Im SRH-Krankenhaus gäbe es laut Bürgermeister geeignete Räume. (Archivfoto) Foto: SRH Krankenhaus

Im Kampf gegen den Ärztemangel will der Landkreis ein MVZ auf den Weg bringen. Parallel scheint sich in Oberndorf etwas zu tun: Siedeln sich dort bald zwei Ärzte an?

Der Kreis Rottweil steuert, was die Ärzteversorgung angeht, auf düstere Zeiten zu. Der Landkreis will mithilfe der Firma Diomedes die Weichen für ein Medizinisches Versorgungszentrum stellen. Parallel tut sich aber auch in Oberndorf etwas, wie im Gemeinderat zu erfahren war.

 

Das Interesse der Oberndorfer an der Ärzteversorgung ist seit dem Tod ihres Kinderarztes Reinhard Wartha vor rund zwei Jahren besonders groß und hat erneut zugenommen, seit die Notfallpraxis am Oberndorfer Krankenhaus im Juni geschlossen wurde. Kein Wunder: „Die Lage wird immer bedrohlicher“, machte Bürgermeister Matthias Winter deutlich.

„Versagen“ auf KV-Seite

Die Ärzteversorgung sei Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigung, stellte er klar. Aber auch wenn diese sich keine Ärzte „backen“ könne, so könne man doch ein „gewisses Versagen“ auf KV-Seite feststellen, meinte Winter. Deshalb nehme man das Thema als Landkreis beziehungsweise Stadt selbst in die Hand, um die Daseinsvorsorge sicherzustellen.

Als Vertreter des Gesundheitsamtes den Oberndorfer Gemeinderat nun über den aktuellen Stand der Bemühungen in Sachen MVZ informierten, hatten sie zunächst „bedrückende Zahlen“, wie SPD-Stadträtin Ruth Hunds es später ausdrückte, mitgebracht.

So gibt es im Landkreis insgesamt zu wenig Ärzte – und 40 Prozent der noch praktizierenden sind zudem schon älter als 60 Jahre. Eine 1:1-Nachbesetzung in den vielen Einzelpraxen erachtet das Gesundheitsamt als utopisch. In Oberndorf gibt es, was die Hausarztversorgung angeht, derzeit drei Einzel- und zwei Gemeinschaftspraxen, zeigte Marco Sandmann vom Gesundheitsamt anhand einer Karte.

Landarztquote zeigt erst später Wirkung

Andere Landkreise – Freiburg und Konstanz seien Ausnahmen – hätten mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, meinte Gesundheitsamtsleiter Heinz-Joachim Adam auf Nachfrage des FWV-Stadtrats Dieter Rinker. Dass ein Arzt seine Praxis direkt in jüngere Hände übergebe, funktioniere schon seit einigen Jahren nicht mehr.

Die Landarztquote – eine Maßnahme des Landes, um mehr Mediziner zur Ansiedlung in ländlichen Regionen zu bewegen – werde erst in acht bis zehn Jahren Wirkung zeigen. „Das Ziel ist deshalb, Mediziner im Landkreis zu halten“, erklärte Adam die aktuelle Strategie.

So setze man etwa auf ausländische Fachkräfte, die bis zur Anerkennung ihrer Approbation als Medizinische Fachangestellte arbeiten können und Telemedizin, um die vorhandenen Ärzte zu entlasten. In Gebieten wie beispielsweise der Radiologie und der Dermatologie sei diese gut einsetzbar.

Diomedes ist in Gesprächen

Eine Chance sei aber auch, Mediziner stundenweise anzustellen – eine Möglichkeit, die sich mit einem MVZ bieten würde.

Für ein solches braucht es wiederum in erster Linie Ärzte. Angesprochen werden sollen in diesem Zuge Praxisinhaber ohne Nachfolger – um zu verhindern, dass diese frühzeitig ausscheiden – und ärztlicher Nachwuchs. Aktuell habe die Firma Diomedes bereits Gespräche mit fünf Arztpraxen beziehungsweise sechs Kommunen geführt, informierte Sandmann den Gemeinderat.

Thorsten Ade (CDU) wollte wissen, ob Diomedes einen oder mehrere Standorte im Kreis für ein MVZ suche. Der Landkreis unterstütze die Bemühungen bis zu einer gewissen Summe, meinte Adam dazu. Diese könne aber aus seiner Sicht für zwei Genossenschaften reichen. Momentan befinde man sich aber noch in Modul eins der Abfrage.

Zwei Interessenten

Ruth Hunds wollte wissen, was Oberndorf als Stadt tun könne. Bürgermeister Winter erklärte, durch das Engagement des Landkreises sei viel Bewegung in das Thema gekommen. Privatwirtschaftlich gebe es nun bereits von zwei Seiten habhaftes Interesse daran, sich in Oberndorf anzusiedeln.

Das SRH Krankenhaus sei seinerseits bereit, Praxisräume zur Verfügung zu stellen, und prüfe gerade, zu welchen Konditionen man diese überlassen könne. Jedenfalls seien die Räume so ausgestattet, dass man direkt loslegen könnte, meinte Winter. Sie würden sich auch für ein MVZ eignen.

Welchen Weg man wähle, müsse man dann entscheiden. Das Krankenhaus sei aber in jedem Fall ein guter Standort, um Synergieeffekte zu nutzen.