Wie läuft die Suche nach einem Kinderarzt für Oberndorf? (Symbolfoto) Foto: pixabay

Seit dem Tod von Kinderarzt Reinhard Wartha wird in Oberndorf verzweifelt nach einem Nachfolger gesucht, denn es herrscht ein akuter Notstand. Die Stadt setzt seit Herbst 2023 auf einen externen Berater zur Unterstützung bei der Suche. Wir haben uns nun nach Fortschritten erkundigt.

Der Ärztemangel ist nicht nur ein Oberndorfer Problem, sondern beschäftigt den gesamten Kreis Rottweil. Erst im Juli hatte Kinderärztin Margot Klotz erklärt, ihre Praxis in Zimmern zum 1. Oktober schließen zu wollen, nachdem sie eineinhalb Jahre über keinen Nachfolger gefunden habe.

 

Auch Reinhard Wartha hatte vergebens versucht, einen Nachfolger zu finden. Als er im Herbst 2023 dann überraschend verstarb, verschärfte sich die ohnehin schon kritische Lage auf einen Schlag enorm. Denn bereits mit Wartha hatte es zu wenig Kinderärzte in der Region gegeben.

Das hat die Stadt unternommen

Die Stadt beschloss, das Thema Nachfolge anzugehen und engagierte den externen Berater Roman Hadjio, der seit mehr als 30 Jahren Mediziner und Kommunen erfolgreich zusammenbringt. Doch oftmals dauert es, bis sich der Erfolg einstellt, machte er bereits bei einem Gespräch mit unserer Redaktion im November 2023 deutlich.

Das scheint sich nun zu bestätigen. Auf Nachfrage bei Oberndorfs Bürgermeister Matthias Winter nach dem Fortschritt in Sachen Nachfolge antwortet dieser, dass man vor nicht allzu langer Zeit intensive Gespräche mit einer Kinderärztin geführt habe, die aus einem anderen Bundesland nach Oberndorf kommen wollte.

„Neben potentiellen Praxisräumen, die wir besichtigt haben, hatten wir auch diverse Fördermöglichkeiten et cetera aufgezeigt. Leider hat sich die Ärztin dann schlussendlich dafür entschieden, in ihrem Heimatbundesland zu bleiben“, teilt Winter mit.

Wie geht es weiter?

Das sei bislang der erfolgversprechendste Ansatz gewesen. Ansonsten versuche Hadjio weiterhin auf allen Wegen die Arztsuche zum Erfolg zu führen. „Hier werden wir uns nach der Sommerpause zusammensetzen, um die weiteren Schritte zu beraten“, kündigt Winter an.

Was sagt die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg zur Situation in Oberndorf? Auf Nachfrage teilt uns Pressereferentin Gabriele Kiunke mit, im Kreis Rottweil bestehe aus Sicht der KVBW keine Unterversorgung bei den Kinderärzten.

Keine Unterversorgung

„Der Versorgungsgrad im Landkreis Rottweil liegt derzeit bei 92,6 Prozent. Es gibt zwei Niederlassungsmöglichkeiten für Kinderärzte. Insgesamt sind 8,25 Stellen besetzt.“

Von einer Unterversorgung spreche man dann, wenn rechnerisch ein Versorgungsgrad von mehr als 50 Prozent bei Fachärzten beziehungsweise mehr als 75 Prozent bei Hausärzten nicht (mehr) gegeben sei.

Dann prüfe der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen für Baden-Württemberg anhand der tatsächlichen Versorgungssituation eingehend, ob Anhaltspunkte vorliegen, dass eine ausreichende vertragsärztliche Versorgung nicht mehr sichergestellt sein könnte und lege gegebenenfalls fest, welche Maßnahmen getroffen werden sollen.

Warum ist die Nachbesetzung so schwierig?

Für die Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung der Stelle sieht die KVBW mehrere Ursachen. „ Ein Grund ist der gravierende Ärztemangel, der dazu führt, dass wir derzeit allein über 900 freie Hausarztsitze in Baden-Württemberg nicht besetzen können“, so Kiunke.

Der Beruf des Kinderarztes sei zwar weiterhin sehr beliebt, und es gebe viele junge Mediziner, die diese Facharztausbildung anstreben, führt sie weiter aus. „Allerdings fehlt oftmals die Bereitschaft, sich auch niederlassen zu wollen.“ Viele junge Ärzte würden ein Angestelltenverhältnis bevorzugen, und auch der Anteil der Teilzeitbeschäftigten wachse stetig.

Maßnahmen der KVBW

„Als Kassenärztliche Vereinigung haben wir bereits viele Maßnahmen initiiert, um eine Niederlassung attraktiv zu gestalten. So gibt es in manchen Regionen beispielsweise einen finanziellen Zuschuss.“

Zudem biete man die Online-Sprechstunde docdirekt an, in der Kinderärzte per Videochat oder telefonisch Eltern beraten, wenn ihre Kinder leicht erkrankt sind. „Bei docdirekt erhalten Eltern (und auch andere gesetzlich Versicherte) taggleich einen Termin bei einem Kinderarzt (oder bei Erwachsenen bei einem Hausarzt)“, teilt die Pressereferentin mit. Weitere Einzelheiten sind unter www.docdirekt.de nachzulesen.