Die vielen Flüge für Fallschirmspringer (hier ein Archivbild) sorgen für großen Ärger bei Anwohnern. Jetzt macht die Bürgerinitiative mit Flyern mobil – es gibt einen Infoabend. Foto: Vichra/Otto/Montage: Holweger

“Kommt alle – nur gemeinsam sind wir stark!“ Anwohner rund um den Flugplatz in Rottweil-Zepfenhan machen mobil. Es wird einen Infoabend geben. Überraschung außerdem: In der Geschichte gibt es eine Verbindung zum SC Freiburg.

Den Flugplatz gibt es seit Langem – und bislang gab es eine „friedliche Koexistenz“ mit den Bewohnern der umliegenden Orte, wie uns ein betroffener Leser schreibt. Mit dem früheren Betreiber habe es Absprachen bezüglich Start- und Landezeiten gegeben, die Flugplatzkneipe war weit über Zepfenhan hinaus als Treffpunkt bekannt.

 

Jetzt ist alles anders. Der private Flugplatz wurde verkauft, Flüge für Fallschirmspringer bestimmen das Geschehen. Bis zu 16 Starts und Landungen am Tag mit einer lauten Pilatus Porter PC6 als Absetzmaschine wurden schon registriert. Das heißt Dauerlärm in vielen Gemeinden, sowohl sonntags als auch an anderen Tagen.

Unterschriftenpetition läuft

Inzwischen läuft eine Unterschriftenpetition gegen den Lärm, die Luftfahrtbehörde in Stuttgart ist eingeschaltet. Bisheriger Stand: Die Flüge auf dem Sonderlandeplatz seien „rechtlich zulässig“. Die leidgeprüften Bewohner wollen sich damit nicht abfinden

Und siehe da: Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wo die Fallschirmspringer samt Flugzeug denn plötzlich herkommen, zeigt sich, dass sie schon anderswo unerwünscht waren. Der Verein, der hinter den Aktivitäten steht, war ursprünglich in Freiburg angesiedelt. Dann baute der SC Freiburg ein neues Stadion – und zwar genau auf dem Absetzgelände der Springer. Schon weit vor dem Spatenstich, so ist der Berichterstattung von damals zu entnehmen, mussten die Springer weichen.

Von Freiburg nach Lahr

Sie fanden 2017 eine neue Heimat: in Lahr. Doch schon früh regten sich auch dort die Anwohner wegen der damit verbundenen Lärmbelästigung. Der Pachtvertrag wurde letztlich nicht verlängert, der Flugplatzbetreiber führte ins Feld, man müsse auf dem Gelände alte Militärgebäude abreißen. Der Fallschirmspringer-Verein fühlte sich ungerecht behandelt, die Sache ging sogar vor Gericht. Der Vereinsvorsitzende Dennis Birnbaum erklärte seinerzeit, dass nicht nur in den Platz viel Geld gesteckt worden sei, man habe auch für 100 000 Euro das Flugzeug umgerüstet, um die Lärmbelastung zu verringern.

Dennoch: In Lahr kam das endgültige Aus, der Vereinsvorsitzende kündigte Ende 2022 an, mit den Schwenninger Fallschirmspringern zu fusionieren. Und irgendwann kam auf diesem Weg dann auch Zepfenhan ins Spiel. Dort jedenfalls bietet der Verein – und eine mit diesem zusammenhängende Firma – seit diesem Jahr Sprünge an. Und das Lärmdesaster für die Anwohner begann.

Infoabend am 19. Dezember

Jetzt ruhen viele Hoffungen auf einer Infoveranstaltung am Dienstag, 19. Dezember, ab 19 Uhr in der Festhalle Zepfenhan. Die Bürgerinitiative gegen den Fluglärm geht in diesen Tagen von Haus zu Haus und verteilt Flyer – nicht nur in Zepfenhan, Neukirch, Dietingen und Teilorten, sondern auch in den angrenzenden Gemeinden im benachbarten Zollernalbkreis.

Initiiert wurde der Infoabend von der Stadt in Zusammenarbeit mit den Ortschaftsverwaltungen in Zepfenhan und Neukirch. Äußern sich dann endlich auch Flugplatzbetreiber und Vertreter der Springer zu der Sache? Auf Nachfrage erklärt die Stadt, wer alles Rede und Antwort stehen wird: „Teilnehmen werden Oberbürgermeister Christian Ruf, Bürgermeisterin Ines Gaehn, die Ortsvorsteher, Vertreter des Regierungspräsidiums Stuttgart vom Referat Luftverkehr und Luftsicherheit, der Besitzer und der Betreiber, Umweltschutzverbände sowie der Deutsche Fallschirmsportverband“, so Sprecher Tobias Hermann.

Suche nach einer verträglichen Lösung

Und was verspricht man sich von der Veranstaltung? Hermann betont: „Die Stadt Rottweil ist nicht die Genehmigungsbehörde sondern das Regierungspräsidium. Wir wollen aber als Standortkommune des Flugplatzes eine Plattform zur Information und zum Austausch anbieten.“ Und: Man hoffe, dass die Veranstaltung dazu beiträgt, „eine für die Bevölkerung verträgliche Lösung zu finden“.

Zwei Mitstreiter der Initiative, die den Flyer zum Infoabend in unserer Redaktion vorbeibringen, hoffen das auch. Sie können den Lärm – der nur aktuell winterbedingt pausiert – nicht mehr ertragen, sagen sie. „Es kann ja wohl nicht sein, dass die einfach kommen und wir dann gehen müssen, weil es nicht auszuhalten ist.“ Für sie geht um nichts weniger als „um unsere Zukunft“.