Überraschung beim Thema Energiewende: Die Stadt will die Errichtung von Windkraftanlagen an weiteren Orten unterstützen. Im Gespräch ist auch das Gebiet zwischen Lahr und Sulz. Ein weiteres Areal könnte Ärger mit einem Nachbarn bedeuten.
Auch wenn auf Lahrer Gemarkung erst eines steht, sind Windräder bereits jetzt ein Teil des Landschaftsbildes. Die in diesem Jahr eingeweihte Anlage auf dem Kallenwald bei Seelbach taucht bei der Einfahrt in die Stadt gut sichtbar am Horizont auf. Auch die drei Windräder auf dem Langenhard, von denen die zwei südlichen auf Seelbacher Gemarkung stehen, sind von vielen Orten der Stadt aus sichtbar. Langfristig könnten es noch mehr Windräder werden. Denn nicht nur am „Detschel“, wo, wie bereits bekannt, zwei Anlagen entstehen sollen, hat die Stadt etwas vor.
Deutlich wird das in der Stellungnahme der Verwaltung zur Teilfortschreibung des Regionalplans Windenergie durch den Regionalverband Südlicher Oberrhein. Dieser Plan beinhaltet, an welchen Orten in Zukunft Windkraftanlagen leichter genehmigt werden können und weist sogenannte Vorrangflächen aus. Das Thema landet zurzeit auf den Tischen aller Gemeinderäte in der Region, in Lahr ist es am Montag, 23. September, so weit. Aus einigen Umlandgemeinden – etwa Seelbach und Schuttertal (wir berichteten) – gibt es Kritik. Die Gemeinden befürchten eine Überlastung und fordern, Gebiete, in denen bislang keine Anlagen stehen, zu streichen. Lahr geht indes in eine andere Richtung.
Die Verwaltung, so ist in der Stellungnahme ersichtlich, fordert, weitere Gebiete als sogenannte Vorrangflächen für Windräder auszuweisen. Konkret geht es zunächst um die bereits geplanten Windräder am „Detschel“ zwischen Sulz und Schmieheim. Dort hat die Stadt bereits einen Pachtvertrag mit dem E-Werk Mittelbaden abgeschlossen, das die Errichtung zweier Windräder bis 2027 vorsieht. Die Fläche ist jedoch (noch) nicht als Vorranggebiet im Plan enthalten. Gemeinsam mit dem E-Werk werde man dem Regionalverband eine erweiterte FFH-Verträglichkeitsvorprüfung bis Ende Oktober vorlegen. „Aus fachlicher Sicht“, so heißt es, gehe man davon aus, dass eine Aufnahme möglich ist.
Überraschend ist jedoch, dass sich die Stadt auch „eine Perspektive für die Aufnahme weiterer Vorranggebiete“ wünscht. Dies beziehe sich vor allen auf eine Ausweisung im Gewann Ernet. Eine der Stellungnahme angehängte Karte zeigt, dass ein Gebiet in Form einer Ellipse um den 343 Meter hohen Hügel als „Suchkulisse Lahr“ betitelt ist. Die Grenzen dieses Gebiets sind etwa einen Kilometer von den Bebauungen in der Lahrer Ernetstraße auf der einen und der Sulzbergstraße in Sulz auf der anderen Seite entfernt.
Wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung
Was bedeutet dies nun konkret? Dass bereits in den kommenden Jahren ein oder mehrere Windräder im Ernet gebaut werden, ist unwahrscheinlich. Es gibt laut Stadt bislang weder ein Gutachten über die Naturverträglichkeit an dieser Stelle noch bestehe Interesse eines potenzielles Betreibers. Jedoch: „Die Absicht der Stadt Lahr, Windkraftanlagen im Gewann Ernet zu errichten beziehungsweise ihre Errichtung zu fördern, ist verfestigt“, heißt es. Früher oder später dürften Anlagen dort also Thema werden, vor allem, wenn das Gebiet tatsächlich Vorrangfläche werden sollte. Das sei jedoch aufgrund fehlender Untersuchungen derzeit noch nicht möglich.
Grundsätzlich will die Stadt, die sich bekanntlich zum Ziel gesetzt hat, bis 2040 klimaneutral zu werden, mehr auf Windenergie setzen. Die Verwaltung sieht „die Förderung erneuerbarer Energie auf dem Stadtgebiet als wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung“. Deshalb möchte man zu deren Ausbau „im Stadtgebiet einen substanziellen Beitrag leisten“, heißt es. Dieser Beitrag soll sich laut einer Karte nicht nur auf den „Detschel“ und das „Ernet“ beschränken.
Am Lauenberg droht Ärger mit Seelbach
Drei Gebiete, die im neuen Plan als Vorrangflächen ausgewiesen sind, sind ebenfalls Teil der Suchkulisse: „Langenhard-West“, westlich der bestehenden Anlagen, das „Langeck“ nördlich von Reichenbach und der Lauenberg südlich von Reichenbach. Gerade bei letzterem droht jedoch Ärger mit Seelbach, sollten die Pläne konkreter werden. Denn die Gemeinde wehrt sich explizit gegen Windräder an diesem Standort und fordert die Streichung des Vorranggebiets. Es handele sich um „die sehr sensible Einfahrtssituation nach Seelbach und in das Schuttertal“. Die Befürchtung ist, dass die Windräder Einfluss auf das Ortsbild nehmen.
In einem sind sich Seelbach und Lahr allerdings einig: Auf dem Eichberg bei Reichenbach, zurzeit ebenfalls als Vorranggebiet geplant, soll kein Windrad entstehen. „Dieser Standort befindet sich unmittelbar in der Sichtachse von Lahr, Kuhbach und Reichenbach auf die Burg Hohengeroldseck. Diese historisch bedeutsame Blickbeziehung, mit grenzüberschreitender Wirkung Richtung Straßburg, prägt maßgeblich das Landschaftsbild“, so die Stadt.
Auch Solar ist Thema
Neben der Planfortschreibung für Windenergie wird die Stadt am Montag, 23. September, im Gemeinderat auch Stellung zu den Plänen für Photovoltaik beziehen. Hier wünscht die Stadt, ein Vorranggebiet südlich der Dr. Georg-Schaeffler Straße zu streichen. Man habe andere Nutzungsideen.