Da geht’s lang zur Notfallpraxis im Schwarzwald-Baar-Kreis. Doch gehen diesen Weg bald verstärkt auch Patienten aus dem Nachbarlandkreis? Foto: Daniela Schneider

Im Nachbarlandkreis Rottweil schrillen die Alarmglocken: Eine Notfallpraxis soll geschlossen werden. Der Einschnitt wird sich auf die komplette Region auswirken – auch auf den Schwarzwald-Baar-Kreis.

Als vor einem Jahr die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg ihre Kürzungspläne für Notfallpraxen im Land bekannt gegeben hat, da war auch Villingen-Schwenningen direkt betroffen.

 

Die Notfallpraxis in der Klinikstraße 3 in Villingen-Schwenningen, nur einen Steinwurf vom Schwarzwald-Baar-Klinikum entfernt, hatte nicht mehr jeden Tag auf, vorübergehend. Mittwochs von 18 bis 20 Uhr, freitags von 16 bis 20 Uhr und wochenends sowie feiertags von 9 bis 19 Uhr, das waren die vorübergehenden Öffnungszeiten. Mittlerweile ist die Praxis laut Notfall-Auskünften des Klinikums wieder täglich geöffnet – Montag bis Donnerstag von 18 bis 22 Uhr, freitags von 16 bis 22 Uhr und wochenends sowie feiertags sogar von 8 bis 22 Uhr. Und doch könnte es jetzt wieder enger werden für die Patienten in der Region.

Das ist die Ursache

Ursache dafür könnten aktuelle Entwicklungen in Rottweil sein. Die KV plane die Schließung von weiteren 15 Notfallpraxen im Land, darunter die am SRH-Krankenhaus in Oberndorf. Und auch eine weitere Schließung dürfte Patientenströme nach Villingen-Schwenningen verlagern: In Wolfach steht ebenfalls eine Notfallpraxis vor dem Aus.

Die Notfallpraxis-Pläne sorgen für Aufruhr in der Region. Hier zu sehen ist ein Türschild der Praxis im Schwarzwald-Baar-Kreis. Foto: Daniela Schneider

Die Politik sträubt sich schon gegen die Pläne. Unter anderen betonte der Rottweiler FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais: „Die Notfallpraxen dienen der ärztlichen Versorgung in der Nacht und am Wochenende. Sie sind Anlaufstelle für nicht lebensbedrohliche Fälle, die ärztlicher Behandlung bedürfen und sind in der Regel in Räumlichkeiten der Krankenhäuser untergebracht.“

Düsteres Zukunftsszenario

Im Raum Rottweil ist demnach künftig nur noch ein Standort für eine Notfallpraxis vorgesehen. In seinem Appell an die KV schildert Karrais das dann wahrscheinliche Szenario samt der in Villingen-Schwenningen erwarteten Konsequenzen: Bürger aus Schiltach, Schenkenzell, Lauterbach und Umgebung müssten dann in 45 Minuten unter anderen nach Villingen-Schwenningen fahren, um dort eine Notfallpraxis aufzusuchen, wenn der Hausarzt gerade geschlossen ist, weil der Krankheitsfall außerhalb der normalen Öffnungszeiten anfällt.

„Das ist für mich inakzeptabel und gerade für ältere Menschen unzumutbar“, schlussfolgert Karrais, der bereits eine Resolution im Rottweiler Kreistag beantragen möchte, um für den Erhalt der Standorte in Oberndorf und Wolfach zu kämpfen.

Dafür könnte man auch im Schwarzwald-Baar-Kreis offen sein, denn das Patientenaufkommen dort ist enorm.

Tausende Patienten

Mit Eröffnung des Zentralklinikums im Juli 2011, zog die Notfallpraxis der niedergelassenen Ärzte im Schwarzwald-Baar-Kreis in die Klinikstraße im Zentralbereich um. Schon in den ersten beiden Jahren wurden dort am Wochenende und Feiertagen mehr als 10 000 Patienten behandelt. Damals aber war die Praxis gerade einmal an Samstagen, Sonn- und Feiertagen geöffnet, wenn auch noch rund um die Uhr.

2017 waren die Zeiten erweitert worden – der Grund: das hohe Patientenaufkommen, wie die Kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg damals mitteilte. War bis dato von Montagabend bis Donnerstagabend geschlossen, wurde die Öffnungszeit auch auf die übrigen Tage ausgeweitet, dann aber mit der Konsequenz, dass die Sprechzeit am Wochenende, von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen, um eine Stunde, auf 22 Uhr, reduziert worden ist.

Einst revolutionär

Das Konzept der Notfallpraxis im Schwarzwald-Baar-Kreis war seinerzeit, 2015, übrigens fast schon revolutionär: 280 niedergelassene und private Ärzte aus dem Landkreis wurden über die Gründung involviert und konnten sich in die Versorgung der Patienten am Wochenende einbringen. Die Praxis sollte der Prototyp für kommende Notfallpraxen im ländlichen Raum sein – getrennt vom Klinikum, aber räumlich eng angebunden. Zwei Ärzte und Arzthelferinnen versorgten die Patienten, ein Fahrdienst gewährleistete die Erreichbarkeit für alle, die nicht selbst kommen konnten. Notärzte und Rettungsdienste waren darüber hinaus im Einsatz.

Die Notfallpraxis Schwarzwald-Baar galt als wegweisend. Es klang hoffnungsvoll und wie der Beginn einer neuen, viel besseren Ära im Gesundheitssystem. Jetzt, neun Jahre später, werden viele Notfallpraxen durch die KV per Notbremse geschlossen, weil weniger Ärzte zur Verfügung stehen und Poolärzte nun sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden müssen. Die Konsequenz ist für viele bitter: Poolärzte, die über eine Kooperationsvereinbarung in so einer Praxis arbeiten und damit den Bereitschaftsdienst in einer Region gewährleisten, werden sozialversicherungspflichtig und müssen Eigenanteile in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Auch den Kassenärztlichen Vereinigungen geht diese Regelung an den Geldbeutel – die Folgen für die Patienten aber sind besonders gravierend: weniger Poolärzte, längere Wartezeiten – auch weil die eine oder andere Notfallpraxis bald wohl nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

Im Notfall im Schwarzwald-Baar-Kreis

Der Hausarzt oder behandelnde Arzt
gilt als erster Ansprechpartner

Die kassenärztliche Notfallpraxis
in der Klinikstraße hat folgende

Außerhalb der Notfallpraxiszeiten oder für notwendige Hausbesuche
können Patienten zwischen 18 und 8 Uhr die 116 117 wählen.

Der vertragsärztliche Notfallfalldienst für Kinder und Jugendliche
steht wochentags am Schwarzwald-Baar-Klinikum zwischen 19 und 21 Uhr zur Verfügung sowie wochenends und feiertags von 9 bis 21 Uhr.

Im HNO-Bereich
gibt es einen vertragsärztlichen

Der augenärztliche Notfalldienst
wird vermittelt unter 116 117

Der zahnärztliche Notfalldienst am Wochenende
ist erreichbar unter 0180/3 22 25 55 65.