Der Bau der neuen Brücke ist in der finalen Phase angelangt. Einer der Pfeiler wurde nun besprüht. Foto: Reinhard

Die neue Kreisstraßenbrücke zwischen Haslach und Fischerbach ist noch nicht einmal freigegeben, da wurde sie schon beschmiert. Das Landratsamt will handeln.

Sie ist noch nicht einmal fertiggestellt, aber schon verunstaltet: Graffiti-Sprüher haben die im Bau befindliche Kreisstraßenbrücke zwischen Haslach und Fischerbach, ein millionenschweres Vorzeigeprojekt, beschädigt. Die Schmiererei muss nun entfernt werden.

 

Noch steht sie scheinbar sinnlos auf einer Wiese zwischen Haslach und Fischerbach. Doch die fast fertige Brücke soll nicht nur an die geplante Kreisstraße angeschlossen werden, sie ist auch in mehrer Hinsicht ein Aushängeschild: Technisch setzt das Projekt neue Maßstäbe.

Die Vier-Feld-Brücke in Holz-Beton-Verbundbauweise – in dieser Form die erste ihrer Art in Deutschland – spannt sich über eine Gesamtlänge von 136 Metern. Selbst 60 Tonnen schwere Lastkraftwagen können die Brücke künftig befahren. Das ist bislang einmalig in Deutschland. Insgesamt wurden 40 Tonnen Holz und 65 Tonnen Betonstahl verbaut.

Bauwerk ist einzigartig in Deutschland

Finanziert wurde das Projekt gemeinschaftlich: Das Land Baden-Württemberg übernahm 7,3 Millionen Euro, beinahe ebenso viel (7,2 Millionen Euro) wurde vom Ortenaukreis getragen. Die zugehörigen Straßen sollen direkt im Anschluss gebaut werden und spätestens im Sommer 2026 soll der Verkehr über die neue Brücke rollen. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 15,2 Millionen Euro.

Einen der Betonpfosten haben Schmierer mit nun einen rot-blauen Schriftzug verunstaltet. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt das zuständige Landratsamt, dass das Graffiti demnächst entfernt werden soll. Wie viel das kosten wird, steht noch nicht fest. „Eine belastbare Aussage ist erst möglich, wenn Art und Umfang der Entfernung feststehen“, erklärt das Landratsamt.

„Die Kosten lassen sich pauschal nicht beziffern. Sie hängen unter anderem von Größe und Lage der betroffenen Fläche sowie vom Untergrund ab“, führt es weiter aus. In der Praxis stimme es die Maßnahmen bei Bauwerken, die sich noch in der Ausführung befinden, mit den am Bau Beteiligten ab, damit die Oberfläche fachgerecht behandelt wird und keine Folgeschäden entstehen. Eine Beschädigung durch ein Graffiti gelte grundsätzlich als Sachbeschädigung, wie es zu entfernen ist und wie hoch die jeweiligen Kosten sind, sei jeweils unterschiedlich. „Ein einheitliches ,Schema F’ gibt es nicht, weil wir jeweils im Einzelfall prüfen. Maßgeblich sind dabei vor allem die Verkehrssicherheit, zum Beispiel mögliche Ablenkung, die Einsehbarkeit sowie der Inhalt“, erklärt der Kreis.

Hohe Schäden

Auf rund 200 Millionen Euro summieren sich alljährlich die durch illegale Graffiti verursachten Kosten in Deutschland. Das ergab im vergangenen Jahr einer Studie des Deutschen Städtetags. Die Kosten für die Entfernung von Graffiti-Schmierereien liegen meist zwischen 15 und 35 Euro pro Quadratmeter, können bei schwierigen Untergründen oder aufwendigen Reinigungen jedoch auf bis zu 100 Euro oder mehr steigen. Bei einer professionelle Reinigung steigen sie oft auf bis zu 150 Euro pro Quadratmeter. Illegale Graffiti sind Sachbeschädigung und können strafrechtliche Folgen sowie Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.