Ein wahrer Müllberg hat sich an der Sammelstelle an der Oberndorfer Straße in Rottweil entwickelt – und nicht nur dort. Foto: Otto

Was ist denn bloß los? Chaotische Zustände an Altkleider-Containern wohin man blickt. Wenn es so weiter geht, ist es mit dieser Art von Sammelstellen womöglich bald ganz vorbei. Wir haben die Hintergründe.

Was sich da an vielen Container abspielt, lässt sich kaum mehr in Worte fassen. Während es auch früher durchaus schonmal vorkam, dass zwei, drei Säcke vor einen vollen Container gestellt wurden, werden viele Sammelstellen inzwischen als Müllhalde missbraucht.

 

Beispiel: die Sammelstelle am Kreisverkehr Hegneberg in Rottweil. Dort stehen neben einem DRK-Container auch etliche Behälter von kommerziellen, nicht näher identifizierbaren Sammlern. Und davor: Chaos pur. Berge von Klamotten, Schuhen, zerfledderten Bettwaren und anderem Müll. Das Ganze wird teilweise nicht einmal mehr in Säcke verpackt, sondern einfach so hingeschmissen.

Ähnlich sieht es vor Kleidercontainern in der Prediger- und der Durschstraße aus. „Grenzenlos rücksichtslos“, ärger sich ein Leser, der unserer Redaktion Bilder dazu schickt. Er habe das DRK verständigt.

Sogar Polstergarnituren

DRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Bösel bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion die traurige Entwicklung an den Sammelstellen. „Vor den Containern werden zwischenzeitlich ganze Polstergarnituren sowie weiterer Müll einfach abgestellt. Beim Entleeren der Container muss rund ein Drittel des Inhaltes als Müll jeglicher Art entsorgt werden“, berichtet er. In Sachen Trennung der Wertstoffe gebe es eine absolut negative Entwicklung.

Verwerter verhängen Aufnahmestopp

Einige Verwerter nehmen laut Bösel zwischenzeitlich aufgrund des eingebrochenen Marktes keine Altkleider mehr an und haben ein Annahmestopp verhängt. „Durch den Müll in den Containern sind diese sehr schnell überfüllt. Dadurch entstehen derzeit hohe Kosten, welche die Erlöse deutlich übersteigen“, so Bösel.

Erhalt der Container gefährdet

Aufgrund langjähriger Zusammenarbeit zwischen dem Verwerter und dem DRK würden die Altkleider bisher noch zu einem „symbolischen Mindestpreis“ abgenommen – Erlöse seien da keine zu erzielen. Und Ralf Bösel sagt klar: „In Kombination einer weiteren negativen Entwicklung des Altkleidermarktes als auch der anhaltenden illegalen Müllentsorgung rund um die Altkleidercontainer ist der Erhalt der Container gefährdet.“

Gutes in die Kleiderläden

In den Kleiderläden des Deutschen Roten Kreuzes in Rottweil und Schramberg werde gut erhaltene Kleidung gerne entgegen genommen, sagt Ralf Bösel und betont: „Der Zustand sollte so sein, wie jeder selbst für sich gerne Kleidung einkaufen würde. Hier wird nachhaltiges Einkaufen hochwertiger Kleidung ermöglicht.“

Man sollte hier allerdings unbedingt die Abgabezeiten beachten und die Kleidung nicht einfach vor den Läden abstellen. „Wir mussten hier leider schon schlechte Erfahrungen machen“, bedauert er. Säcke würden aufgerissen, alles werde auf dem Boden zerstreut.

Es gibt Unterschiede

Für eine Verschärfung der ohnehin schwierigen Altkleider-Thematik sorgt auch die Tatsache, dass laut EU-Beschluss seit 1. Januar alte Kleidung und Textilien nicht mehr im Hausmüll entsorgt werden dürfen. Der Kreisgeschäftsführer betont aber, dass stark zerschlissene, verdreckte oder anderweitig kontaminierte Textilien weiter in die Restmülltonne und nicht in die Container gehören. Derartiges könne nicht mehr dem Wiederverwertungsprozess zugeführt werden.

Ob der Appell Gehör findet, wird sich an der weiteren Entwicklung an den Sammelstellen zeigen. Die Altkleider-Container könnten ansonsten womöglich ganz verschwinden. Wohin der Müll dann wandert – man will es sich nicht ausmalen.