Die Stadt Calw wird dem Landkreis die alte Klinik abkaufen. Wie es weiter gehen soll, besprach nun der Bauausschuss. Allerdings muss Calw erst einmal auf eine Förderzusage warten.
Ende Oktober gab Oberbürgermeister Florian Kling im Gemeinderat bekannt, dass die Stadt das alte Krankenhaus-Areal kaufen wird. Die Stadt möchte auf der Fläche Wohnbebauung realisieren.
Was genau die Stadt für das Grundstück an den bisherigen Eigentümer, den Landkreis Calw, bezahlt, ist noch nicht klar. Mit dem Landkreis habe man bis zum Vertragsschluss stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart, so Kling damals.
Nun beschäftigte sich der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung mit der Zukunft des Areals. Einen Kaufpreis nannte die Verwaltung auch hier nicht. Aber Bauamts-Chef Andreas Quentin erklärte die nächsten Schritte. Er sah durch die Entwicklung der Fläche ein „unglaubliches Potenzial“ für die Stadt.
Warum kauft die Stadt das Areal?
Allerdings hatte die Stadt erst einen anderen Ansatz verfolgt, wie Quentin erklärte. Die Idee sei gewesen, das Areal im Besitz des Landkreises zu belassen. Man hätte in dem Fall eine gemeinsame „Konzeptvergabe“ durchgeführt. Landkreis und Stadt hätten so Einfluss auf die konkrete Entwicklung nehmen können. Mit diesen Vorgaben hätte das Gelände dann an einen Investor veräußert werden können.
Das Problem bei diesem Vorgehen wäre aber gewesen, dass wohl keine Fördergelder des Landes aus der Städtebauförderung geflossen wären, so Quentin. Denn der Landkreis sei nicht antragsberechtigt.
Warum soll es ein Sanierungsgebiet geben?
Einen solchen Antrag dürfe nur eine Kommune stellen, erklärte Quentin. Und genau deshalb kam der neue Plan ins Spiel. Die Stadt kauft das Gelände und kümmert sich um diesen Antrag für die Städtebauförderung selbst.
Den Antrag habe die Stadt am 6. Oktober gestellt, so Quentin. Bis Ende des ersten Quartals 2026 erhalte man hier eine Rückmeldung. Durch dieses Vorgehen wollte die Stadt verhindern, dass sich das Areal langfristig zu einem „Lost Place“ entwickle. Es sei deshalb richtig, dass der Gemeinderat mit dem Kauf den „großen Wurf“ gewagt habe
Um die Städtebauförderung zu bekommen, muss die Stadt allerdings ein Sanierungsgebiet ausweisen. Quentin zeigte in der Sitzung dazu eine Karte. „Das Sanierungsgebiet ist größer als das Areal“, erklärte er. Dadurch könne nämlich auch das Gebiet an der Linde, in der Hengstetter Steige oder entlang der Nagold auf der Seite des ZOB von den Fördergeldern profitieren.
Das Sanierungsgebiet am nördlichen Stadteingang werde in diesem Zuge abgewickelt, so Quentin. Für das neue Sanierungsgebiet sind die Ziele unter anderem Schaffung von Wohnraum, Nutzung von Leerstand oder Herstellung von Barrierefreiheit.
Was soll auf dem Areal passieren?
Den Ausschuss beschäftigte nun die Aufstellung eines Bebauungsplanes für das Krankenhaus-Areal. „Es geht jetzt noch nicht um eine inhaltliche Festlegung“, erklärte der stellvertretende Bürgermeister Jürgen Ott (GfC).
Das Bebauungsplanverfahren werde erst weitergeführt, wenn die Stadt die Förderzusage des Landes erhalte, so Quentin. Insgesamt könne das Bebauungsplanverfahren bis zu zwei Jahren dauern.
Im Frühjahr möchte die Stadt aber etwas konkreter werden, was die künftige Bebauung angeht. Sie will Vorgaben für die Konzeptvergabe erarbeiten, so Quentin. Dann folge eine Mehrfachbeauftragung. Einfach gesagt: Die Stadt lässt verschiedene Konzepte erarbeiten. Die beste Idee bekommt den Zuschlag.
Ein paar Details nannte Quentin im Ausschuss aber schon. Das Schwesternwohnheim werde ganz oder teilweise abgerissen. Das Ärztehaus sowie der ehemalige Kindergarten blieben erhalten. Auch soll das Parkhaus ersten Überlegungen zufolge weichen. Doch laut Quentin sei der Bau für die Hangstabilität wichtig.
Das sagt der Gemeinderat
Johannes Schwarz (SPD/Grüne) war wichtig, dass die Stadt frühzeitig klar mache, was sie wolle. Schwarz meinte, man müsse das alte Krankenhaus nicht unbedingt komplett abreißen. Vielleicht ließen sich die Altbauten anders nutzen. Das müsse man prüfen. Zudem sei wichtig, dass bezahlbarer Wohnraum entstehe. Nur so ließe sich die Wohnraumknappheit mindern. Und es sei auch eine Regenwasserbewirtschaftung mit großer Zisterne möglich.
Dieter Kömpf (FW) hingegen warnte davor, mit zu vielen Vorgaben in die Mehrfachbeauftragung zu gehen. „Wir sollten die Stadtplaner erst einmal tolle Ideen entwickeln lassen“, sagte er. „Wir werden die goldene Mitte finden“, war sich Ott sicher. Quentin ergänzte, dass der Gemeinderat in der Aufgabenstellung der Mehrfachbeauftragung durchaus Kriterien festlegen könne.
Oliver Höfle (GfC) bereitete die finanzielle Seite Sorgen. Denn selbst wenn Calw die Städtebauförderung und damit Zuschüsse von 60 Prozent bekomme, fehle der Stadt doch das Geld für den Eigenanteil. Calw habe „leere Taschen“, so Höfle.
Kämmerer Klaus Reichert beruhigte ihn. Die Gelder seien bereits im Haushalt 2026 eingeplant. Und er glaube nicht, dass das Projekt langfristig ein Verlustgeschäft werde.