Wohl dem, der einen Arzttermin ergattert hat. Der Ärztemangel schlägt sich auch im Stimmungsbild der Bürger nieder. (Symbolbild) Foto: bongkarn - stock.adobe.com

Wie zufrieden sind die Menschen im Landkreis Rottweil mit der Gesundheitsversorgung in der Region? Und was muss sich ändern? Dazu gibt es jetzt interessante Zahlen.

Umfassende Einblicke in die Stimmungslage der Bevölkerung und detaillierte Informationen zu den spezifischen Herausforderungen vor Ort gibt laut Mitteilung das neue Informationsportal der AOK Baden-Württemberg gesundewahl-bw.de. Zudem präsentiert das auch Portal die politischen Positionen und Forderungen der Landtagskandidierenden aus den Wahlkreisen zum Thema Gesundheit.

 

„Mit dem Informationsportal möchten wir die politische Diskussion vor der Landtagswahl anregen und sicherstellen, dass Gesundheit, Pflege und Prävention landesweit als wichtige Themen berücksichtigt werden“, sagt Harald Rettenmaier, Geschäftsführer der AOK Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Laut einer Civey-Befragung im Auftrag der AOK Baden-Württemberg, deren Ergebnisse auf der Seite zu finden sind, zeigt sich eine Mehrheit der Befragten im Landkreis Rottweil mit der Gesundheitsversorgung nicht zufrieden. Insgesamt bewerten nur rund 45 Prozent ihre Versorgung vor Ort als „sehr zufriedenstellend“ oder „eher zufriedenstellend“, während knapp 49 Prozent sie als „weniger zufriedenstellend“ oder „gar nicht zufriedenstellend“ einstufen.

Im Landesdurchschnitt sind die Menschen in Baden-Württemberg positiver gestimmt: 58,8 Prozent äußern sich zufrieden, 27,3 Prozent unzufrieden. Die Zufriedenheit steigt mit dem Alter: In der Gruppe der über 65-Jährigen liegt sie bei 69,8 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen bei 54,4 Prozent.

Hausarzt besonders wichtig

Als wichtigstes Thema für die Gesundheitsversorgung nennen die Menschen in der Region eine gute, erreichbare hausärztliche Versorgung (71,3 Prozent). „Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die Primärversorgung zu stärken. Dazu gehören die Aufwertung der Allgemein- und Kindermedizin in Studium und ärztlicher Ausbildung ebenso wie ein Ausbau des Landärzteprogramms. Zudem brauchen wir eine gezielte Einbindung der unterschiedlichen Gesundheitsberufe“, fordert Rettenmaier.

Früherkennung und Vorsorgeuntersuchungen gelten für 65,7 Prozent der Befragten in der Region als wichtigste Maßnahme zur Krankheitsprävention. Knapp die Hälfte (54,6 Prozent) spricht sich für Gesundheitsbildung in Schulen aus, während 28,4 Prozent gesundes Essen in Kantinen als entscheidend erachten. Das Wissen um die Bedeutung von Früherkennung und Vorsorgeuntersuchungen hängt landesweit auch vom Bildungsstand ab: 63,8 Prozent der Befragten mit Abitur halten diese Maßnahme für sehr relevant, bei Menschen mit mittlerer Reife sind es 56,4 Prozent, bei Hauptschulabschluss oder ohne Abschluss nur noch 49,9 Prozent.

Große Sorgen um die Pflege

In der Region sehen 96,1 Prozent der Befragten mit privaten oder beruflich Pflegeerfahrungen pflegende Angehörige als stark belastet. 85,1 Prozent finden, dass pflegende Angehörige zu wenig Unterstützung erhalten – dieser Wert ist landesweit insbesondere in der Altersgruppe der 30 bis 39-jährigen hoch (97,3 Prozent).

Die Versorgungslage in der Region wird unterschiedlich bewertet: 84,2 Prozent sehen zu wenig stationäre Plätze, bei ambulanten Angeboten sagen das 69,6 Prozent. Die Wartezeit auf einen Pflegeplatz wird mehrheitlich als zu lang bewertet (97,9 Prozent). Die Pflegequalität vor Ort beurteilen 23,8 Prozent als gut, 23,6 Prozent als schlecht.

Infos zur Statistik

Civey hat für die AOK Baden-Württemberg vom 04. September bis 23. Oktober 2025 online 2000 Personen aus Baden-Württemberg und 1500 Personen, die privat oder beruflich mit Pflege zu tun haben aus Baden-Württemberg, befragt. Die Ergebnisse sind laut Mitteilung aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 4,4 bis 5,4 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis.