GaD-Schülersprecherin Amelie Hornig (vorne) übergibt gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Felix Ruf die Petition mit über 1900 Unterschriften an Oberbürgermeister Jürgen Roth. Foto: Eich

Thema polarisiert: Enormes Besucheraufkommen in der Sitzung in der Neuen Tonhalle:

Mit Spannung war nach heftigem Gegenwind erwartet worden, ob der Gemeinderat einer Übernahme der Schulsozialarbeit durch die Stadt zustimmt. Im Gremium entschloss man sich jedoch dazu, die Entscheidung zu vertagen.

Villingen-Schwenningen - Die bisherigen Freien Träger, Lehrer, Eltern, aber auch Schüler gingen nach der Ankündigung der Stadt, über eine Übernahme der Schulsozialarbeit entscheiden zu wollen, auf die Barrikaden. Wie sehr das Thema polarisierte, zeigte auch das enorme Besucheraufkommen in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch in der Neuen Tonhalle.

Schon im Vorfeld der Sitzung übergaben dabei Amelie Hornig, Schülersprecherin des Gymnasiums am Deutenberg, gemeinsam mit ihren Stellvertreter Felix Ruf eine Petition gegen das Vorhaben – unterschrieben von 1955 Menschen.

"Da sind viele Fehlinfos weitergeleitet worden"

Hornig und Ruf äußerten Befürchtungen, dass sich der Wechsel der Trägerschaft zur Stadtverwaltung, negativ auswirken könnten – sei es aufgrund von drohendem Stellenabbau aber auch eines Vertrauensverlustes angesichts der über Jahre gewachsenen Strukturen.

"Da sind viele Fehlinfos weitergeleitet worden", ärgerte sich Oberbürgermeister Jürgen Roth im Gespräch mit den Schülern über das politische Geplänkel im Vorfeld der Sitzung. Er betonte, dass nicht geplant sei, die Betreuung zu verringern, die Reduzierung der Stellen würde sich aus "Synergieeffekten" ergeben. Auch zeige das Beispiel des Landkreises, dass eine Trägerschaft durch eine Behörde funktionieren könne.

Matthias Uhing vom Gymnasium am Romäusring kritisierte in diesem Zusammenhang das "Informationsdefizit der Verwaltung". Er forderte, dass in den Entwicklungsprozess auch die Schulen und die Schüler mit ins Boot geholt werden sollten.

So sollte es dann auch kommen. Denn am Vorabend waren die Stadträte bereits darüber informiert worden, dass die Entscheidung über die zukünftige Trägerschaft der doppelstädtischen Schulsozialarbeit vertagt werden soll – erst im Herbst 2021 möchte die Verwaltung nach Zusammenwirken mit Freien Trägern, Schulen sowie Eltern den Gemeinderat entscheiden lassen.

Bevor die Stadträte diesen Vorschlag der Stadtverwaltung einstimmig absegneten, kritisierte Freie-Wähler-Stadtrat Henning Lichte den geplanten "Alleingang" der Stadt – bereits im Vorfeld hätten der Jugendhilfeausschuss und die Freien Träger miteingebunden werden müssen. "So wurde die Umstrukturierung aber einseitig vorgeschlagen." Joachim von Mirbach (Grüne) war es ebenfalls wichtig zu betonen, die Schulen und die SMV mit in eine Arbeitsgruppe zu nehmen, "das wäre heute sonst eine furchtbare Diskussion geworden".

"Es geht um Macht, Geld und Einfluss"

Auch Nicola Schurr (SPD) freute sich, dass zunächst zurückgerudert wird. Er erinnerte daran, dass der OB in seinem Wahlkampf die wichtige Zusammenarbeit mit privaten, freien und kirchlichen Trägern hervorhob. Bei den Vertrauenspersonen nun den Rotstift anzusetzen, sei das falsche Signal. Schurr begrüßte ebenso den zusätzlichen Zeitgewinn, um sich den zukünftigen Herausforderungen zu stellen.

Klaus Martin (CDU) äußerte zunächst Verständnis, dass die Stadt nach Kosteneinsparungen suche, "auch wenn jeder Vorschlag an die Wand gestellt wird". Er plädiert in diesem Fall jedoch für den Ansatz "never change a running system" (ein laufendendes System nicht zu verändern) und die Schulsozialarbeit bei den Trägern zu behalten. Stattdessen solle man gemeinsam nach Einsparmöglichkeiten suchen.

Jugendgemeinderat Elias Wenzler befürchtet ebenso, dass bei einem Wechsel zur Stadt Vertrauen verloren geht, welches über Monate oder Jahre hinweg neu aufgebaut werden müsste.

Die AfD hingegen wäre den zunächst vorgegebenen Weg der Stadtverwaltung uneingeschränkt mitgegangen. Olaf Barth erklärte, dass dieser Wechsel sinnvoll gewesen wäre, um Einspareffekte zu erzielen, die zentrale Steuerung der Gelder zu erhalten, flexibel zu bleiben und auch eine überkonfessionelle Betreuung zu gewährleisten. Die freien Träger würden aus Eigeninteresse handeln. "Es geht um Macht, Geld und Einfluss", so Barth.

Frank Bonath (FDP) brachte hingegen den Beschlussvorschlag ein, dass die Stadt auf die Trägerschaft verzichtet. Er bezog sich dabei auf die Gesetzgebung, der die Übernahme der Schulsozialarbeit durch Dritte präferiere. Bonath bezog sich dabei insbesondere auf die Abgrenzung zum Jugendamt, welches im Notfall auch Kinder aus Familien holen müsste. Sein Beschluss wurde bei nur sechs Ja- und 25-Nein-Stimmen vom Rat deutlich abgelehnt.

In die Diskussion über die zukünftige Gestaltung der Schulsozialarbeit gehen alle Beteiligten deshalb ohne "Vorfestlegung, die die Gefahr bringt, dass eine Chance vergeben wird", wie der Oberbürgermeister abschließend erklärte.