Der Rotary-Club ist verärgert: Er sammelte vor zwei Jahren Spenden für ein Rollstuhl-Karussell im Stadtpark – dort aber tut sich nichts. Nun reagiert die Stadt.
Genau zwei Jahre ist es her, dass das Benefiz-Spielefest stattfand – als Höhepunkt einer Spendeninitiative des Rotaryclubs Schopfheim-Wiesental und der Schülermitverwaltung des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG). Vom Erlös sollte ein Rollstuhlkarussell gekauft werden. „Ursprünglich war dieses Karussell für 2025 vorgesehen“, sagt die frühere THG-Leiterin Claudia Tatsch vom Rotaryclub im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Stadtverwaltung habe bereits 2024 zugesagt, die Aufstellung zu übernehmen, und zwar auf dem Stadtpark-Spielplatz. Nun ärgert sich der Rotaryclub in einer Pressemitteilung und im Gespräch mit unserer Redaktion darüber, dass das Projekt immer noch nicht realisiert wurde.
Spenden warten auf dem Konto
16.500 Euro seien damals zusammengekommen, freut sich der Rotaryclub über die große Resonanz. Das Geld liege nun allerdings seit zwei Jahren auf dem Konto und warte darauf, seinem Zweck zugeführt zu werden.
Auch mit Blick auf die eigene Reputation gehe es dem Club nun darum, dass den Spendern transparent gemacht werde, was mit diesen Geldern passiert, heißt es in dem Schreiben, mit dem sich die Rotarier nun an die Öffentlichkeit wendet. „Deswegen werden wir jetzt aktiv – damit es vorangeht“, betont Tatsch im Gespräch.
Das Projekt hat viele Hürden
Doch wie kam es überhaupt dazu, dass das Projekt schon so lange auf Eis liegt? Ursprünglich habe die Stadt die Aufstellung des Karussells in die Sanierung des Stadtparks einbinden wollen, führt Tatsch aus. Da der zum Stadtpark gehörende Spielplatz jedoch gar nicht saniert wird, drängt der Rotaryclub seit Längerem darauf, die beiden Maßnahmen zu entkoppeln. Da habe die Stadt denn auch zugesagt.
Die nächste Hürde ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Als die Planung bereits voll im Gang war, kam Ende 2025 die Initiative zur Volieren-Wiederbelebung ins Spiel – und dem Karussell in die Quere: Das nämlich sollte seinen Platz eigentlich just in der Ecke des Stadtparks finden, in der bisher die Voliere steht; diese wiederum sollte eigentlich abgebaut werden.
Mitten in die Gesellschaft
Die Stadt hatte dann die Idee, das Karussell auf einem anderen städtischen Spielplatz aufzubauen. Dagegen wiederum legte der Club ein deutliches Veto ein. „Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass das Karussell mitten in die Stadt kommt, mitten in die Gesellschaft“, sagt Tatsch. Und: „Es bietet sich einfach an im Stadtpark.“ Zumal dieser auch barrierefrei sei.
Zudem sei es eine zweckgebundene Spende, die den Aufstellungsort einschließt. Die Stadt regte daraufhin einen Platz auf der anderen Seite und damit abseits des Spielplatzes an – aber auch das kommt für den Club nicht in Frage. Denn: „Wir wollen, dass dort alle Kinder miteinander spielen können, wir wollen inkludieren und nicht exkludieren.“
„Alle Kinder sollen gemeinsam spielen können“
Voliere und Karussell vereinen
Am Ende fiel die gemeinsame Wahl auf den Platz vor der Voliere. Ziel des Clubs sei nun, das Karussell gleichzeitig mit der sanierten Voliere im Sommer 2026 zu eröffnen. „Denn dann gewinnt der Spielplatz im Stadtpark durch die beiden „Neuzugänge“ nicht nur zwei Attraktionen, sondern – und vor allem – bietet er ein tolles Ambiente für das Ziel, das sich die Benefiz-Initiative 2024 gesetzt hat: Viele Menschen zusammenzubringen an einem Ort und sie in ihrer Unterschiedlichkeit die Möglichkeiten und das Positive des Zusammenseins erleben zu lassen“, so die Rotarier in ihrer Pressemitteilung.
Vor zwei Jahren hatten sich vor allem ihre damaligen THG-Schüler für die Spendenaktion engagiert und dafür viel Zeit investiert, erzählt Tatsch. Nun machen sie bereits Abitur. „Es wäre schön, wenn die Schüler jetzt zum Schulabschluss sehen würden, was aus der Aktion entstanden ist.“
Die Stadt steht vor der Realisierung
Auf Nachfrage unserer Redaktion sagt Thomas Schmitz, Technischer Beigeordneter der Stadt, dass er es unglücklich finde, dass die Kommunikation nun ohne die Stadt laufe. Klar sei die Verärgerung über die Verzögerung verständlich. Er führt als Grund Personalengpässe der Stadt im Tiefbau an. Tatsächlich stehe die Stadt zwischenzeitlich aber kurz vor der Realisierung – und das habe der Rotary-Club auch gewusst. Erst vergangene Woche sollte es einen Termin geben, um die Angebote für den Aufbau zu besprechen; dieser musste jedoch wegen Krankheit abgesagt werden. Ende der Woche dann gingen die Rotarier mit ihrer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit.
Das Thema wird in der nächsten Gemeinderatssitzung auf der Agenda stehen, führt Schmitz weiter aus.
Gerade am Mittwoch habe die Stadt die entsprechende Mitteilungsvorlage fertiggestellt. Positiv: Die Kosten beim günstigsten Angebot lägen unter dem Haushaltsansatz. Baubeginn soll nach dem 21. August sein, damit man das Blues-Festival nicht störe. Es sei auch sein Wunsch, Voliere und Karussell bei einem Fest gemeinsam einzuweihen, auch wenn die Voliere womöglich früher fertig gestellt werde, sagt Thomas Schmitz abschließend.