Da war die Welt noch in Ordnung: Im vergangenen Herbst posierten Lahrer Unternehmer mit OB Markus Ibert (rechts) vor dem von der Almi gesponserten Blumenbeet auf dem Urteilsplatz. Ein Engagement, das es so erst einmal nicht mehr geben wird. Foto: Baublies

Das Verhältnis zwischen den Lahrer Unternehmern und der Stadt ist nachhaltig gestört: Seit langer Zeit wird es dieses Jahr erstmals kein gemeinsames Sponsoring für die Blumenschau im Herbst geben. Das Rathaus bedauert, hält aber dagegen.

Das Engagement lief so lange, dass Ralf Leser nicht zu sagen vermag, wann genau es begann. Jahr für Jahr hat die Arbeitsgemeinschaft Lahrer Mittelständischer Industrieunternehmen, kurz: Almi, ein großes, hochwertiges Beet bei der Chrysanthema gesponsert, zunächst am Storchenturm, in der jüngeren Vergangenheit auf dem Urteilsplatz. Damit ist nun Schluss. Entsprechende LZ-Informationen bestätigte Leser, Chef des gleichnamigen Verpackungsherstellers und seines Zeichens Almi-Sprecher, am Mittwoch auf Nachfrage: „Wir haben entschieden, dieses Jahr mit dem Sponsoring auszusetzen, um ein Zeichen Richtung Verwaltung und Gemeinderat zu setzen.“

 

Es ist kein Geheimnis, dass es schon länger kriselt zwischen der Lahrer Wirtschaft und der Stadt. Zum großen öffentlichen Disput kam es im vergangenen Herbst – (un-)passenderweise mitten in der Chrysanthema –, als das Rathaus ankündigte, an der Gewerbesteuerschraube drehen zu wollen. Die Almi versuchte mit einer deutlichen Pressemitteilung, noch zu einem Umdenken zu bewegen – vergeblich: Die Stadträte sprachen sich am Ende mit deutlicher Mehrheit für das Ansinnen der Verwaltung aus.

Bis zu 15 000 Euro gab es jährlich für das Beet

Zwischen zehn und 15 Almi-Mitglieder haben zusammen jährlich bis zu 15 000 Euro für das Blumenschau-Beet springen lassen, berichtet Leser, der betont, dass die diesjährige Chrysanthema-Absage ein Beschluss des Kollektivs sei: „Es ist selbstverständlich jedem Betrieb freigestellt, sich individuell zu beteiligen.“ Er selbst wird auch das nicht tun, wie der Firmenchef im Gespräch mit der LZ erklärt: „Es ist jetzt an der Zeit, deutlich zu zeigen, dass wir nicht alles mitmachen, dass es Grenzen gibt.“ In ihrem Brandschreiben gegen die Abgabenerhöhung für die Lahrer Gewerbetreibenden hatte die Almi im November festgestellt: „In dieser Zeit eine Steuererhöhung zu beschließen, zeugt unserer Ansicht nach von einem fehlenden Verständnis für die realen Herausforderungen, vor denen unsere Wirtschaft derzeit steht.“ Die Bedenken, so Leser rückblickend, seien „damals einfach weggebügelt worden“.

Auffallend positive Worte für die Unternehmer

Beim Frühlingsempfang vergangenen Sonntag waren einerseits keine Vertreter der Lahrer Wirtschaft auf der Bühne, andererseits fand OB Markus Ibert in seiner Rede auffallend positive Worte für die hiesigen Unternehmer. Tenor: Sie seien hauptverantwortlich für den Wohlstand in der Stadt. War da ein Versuch der Wiedergutmachung respektive Wiederannäherung herauszuhören? Laut Leser wurde der OB „schon vor einigen Wochen“ über die Chrysanthema-Entscheidung der Almi informiert. Eine direkte Antwort habe sie bis heute nicht erhalten.

Stadt: Zeichen gegen die Innenstadt

Auf LZ-Nachfrage teilte das Rathaus am Mittwoch mit, dass man den Rückzug der Lahrer Unternehmen von der Blumenschau sehr bedauere. Doch betont die Stadt auch: Aus ihrer Sicht setzt die Almi damit „nicht ein Zeichen gegen den Gemeinderat  – das fehlende Sponsoring trifft die Chrysanthema und somit in erster Linie die Lahrer Innenstadt mit ihren Händlern und Gastronomen“. Man wolle aber, lässt die Verwaltung wissen, „selbstverständlich weiterhin auch im Hinblick auf die Chrysanthema“ mit dem Firmenverbund in Verbindung bleiben. Inwieweit die nun entstehende Lücke geschlossen werden könne, sei noch zu klären.

Ob Stadt und Almi künftig wieder zueinander finden? Ralf Leser schließt es zumindest nicht aus: „Das Tischtuch ist nicht komplett zerschnitten.“

Sie waren dabei

Die Almi,
die Arbeitsgemeinschaft Lahrer mittelständischer Industrieunternehmen, wurde 1985 mit dem Ziel gegründet, der Wirtschaft in Lahr Gehör zu verschaffen. Knapp 30 Betriebe mit zusammen rund 3000 Beschäftigen gehören ihr an.

Am Chrysanthema-Sponsoring 2024
 beteiligten sich folgende 14 Firmen: Leser, Welter Zahnrad, Wagner System, Heinrich Caroli GmbH, Schwarz-Betonbau, Polar-Form, Schwarzwald-Eisen, Nela Brüder Neumeister, Bonacelli, Rubin-Mühle, Eichner-Bau, Stihler Apparatebau, FS-Etiketten und Grieb-Verpackungen.