Während der Corona-Pandemie gab es vom land geförderte Verstärkerbusse, die dafür sorgten, dass Kinder im Bus mehr Platz haben. Foto: Arnold

Die Kritik an der Schülerbeförderung in Rottweil hält an. Weitere Eltern berichten von chaotischen Zuständen in den Schulbussen und an den Haltestellen.

Unsere Berichterstattung über die Probleme bei der Schülerbeförderung spricht offenbar vielen Eltern aus dem Herzen. Die Erlebnisse, die sie und ihre Kinder täglich auf dem Weg zur Schule haben, ähneln sich – und sind kaum nachzuvollziehen.

 

Die Eltern berichten von Verspätungen, Kindern, die am Schulzentrum stranden, weil diese ihren Anschlussbus nicht erreichen oder nicht einsteigen dürfen, weil der Bus voll ist. Die übervollen Busse werden als Zumutung empfunden.

Eine Mutter erzählt am Telefon, wie schrecklich sie die Zustände in den Bussen finde. Die Kinder würden wie Sardinen hineingequetscht. Wenn ihr Sohn nach Hause komme, klage er über Übelkeit und Kopfschmerzen von der Fahrt.

Kind geschockt

Eine andere Mutter berichtet, wie „unmöglich“ die Busfahrer teilweise mit den Kindern sprechen und umgehen würden. Ihr Kind, das seit September eine weiterführende Schule besucht, sei am Anfang richtig geschockt gewesen, „was da in den Bussen abgeht“. Mittlerweile habe es sich daran gewöhnt. Die Kinder befänden sich in einer regelrechten Opferrolle, und die Eltern bezahlten dafür.

Dass nicht mehr Busse eingesetzt werden, sorgt auch unter jenen für Unverständnis, die unseren Artikel in den Sozialen Medien kommentiert haben. Eine Leserin schreibt, dass seit dem Fahrplanwechsel und den neuen Linien „anhaltendes Chaos“ herrsche. Die Linie 3 Göllsdorf-Hausen nehme die Kinder zu Unterrichtszeiten manchmal einfach nicht mit. Morgens „werden die Kinder dann auch mal gerne stehen gelassen, weil der Bus voll ist“.

Gereizte Busfahrer

Eine andere Nutzerin berichtet Ähnliches von der Strecke Rottweil-Vaihingerhof. „Kinder werden auch mal aus dem Bus geschickt mit der Aussage, man habe keine Lust, die später folgenden Haltestellen anzufahren.“

Das Erlebnis, das eine Busnutzerin schildert, toppt dies noch. „Wir hatten vor ein paar Tagen eine Busfahrerin, die sich ziemlich aufgeregt hat, weil sie Verspätung hatte. Hat dann allen Ernstes die Kinder gefragt, ob jemand in Bühlingen raus muss, sonst würde sie die Haltestelle auslassen. Einige Kinder haben gesagt, sie wollen oben aussteigen.“ Die Fahrerin habe daraufhin „getobt“. „Was ist das denn bitte für ein Verhalten? Zumal an den Haltestellen ja auch noch jemand steht, der mitfahren möchte.“

Und eine weitere Mutter ergänzt, dass bei ihrer Tochter nun schon zweimal die ganze Klasse stehengelassen worden sei.

Keine Verbesserungen

Übervolle Busse und ein zu enges Zeitkorsett, gepaart mit gestressten Busfahrern – da liegt die Lösung eigentlich auf der Hand: mehr Busse und größere zeitliche Puffer. Warum das nicht zu haben ist, hatten Stadtbus-Mitgeschäftsführer Klaus Wiest und der Mobilitätsbeauftragte der Stadt, Horst Bisinger, in ihren Stellungnahmen zu den Problemen mit der Schülerbeförderung an die Maximilian-Kolbe-Schule und die Waldorffschule deutlich gemacht.

Eltern und Großeltern hatten sich an unsere Redaktion gewandt, nachdem es Probleme mit der Buslinie am Krummen Weg gegeben hatte, und auch die Zustände an der Haltestelle Spitalhöhe angeprangert. Verspätungen, die es unmöglich machten, zu Unterrichtsbeginn an der MKS zu sein, sowie Gedränge und übervolle Busse an der Spitalhöhe waren Gegenstand der Kritik.

30er Zonen bremsen aus

Hier hatte Stadtbus-Mitgeschäftsführer Frank Wiest zwar zugesichert, dass mit dem Einbau von Ampelvorrangschaltungen für Busse Verspätungen reduziert würden, auf der anderen Seite die zunehmenden 30er-Zonen den Bus aber dafür ausbremsten. „Das bringt uns in die Bredouille“, so Wiest auf Nachfrage. Deshalb seien gerade in Bühlingen und Zimmern Testfahrten geplant.

Eine Absage gab es für den Wunsch nach zusätzlichen Bussen und größeren zeitlichen Puffern während der Schulzeiten. Die Fahrpläne, so Bisinger, seien mit den Schulen abgestimmt worden. Größere Puffer seien nicht möglich, weil sonst die Anschlussbusse des Regionalverkehrs verpasst würden. Und auch diese benötigten die Schulkinder.

Kleine Lösung

Der sogenannte „Lumpensammlerbus“, der die „übrig gebliebenen Kinder“ von Schulzentrum an die Kolbe Schule bringe, stehe ja schon zusätzlich zur Verfügung. Vor allem für die MKS seien auch zusätzliche Busse mit aufgenommen worden, „damit sich die Situation gegenüber dem ursprünglichen Fahrplan verbessert“.

Übrigens: Für einen Kritikpunkt – einen fehlenden Busanschluss an der MKS nach dem Hort um 16.05 Uhr – gebe es eine Lösung, wie Bisinger nachreicht. Kinder könnten die Haltestelle MKS/L 423 nutzen. Diese werde im Halbstundentakt angefahren. „Mit einem kurzen Umweg durch das Dorf kommen die Schüler Richtung Stadtmitte, Bereich Heimburger Kreisel –Krankenhaus –Waldtorstraße.“