Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis ist die Zahl der niedergelassenen Kinderärzte rückläufig. (Symbolfoto) Foto: Tomsickova – stock.adobe.com

Engpässe bei der Versorgung mit niedergelassenen Kinderärzten gibt es auch im Schwarzwald-Baar-Kreis. Am Mittwoch gründet sich ein Weiterbildungsverbund Pädiatrie für die Region.

Die negative Entwicklung nicht einfach beobachten sondern aktiv was dagegen tun – das ist das Ziel des Weiterbildungsverbundes Pädiatrie (Kinderheilkunde) in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Die Gründung ist für den heutigen Mittwoch geplant.

 

Die Hintergründe erläuterten am Montag Matthias Henschen, Ärztlicher Direktor des Schwarzwald-Baar-Klinikums – Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, und der Erste Landesbeamte Martin Seuffert in der Sitzung des Kreisausschusses für Verwaltung, Wirtschaft und Gesundheit. Engpässe bei der Versorgung durch niedergelassene Kinderärzte gibt es laut Henschen auch im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Die Quote sinkt

Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zeigen, dass der Versorgungsgrad in diesem Bereich von 117 Prozent im Jahr 2020 auf knapp 97 Prozent in diesem Jahr im Schwarzwald-Baar-Kreis zurück gegangen ist. Dramatischer sieht es im Kreis Rottweil bei Kinderärzten aus. Dort liegt der Versorgungsgrad nur noch bei 68 Prozent. Im Kreis Tuttlingen sei die Situation noch gut. Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist seitens der KV zwar wieder für Neuniederlassungen geöffnet. „Von den elf Vollzeitäquivalenten sind 41 Prozent der Ärztinnen und Ärzte über 60 Jahre.“ Das bedeutet Handlungsdruck. Sonst riskiert man, dass in wenigen Jahren auch hier im Kreis bei weitem nicht ausreichend Ärzte für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen.

Die KV hat zwar den Sicherstellungsauftrag für die Versorgung mit niedergelassenen Ärzten. Das reicht aber offenbar nicht aus. Deshalb engagieren sich Kommunen wie Villingen-Schwenningen mit Initiativen wie der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ).

„Das Thema hat mich sehr beschäftigt. Jetzt sind wir einen kleinen Schritt weiter“, so Matthias Henschen. „Das System da draußen funktioniert noch nicht mit Weiterbildungsassistenten, nur mit Fachärzten.“ Ziel des Verbundes ist es unter anderem, dass die Assistenzärzte ihre fünf Jahre Weiterbildung nicht ausschließlich in einer Klinik wie in diesem Fall das Schwarzwald-Baar-Klinikum verbringen sondern auch Erfahrungen sammeln in Kinderarztpraxen.

Bedingungen verbessern

Aber: Die Rahmenbedingungen für eine Weiterbildung in Praxen seien bislang nicht gut. Die Anstellung eines solchen Arztes sei aus den Einnahmen einer Einzel- oder Gemeinschaftspraxis nicht ohne Weiteres zu stemmen. Deswegen brauche es finanzielle Förderung. Ein Vorstoß bei der Bundesgesundheitsministerin brachte keinen Erfolg. Jetzt hoffe man auf das Land und da konkret auf das Ministerium, dem Manfred Lucha vorsteht.

Es brauche den Verbund, um ein Curriculum für die Weiterbildung nachzuweisen und so überhaupt die Grundlage für eine finanzielle Förderung zu schaffen. Matthias Henschen berichtete, er habe für zwei Stellen in der Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums zehn Bewerbungen. Anstatt jetzt acht absagen zu müssen, könnten künftig „sofort drei Weiterbildungsassistenten in die Praxen gehen“.

Fünf nach zwölf

Fritz Link (CDU) bezeichnete die Gründung des Verbundes als einen folgerichtigen Schritt. „Es ist bei uns längst fünf nach zwölf.“ Es sei im öffentlichen Interesse, hier einen großen Schritt weiterzukommen. „Es ist ja geradezu grotesk, wenn man zehn Bewerber hier hat, aber sie nicht alle einsetzen kann“, meinte Jörg Frey (FW). Frank Bonath, für die FDP im Kreis- und im Landtag, sagte zu, sich des Themas Förderung in Stuttgart annehmen zu wollen, zusammen mit weiteren FDP-Abgeordneten der Region.