Die Bewohner im Mooswald werden im Regen stehen gelassen. Der Gemeinderat hat nun entschieden, den längst überfälligen Bau des Abwasserkanals nicht in Eigenregie stemmen zu können. Die eigentlichen Gründe für die Misere liegen aber woanders.
Der ohnehin schon auf Kante genähte Haushalt der Gemeinde hätte die zusätzlichen Ausgaben von mehr als zwei Millionen Euro für den Bau des Abwasserkanals in den kommenden Jahren nicht hergegeben. Darin waren sich die Gemeinderäte einig. Sie sprachen sich einstimmig dafür aus, das Großprojekt nicht in Eigenregie umzusetzen, was einem Aus für den Bau gleichkommt.
Sonst hätte man für die Refinanzierung die Kosten auf die Gebühren aller Einwohner umlegen müssen, sagte Bürgermeister Jürgen Leichtle. Und dann wären diese Gebühren sehr stark gestiegen, was wiederum anderen Bürgern gegenüber nicht gerecht wäre.
Leichtle ärgerte sich aber noch aus einem anderen Grund: Der Gemeinde würden von anderer Stelle Kosten aufgedrückt, mit denen man alleine gelassen werde – und verwies auf die verpflichtende Einrichtung einer Ganztagsschule, für die 620 000 Euro (minus 434 000 Euro Zuschuss im Optimalfall) fällig werden. „Das wird an anderer Stelle entschieden“, so der Bürgermeister. Für andere Maßnahmen bleibe hingegen kein Geld mehr.
Bedauern der Gemeinderäte
Kämmerer Karl-Heinz Villinger hatte bereits zuvor auf eine ungedeckte Summe von drei Millionen Euro im Haushalt verwiesen.
Das Bedauern war den Gemeinderäten beim Thema Mooswald anzumerken: „Wir müssen uns eingestehen, dass wir das nicht bauen können“, meinte Elias Kunz. Er sprach sich auch dagegen aus, die Maßnahme in einem Jahr wieder in den Haushalt einzustellen – dann werde die Situation ähnlich sein wie derzeit.
„Nicht wir, sondern die kleinliche Planung des Landratsamts und die Naturschutzauflagen sind verantwortlich“, ärgerte sich Stefan Weinmann. Somit sei eine 80-Prozent-Förderung vertan worden.
Nur eins müsse sich die Gemeinde vorwerfen: „Wir waren zu gutmütig“, meinte Weinmann. Er sehe nun keine Chance, das Projekt in den kommenden Jahren verwirklichen zu können. „Wir müssen es einstampfen“, bedauerte er.
Sandra Winterhalter sprach sich dafür aus, mit den Anwohnern so transparent wie möglich umzugehen. Die Leute hätten acht Jahre warten müssen und würden nun mit leeren Händen dastehen, sagte sie. Aber auch sie hielt es für „nicht tragbar“, dass die Gemeinde das Projekt in Eigenregie vorantreibe.
Die Anwohner müssen nun ihre in die Jahre gekommenen Hauskläranlagen wohl oder übel teuer in Eigenregie sanieren lassen – nachdem sie lange Zeit fest mit dem Bau des Abwasserkanals gerechnet haben.