Hier sah es noch deutlicher bunter aus. Sträucher, Blumen und Kräuter sind unter anderem für die Bienen wichtig. Foto: Mei

Auf der Bahnstrecke Höhe Epfendorf wurde vergangene Woche konsequent gemäht. Epfendorfs stellvertretender Bürgermeister und Naturschutzbeauftragter für die Schlichemklamm, Uwe Mei, ist darüber nicht begeistert. Wir haben bei der Deutschen Bahn nachgefragt.

Epfendorf - Im Garten von Uwe Mei geht es "wild" zu. Es gibt zahlreiche Sträucher, Kräuter und Blumen zu bestaunen. Bienen fliegen herum, auch Schmetterlinge sind zu sehen, ein kleiner Bachlauf fließt.

 

Auf der Bahnstrecke bei Epfendorf sieht dies seit vergangener Woche anders aus. An den Rändern der Gäubahn-Strecke wurden alle Blumen und Sträucher niedergemäht, was Mei ärgert, wie er im Gespräch verrät.

"Ich liebe die Natur. Wenn dann so mit ihr umgegangen wird, tut mir das weh", erklärt Mei. Er ist Hobby-Imker und sieht für die Bienen eine schlechte Situation in diesem Jahr. "Im Frühjahr war es sehr lange kalt und zuletzt gab es sehr starke Niederschläge. Die Bienen müssen aktuell zum Teil gefüttert werden, weil sie keine Nahrung finden."

Was sagt die DB dazu?

Laut Mei hätte es gereicht, noch vier Wochen mit den Mäharbeiten zu warten, dann wäre die Blütezeit vorbei gewesen und das Mähen wäre sinnvoll gewesen.

Auf unsere Nachfrage erklärt eine Bahnsprecherin. "Natur- und Artenschutz ist der Deutschen Bahn sehr wichtig. Wir engagieren uns bei weit über 100 Projekten zum Thema, an einigen Bahnhöfen haben wir zum Beispiel Bienenarchen aufgestellt."

Es stellt sich die Frage, wie es dann trotzdem zu den Mäharbeiten kommen konnte. Dies hat mit der Verkehrssicherheit zu tun, wie die Sprecherin ausführte. "Es ist unsere oberste Pflicht auf die Sicherheit unserer Gäste zu achten. Es gibt klare Regelungen und eng an den Gleisen muss einfach frei sein."

Initiative ergreifen

Was geschehen ist, lässt sich nicht mehr ändern. Mei weiß dies, hofft aber, dass sich in Zukunft ein größeres Bewusstsein für die Umwelt entwickelt.

Er sieht bereits erste Fortschritte. "Mit dem Straßenbauamt läuft es in diesem Jahr bisher sehr gut. Es wurden keine unnötigen Mäharbeiten durchgeführt, das war in der Vergangenheit auch schon anders." Mit dem Landschaftserhaltungsverband Rottweil gibt es eine weitere Institution, die laut Mei als Ansprechpartner zur Seite steht. "Die Schnittstelle zwischen Landwirtschaft, Natur und Kommune ist dort gut abgedeckt", so der Naturliebhaber.

Mei versucht in seiner Rolle als stellvertretender Bürgermeister, initiativ zu sein. "Ich spreche Themen zum Naturschutz an und versuche in der Kommunalpolitik Einfluss zu nehmen. Zudem versuche ich dies aber auch ganz bewusst im eigenen Garten vorzuleben."

Im Albverein der Ortsgruppe Epfendorf agiert er als Naturschutzwart und ist als Naturschutzbeauftragter für die Schlichemklamm zuständig. Diese ist das größte Naturschutzgebiet im Kreis Rottweil.

Zusammenhänge erkennen

Er hat Verständnis für die Interessen von Landwirten, der Bahn und anderen Gruppen – wünscht sich aber das Zusammenhänge mehr begriffen werden.

Hierfür gibt er ein Zitat von Einstein. "Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr."