Manche Kunden erfuhren mehr oder weniger per Zufall, dass auch die Tage der Postfächer gezählt sind. Foto: Daniela Schneider

Dass die Tage der Post an der Friedrich-Ebert-Straße gezählt sind, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Während man Postdienstleistungen bei Partneragenturen bekommen kann, sieht es bei den Postfächern anders aus. Kunden, die diese bislang in Anspruch genommen hatten, sind ratlos.

Der Gang zum Postfach war für Elmar Meiß Routine. Seit nunmehr Jahrzehnten nahm er diese Dienstleistung in Anspruch.

 

Am Freitag vergangener Woche allerdings erlebte er bei der Postfachanlage in der Friedrich-Ebert-Straße in Schwenningen etwas Neues: Als er sein Fach nämlich wieder einmal öffnete, um die Post rauszuholen, erfuhr er mehr oder weniger zufällig, dass das künftig nicht mehr möglich sein wird.

Eine Frau sprach ihn an und fragte, ob er es schon mitbekommen hätte? Ab Mittwoch sei Schluss mit den Postfächern – zeitgleich mit der Schließung der Filiale. Die Fächer würden aufgelöst. Elmar Meiß stutzte. Nein, das hatte ihm bislang noch niemand mitgeteilt.

Schreiben nicht für alle

Andere Postfachkunden hingegen wurden offenbar in der Sache angeschrieben. Dieses Schreiben hatte dann auch die Frau vor Ort zur Hand und konnte es ihm weitergeben. Da stand’s schwarz auf weiß auf dem Zettel: Am Mittwoch dieser Woche war demnach die letzte Verteilung im Postfach.

Den langjährigen Kunden regt das Vorgehen auf, zumal es ihm so vorkommt, als ob die Beschäftigten vor Ort auch von der Entscheidung überrascht wurden. „Diese Art und Weise ist unterste Schublade”, ärgert er sich.

Einen Tag später wurde ihm besagtes Schreiben dann übrigens doch noch zugestellt, per Post an die Adresse zuhause, datiert auf den 18. September, eingegangen zweieinhalb Wochen später.

„Irritationen“ bedauert

Drin stand unter anderem , dass es aus „betrieblichen Gründen“ zu der „vorübergehenden Schließung“ komme und man für die Zeit, in der die Postfachanlage nicht zur Verfügung stehe, die Post an die hinterlegte Hausadresse zustelle. Die Jahresmiete werde den Postfachmietern für den entsprechenden Zeitraum erlassen. Wann und ob überhaupt die Postfächer wieder genutzt werden können, schien dem Schreiben nach offen.

Für größere Geschäftskunden könne man nach Rücksprache eventuell im Briefzentrum Villingen-Schwenningen Postfächer anbieten, teilte ein Pressesprecher der Post AG auf Nachfrage der Redaktion mit – für alle anderen scheint sich hingegen keine direkte Lösung abzuzeichnen. Der Sprecher betont nämlich derweil: „Die Postfachanlage in der Friedrich-Ebert-Straße wird definitiv geschlossen.“ Dass möglicherweise „Irritationen“ durch das Schreiben bezüglich „vorübergehender Schließung“ entstanden seien, bedauere man selbstverständlich. Eine mögliche Erklärung für das Stichwort „vorübergehend“? „Wir haben einen alternativen Postfachstandort gesucht, haben leider aber nichts Passendes gefunden. Sollte sich wider Erwarten doch noch eine Möglichkeit zur Einrichtung einer Postfachanlage ergeben, würden wir dies unter wirtschaftlichen und betrieblichen Aspekten prüfen.“

Ein großes Ärgernis

Warum zum Beispiel Elmar Meiß das Schreiben erst verspätet erhalten habe? „Das können wir nicht nachvollziehen“, sagt der Sprecher kurzum. Für den Betroffenen ist das Ganze ein großes Ärgernis und die lapidare Antwort passt da einfach ins Bild. Seine Ehefrau Ursula Meiß findet es ebenfalls unmöglich, wie die Post hier agiert.

Sie weiß von etlichen Kunden, die die Postfächer bislang nutzten und jetzt keine Alternative haben. „Ich habe mit einer älteren Dame gesprochen, die seit Jahren das Postfach hat. In ihrer Wohnung hat sie nur einen Briefschlitz und wenn da die Post eingeworfen wird, geht die Tür fast nicht mehr auf“, berichtet sie, warum es in einem solchen Fall einfach praktisch und hilfreich war, auf ein Postfach zurückgreifen zu können.

Das geht jetzt nicht mehr – und eine Alternative wird nicht angeboten.

Die Zuständigkeiten

Die Schließung der Filiale hatte im September die Postbank bekannt gegeben, die diese bis dato betrieb. Die Postfächer wiederum „liegen in der Zuständigkeit der Post AG”, wie ein Pressesprecher  der Postbank auf Nachfrage mitteilte. „Wenn wir eine Filiale schließen, teilen wir das der Post AG mit und diese sucht dann nach Wegen, wie sie eine Dienstleistung wohnortnah anbieten kann”, erklärte der Sprecher. Ob  eine solche Lösung gefunden werde, wisse die Postbank nicht. „Das erfahren wir nicht“, so seine Erklärung.