Das geht ins Geld und gäbe ein E-Bike: Equipment, Material, Anfahrt und Arbeitskosten für die Abwehr von Taubennestern unter der Solaranlage. Foto: Bräun

Beliebt sind sie nicht überall, denn ihre Population ist hoch. Und mancherorts hasst und tituliert man sie gar als "Ratten der Lüfte". Die Rede ist von Tauben, ob Stadttauben oder auch verwilderte Exemplare, die für Ärger in der Villinger Südstadt sorgen.

VS-Villingen - Nicht allein ihr Gurren in der Brunftzeit ist es, nein sie nisten auch – und das ist ganz neu – auch schon mal unter dem Schutz einer privaten Fotovoltaik-Anlage, die grad mal ein Jahr alt ist und bisher und wohl auch weiterhin tadellos funktioniert. Doch die verwilderten Tiere, oft aus der Population von alten, aufgegebenen Brieftaubenbeständen und sogenannten Feldtauben entstanden, will man drunter weder tapsen hören, noch will man von ihnen in aller Frühe geweckt oder über den Tag genervt werden.

Vom Taubenkot auf dem Giebel ganz abgesehen. Und so war man auch in der Nachbarschaft überrascht, als ein selbstfahrender Steiger anrollte, den man aus Orsingen bei Radolfzell zur Taubenabwehr angefahren hatte. Mit dabei der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) geprüfte Schädlingsbekämpfer Dietmar Mouvens, seines Zeichens nicht nur geprüfter Jäger, sondern eben auch Sachverständiger für Schädlingsbekämpfung. Und so erklärt er, dass man keineswegs die Tauben vergiften, einfangen oder auf andere Weise unschädlich machen wolle. Viel eher geht es darum, die Fotovoltaik-Anlage mit schmalen Drahtgittern einzukästeln, damit darunter nicht mehr genistet werden kann, was in der Südstadt wohl geschehen wäre.

Finde man bei solcherlei Abwehr-Arbeit hoch über Gaupe und Dachrinne ein Nest, dürfe man zwar noch die Eier entnehmen, nicht aber die Jungvögel, wenn sie schon geschlüpft seien. So gelte ein Taubennest an falscher Stelle auch als Aufgabe für den Schädlingsbekämpfer, der auch Marder und Schadnager bekämpft, als Insektenbekämpfer und Sachverständiger den Schimmelpilzbefall saniert, desinfiziert und Bettwanzen auf die Sprünge hilft, Holz- und Bautenschutz betreibt und als Hygienebeauftragter Konzepte erledigt. Die Aktion Taubenabwehr in der Südstadt geht nach eineinhalb Tagen auch ganz schön ins Geld: Ein gutes ­E-Bike wäre für den Preis schon zu haben.

Info: Brutsaison

Es heißt, Tauben seien "ins soziale Abseits geraten". Oft tummelt sich eine große Schar dieser brotlosen Vögel in allen Innenstädten. Wussten die alten Ägypter und Römer noch die Heimtreue und den Orientierungssinn der Tauben für Nachrichtendienste zu schätzen, verärgern die sesshaften Viecher auch die Bürger im Villingen-Schwenningen. Man schimpft vor allem über ihren Kot und ihr Gurren. Von März bis August ist Brutsaison. Dann ertönt das monotone Gurren der Stadttauben auf Dächern und Balkonen, auf Mauern, Türmen und Plätzen. Doch Tauben gurren nicht, um ihr Revier zu verteidigen, sondern wegen des Balzverhaltens. Erspäht ein Täuberich eine Täubin, fangen die Männchen an zu gurren; sie verbeugen sich und richten sich wieder auf, drehen sich im Kreis, um auf sich aufmerksam zu machen, und schlagen zwischendurch mit den Flügeln.

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