bei den Hausärzten gestaltet sich so: 27 bis 39 Jahre (acht Hausärzte), 40 bis 49 Jahre (25 Hausärzte), 50 bis 54 Jahre (27 Hausärzte), 55 bis 59 Jahre (21 Hausärzte), 19 der Hausärzte sind 60 bis 64 Jahre alt, 36 Hausärzte sind 65 bis 95 Jahre alt; das entspricht einem Anteil an über-60-jährigen Hausärzte im Schwarzwald-Baar-Kreis von 40 Prozent. Klarstellung: Vor Kurzem hatte sich Rosemarie Mikuliszyn aus Hüfingen über eine vermeintlich falsch ausgestellte Arztrechnung über 53,04 Euro geärgert. Es ging dabei um zwei an ihr vorgenommenen Corona-Impfungen. Bei der erwähnten Arztpraxis im Städtedreieck handelt es sich nicht um jene von Markus Common oder von Winfried Grohmann. Beide seien darauf angesprochen worden, sagen sie im Gespräch mit der Presse.