Hatten beim Kauf des alten Waldmössinger Pfarrhauses eigentlich ein Wörtchen mitzureden, bis das Baurecht nicht erteilt wurde und dann das Geld ausging: die Familie Schmidt mit Chiara, Lars und dem kleinen Livian. Foto: Herzog,Schmidt/Montage: Kieninger

Lars Schmidt ist sauer. „Schande über die Kirche Waldmössingen und über die Stadt Schramberg“, wettert er im Gespräch mit unserer Redaktion. Woher kommt dieser Ärger?

Das hat mit dem alten Pfarrhaus in Waldmössingen zu tun. Jüngst hat Ortsvorsteher Reiner Ullrich im dortigen Ortschaftsrat bekanntgegeben, dass der Kirchengemeinderat beschlossen habe, das eingeschossige Gebäude mit Flachdach von 1973 zu verkaufen – am liebsten an die Stadt. Seit November 2018 stünden die rund 150 Quadratmeter Wohnfläche leer. Die Kirchengemeinde habe marktübliche Angebote erhalten, die aber nicht Grundlage der Verhandlungen mit der Stadt seien.

Nutzung für gemeinschaftliche Angebote?

Genutzt werden könne das Gebäude für öffentliche und gemeinschaftliche Nutzungen, etwa für Vereine, VHS, Schulen, Jugend oder Seniorenangebote. Außer Frage steht: Wegen der Größe und der Nähe zur Ortsmitte besitzt das Gebäude große Bedeutung. Nun, so die Entscheidung des Rats, soll die Stadt ein Angebot machen. Die Fachbereiche der Verwaltung dagegen hatten Bedenken wegen eines fehlenden konkreten Nutzungskonzepts und eventueller Folgekosten geäußert.

Schwer behinderter Sohn

„Eigentlich hätte hier noch eine weitere Partei mit berücksichtigt werden sollen – und zwar meine Familie“, sagt Lars Schmidt. Seine Familie und er seien schon seit vielen Jahren auf der Suche nach einer passenden Immobilie. „Mein sechsjähriger Sohn Livian ist schwerbehindert und leidet seit seiner Geburt an einem seltenen Gendefekt.“ Er erläutert: „Er hat eine psychomotorische Entwicklungsstörung und kann weder sprechen, laufen, krabbeln, sitzen, nicht einmal seinen Kopf selbst heben.“

Weil Livian rund um die Uhr Pflege braucht, könne ein Elternteil keiner Beschäftigung nachgehen. „Das ist in diesem Fall meine Frau“, so Schmidt. Allerdings sei es sehr schwierig, mit nur einem Gehalt eine passende Immobilie zu finden. „Unser Junge benötigt viel Platz, weil er viele Hilfsmittel braucht. Außerdem muss alles ebenerdig sein.“

Kaufzusage erhalten

Als die Familie im Oktober 2021 auf die Immobilie gestoßen sei, „waren wir sehr aufgeregt“ – kein Gebäude hatte davor so gut zu den Bedürfnissen der jungen Familie gepasst. Deshalb bewarb sie sich, wurde zu Besichtigungsterminen eingeladen und erhielt Anfang 2022 vom Träger eine Zusage. „Wir waren überglücklich.“

Baurechtsbehörde der Stadt sagt „nein“

Leider sei die Kirchengemeinde damals noch nicht vorbereitet gewesen, diese Immobilie auch wirklich zu verkaufen. Dafür sei nötig, das Grundstück aufzuspalten und ein neues Flurstück zu erstellen. „Deshalb war ich mit dem Ortsvorsteher, dem Kirchenpfleger und einem Vermessungsbüro vor Ort. Wir sind alle Punkte durchgegangen. Allerdings ist es nie zur Aufspaltung gekommen, weil die Stadt Schramberg, genauer das Bauamt, diese nicht freigegeben hat.“

Problem mit den Parkplätzen

Der Grund: Die vorhandenen 18 Parkplätze, die zur Kirche gehören, könnten nicht mit in das neue Flurstück genommen werden – obwohl die Kirche kommuniziert habe, sie verzichte darauf. „Letzten Endes wollten wir nur einen Parkplatz haben, um eine Zufahrt auf das Grundstück zu gewährleisten – aber selbst das wurde, wie viele andere Vorschläge, abgeschmettert.“

Stadt: „Stand Kauf nicht im Weg“

Auf die Thematik angesprochen, heißt es von Stadtsprecher Hannes Herrmann: „Für einen möglichen Ankauf des alten Pfarrhauses ist aufgrund der in der Hauptsatzung der Stadt Schramberg festgelegten Wertgrenze der Ortschaftsrat Waldmössingen zuständig. Wir haben daher mit der Ortsverwaltung Waldmössingen Kontakt aufgenommen. Diese teilt mit, dass sie lediglich von der Kirchengemeinde erfahren habe, dass der Privatkauf nicht zustande komme und das Pfarrhaus zum Kauf zur Verfügung stehe.“ Die Ortsverwaltung kenne den privaten Interessenten nicht und „hatte auch keinen Kontakt zu ihm“.

Auch bei der Baurechtsbehörde habe der Stadtsprecher zur Parkplatzthematik angefragt. Diese stelle fest, dass „eine Klärung dieser Fragestellung – wie dies in vergleichbaren anderen Fällen ebenfalls praktiziert wurde und wird – auch zeitlich parallel zu Kaufverhandlungen möglich gewesen wäre und somit einem Privatkauf nicht im Weg gestanden hätte“.

Erst blockiert – dann selbst gekauft?

Lars Schmidt schildert, er habe im Laufe des vergangenen Jahres sehr wohl mehrfach versucht, die zuständige Abteilungsleiterin anzurufen, sei jedoch lediglich hin und wieder bei Mitarbeitern gelandet, „die mich darauf hinwiesen, dass sie Bescheid weiß und mich zurückrufen wird“. Das aber sei nie geschehen.

Projekt wird zu teuer

Im Verlauf des Jahres 2022 seien die Bauzinsen dann leider erheblich gestiegen, die Auflagen sowie Materialien für eine Sanierung deutlich teurer geworden – „bis wir uns das Vorhaben nicht mehr leisten konnten“. Die Kirchengemeinde habe dann gefragt, ob noch Kaufinteresse bestehe. Auf ein Angebot mit einer deutlichen Kaufpreisreduzierung sowie einer Anfrage, ob sie sich auf das Erbbaurecht einlassen würden – „was viele Kirchen tun“ – sei sie nicht mehr eingegangen.

„Wir haben viel Zeit, Energie und Geld in das Ganze investiert, bei einer Bank einen Förderantrag eingereicht, einen Architekten beauftragt. Auf diesen Kosten bleiben wir jetzt sitzen und den Stress hatten wir auch umsonst“, ärgert sich Schmidt. Er sei enttäuscht von den beteiligten Institutionen und dass die Stadt diese Immobilie nun wohl sogar zu einem günstigeren Preis erwerben könne – eventuell ohne die zusätzlichen Maklergebühren. „Letztendlich werden jetzt die, die uns die ganze Zeit über im Wege gestanden sind, diese Immobilie selber kaufen.“