„Beförderung gegen Sex“ bei der Polizei – darüber darf man offenbar keine Witze machen. Der Tiktoker Maurii Pastore hat deshalb nun Ärger mit dem Freiburger Polizeipräsidenten.
Tiktok zu glotzen, ist sonst die bevorzugte Freizeitbeschäftigung der Zwölf- bis 25-Jährigen. Am 16. August wird es aber auch das Vergnügen des ehrwürdigen Amtsgerichts in Waldkirch (Kreis Emmendingen) sein. Gezeigt wird ein Spot des Tiktokers Maurii Pastore – eine hohe Ehre für den 25-Jährigen aus dem Elztal, wenn es nicht um eine ernste Sache ginge: „Üble Nachrede“ wird ihm vorgeworfen. Gegen den erlassenen Strafbefehl von 4800 Euro, der nur knapp unterhalb eines Vorstrafeneintrags bleibt, hat Pastore Widerspruch eingelegt.
Das Corpus delicti ist keine 30 Sekunden lang und spielt laut Einblendung im Freiburger Polizeipräsidium. Polizist Jörg wundert sich: „Alter, seit acht Jahren nicht befördert und jetzt schon wieder eine Absage. Dabei strenge ich mich doch so an.“ Da will er gleich mal den Polizeipräsidenten zur Rede stellen. Er erwischt ihn in flagranti mit seiner Assistentin. Tief unterm Tisch ist sie abgetaucht, aber auf der Karriereleiter natürlich weit nach oben gekommen. „Jetzt weiß ich, warum die immer befördert wird“, sagt Jörg.
Pastore kennt sich bei der Polizei aus
Alle Rollen in seinen sketchartigen Videos spielt Pastore selbst, jeweils mit einer anderen Perücke auf dem Kopf. Meist geht es bei ihm um Fußball, um die Tricks von „Muddi“ und „Oma Elke“, gerne in Adiletten ausgeführt. Manchmal dreht es sich aber auch um die Polizei. Da kennt sich Pastore aus. Ehe der Comedian bei Tiktok immer mehr Likes und Follower sammelte und begann, damit Geld zu verdienen, arbeitete er bei der Autobahnpolizei in Weil am Rhein (Kreis Lörrach).
Insofern kennt er die Protagonisten. Den Polizeipräsidenten, der sich im echten Leben einen grauen Dreitagebart stehen lässt, mimt Pastore mit einem schlohweißen Nikolausbart. Franz Semmel heißt er im Film, Franz Semling in der Wirklichkeit. Auch der Name von dessen persönlicher Referentin ist recht naheliegend verfremdet.
Der Rechtsanwalt denkt an die große Bühne
Die beiden Betroffenen fanden das alles nicht lustig. Zwei Tage, nachdem das Video hochgeladen war, lag schon der Strafantrag auf dem Tisch der Freiburger Staatsanwaltschaft, interessanterweise eingereicht über das Stuttgarter Landeskriminalamt, in dessen Umfeld man bekanntlich tatsächlich eine Affäre um Sex gegen Beförderung durchzustehen hat. Im Prozess gegen den obersten Inspekteur der Polizei soll am Freitag das Urteil fallen.
Pastores Rechtsanwalt Christoph Nix sieht das Video vor diesem Hintergrund zu Unrecht kriminalisiert. Es gehe um die Kunstfreiheit, sagt der Jurist, der bis vor drei Jahren Intendant des Konstanzer Stadttheaters war. Auf eine günstige Entscheidung in Waldkirch scheint er allerdings nicht zu hoffen. Er denkt schon an die große Bühne. „Zum Glück“ gebe es noch die Richter in Karlsruhe. Gut möglich also, dass sie demnächst auch am Bundesverfassungsgericht Tiktok glotzen.