Die E-Scooter gehören in Rottweil längst zum Stadtbild. Die Polizei beäugt die Situation aufmerksam: Auf der Nägelesgrabenstraße fand jüngst wieder eine Verkehrskontrolle statt. Foto: Ulrich

Sie sind meist rasant unterwegs – oft sogar auf dem Gehweg – und geraten zunehmend ins Visier der Polizei: E-Scooter-Fahrer. Auch manchem Bürger sind sie offenbar ein Dorn im Auge.

„Warum interessiert es die Polizei bei uns kein bisschen, dass unsäglich viele E-Scooter auf dem Gehweg durch die Stadt fahren, zum Teil zu zweit und dann auch ungebremst über den Zebrastreifen?“ Diese Frage in einer Rottweiler Facebook-Gruppe trat dieser Tage eine Diskussion los. Die Polizei indes hat das Thema E-Scooter-Fahrer genau im Blick, wie wir auf Nachfrage erfahren.

 

Erst am 8. März nahm die Polizei in der Nägelesgrabenstraße in Rottweil wieder einen E-Scooter-Fahrer ins Gebet. Längst gehören die Roller, die es schnell und unkompliziert ermöglichen, von A nach B zu kommen, zum Stadtbild. Was nicht heißt, dass ihre Fahrer sicher im Umgang mit ihnen sind.

2025 ist die Zahl derer, die bei E-Scooter-Unfällen verletzt oder getötet wurden, bundesweit angestiegen. Bei den Unfällen im Kreis Rottweil, die E-Scooter-Fahrer zu verantworten hatten, nannte die Polizei nicht angepasste Geschwindigkeit als häufigste Ursache, gefolgt von Vorfahrtsverstößen. Auch eine Alkoholisierung des Fahrers spielte immer wieder eine Rolle. Für die Fahrer gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer.

Hohe Geschwindigkeit, wenig Erfahrung

Kontrolliert die Polizei daher auch verstärkt E-Scooter-Fahrer? Nicht selten sieht man die in Rottweil etwa unerlaubterweise über die Gehwege brausen. E-Scooter seien Teil des öffentlichen Verkehrs, daher würden immer wieder auch verdachtsunabhängige Kontrollen vorgenommen, erklärt uns Daniel Brill, Pressesprecher im Polizeipräsidium Konstanz.

Auch wenn die Zahl der E-Scooter-Fahrer jährlich steige, handle es sich dabei immer noch um ein verhältnismäßig neues Erscheinungsbild, so Brill. Deshalb komme es auch immer wieder zu gefährlichen Situationen. „Viele zumeist junge Fahrer wissen die Geschwindigkeit der E-Scooter nicht richtig einzuschätzen“, teilt der Pressesprecher mit. Das sorge neben der mangelnden Erfahrung im Straßenverkehr für zusätzliche Probleme.

Facebook-Nutzer schildern gefährliche Situationen

Auf Facebook ist man, was das Verhalten der E-Scooter-Fahrer angeht, geteilter Meinung. Einige pflichten der Kritik des Fragestellers bei. „Ich finde es ganz schlimm, wenn diese jungen Leute mit einer Kapuze über dem Kopf durch die Stadt rasen. Die sehen doch gar nicht, was um sie herum passiert“, schreibt eine Bürgerin etwa.

Auch scheint es schon mehrfach gefährlich geworden zu sein. So berichtet eine andere Facebook-Nutzerin: „Letztens hat mich einer an der Bushaltestelle angefahren mit so ’nem Ding“. Ein weiterer Kommentar lautet: „Letztens bin ich aus meiner Einfahrt herausgefahren, das Mädchen hat nicht geschaut, und ich hätte sie beinahe umgefahren. Die Jugendlichen schauen ganz oft auch einfach nicht. Gibt es da keine Altersbegrenzung hinsichtlich des verkehrssicheren Umgangs?“

Die gibt es: Um einen E-Scooter zu benutzen, muss man mindestens 14 Jahre alt sein – einen Führerschein oder Ähnliches benötigt man jedoch nicht.

Angst vor der Fahrt auf der Straße?

Aber es gibt auch andere Sichtweisen auf Facebook. So schreibt eine Nutzerin: „Viele E-Roller-Fahrer trauen sich gar nicht, auf den Straßen zu fahren, da die Autos eben genauso wenig Rücksicht nehmen und haarscharf an einem vorbeifahren.“

Und sie erhält darauf Zuspruch. So berichtet eine Kommentatorin, dass sie mit dem E-Scooter zur Arbeit fahre und sich nur abends, wenn nicht viel los sei, traue, auf der Straße zu fahren. „Bei der Kreissparkasse wurde ich schon mehrmals sehr knapp überholt, an der Realschule, wo eh nur 30 ist, wurde ich angehupt, dass ich aus dem Weg soll“, schildert sie ihre Erfahrung.

Als Fazit bleibt die Erkenntnis, dass wohl auf allen Seiten – bei E-Scooter-Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern – Aufmerksamkeit und Rücksicht gefragt sind, damit es für alle Beteiligten möglichst unbeschadet durch den Verkehr geht.