Kritik am Platzvergabeverfahren für Kindergärten brandete im Ortschaftsrat Oberkirnach auf. Auslöser war ein Kind aus Oberkirnach, das im dortigen Waldkindergarten keinen Platz fand.
Eine Zuhörerin plädierte dafür, Kinder aus Oberkirnach für den Waldkindergarten zu bevorzugen. Man sei eine einheitliche Stadt und es kämen mehr Anmeldungen, als Plätze da seien, entgegnete jedoch Ortsvorsteher Franz Günter. Es gebe auch Oberkirnacher Kinder in anderen Kindergärten. Im Moment seien fünf einheimische Kinder aufgenommen, weitere auf der Warteliste. Ein Besucher fand es unerklärlich, dass man als Oberkirnacher zu einem anderen Kindergarten fahren muss.
Philipp Strumberger vom Amt für Ordnung, Bildung und Soziales erklärte die zentrale Platzvergabe nach bestimmten Kriterien. Vorschulkinder werden bevorzugt, ebenso Kinder mit Geschwistern in derselben Einrichtung. Ebenso erhalten Kinder Vorrang, wenn beide Eltern berufstätig sind oder es sich um Alleinerziehende handelt.
Eltern können Strumberger zufolge im Vorfeld der Platzvergabe bis zu vier Wunscheinrichtungen angeben. Sabine Fichter störte sich an fehlenden Infos dazu, dass man auch nur eine Einrichtung angeben kann. Sollte im Wunschkindergarten kein Platz sein, lande das Kind auf der Warteliste oder man frage telefonisch bezüglich Wünschen nach, so Strumberger. Leiterinnen vergäben keine Plätze, beantwortete er die Frage Fichters nach deren Prioritäten.
Annette Ettwein vermisste Infos dazu, dass entgegen früherer Regelungen der Platz gewechselt werden könne. Das sei nur aus pädagogischen Gründen möglich, erläuterte Strumberger. Immer möglich sei nur ein Wechsel von regulären zu Waldkindergärten. Dabei fand es Ettwein seltsam, dass man nicht von einer Krippe in einen anderen Kindergarten wechseln kann.
Wurde eine Regel revidiert?
Die Regeln seien nachvollziehbar, so Markus Gruber. Allerdings sagte ihm zufolge in einer früheren Sitzung Markus Esterle, ehemaliger Leiter des Amts für Ordnung, Bildung und Soziales und damit einer der Vorgänger Strumbergers, dass Oberkirnacher Kinder bevorzugt würden. Er finde es schade, dass das revidiert worden sei. Die Frage, ob die Regelung tatsächlich je galt, konnte in der Sitzung nicht beantwortet werden.
Fichter kritisierte, dass einheimische Kinder allein mit dem Bus fahren müssen und keines der Nachbarkinder kennenlernen. Die Verwaltung sehe Kinder aber sicher nicht als Ware, entgegnete Günter einer entsprechenden Aussage Fichters. Er sei selbstverständlich dafür, Oberkirnacher Kinder zu bevorzugen, man könne aber dafür nicht Plätze frei halten.
Fichter: Wohnort soll stärker berücksichtigt werden
Nach Meinung Fichters sollte bei der Platzvergabe der Wohnort stärker berücksichtigt werden, Kinder vom Rupertsberg zum Beispiel in den Waldkindergarten auf der Seebauernhöhe gehen. Das beschränke aber Möglichkeiten anderer Einrichtungen, gab Strumberger zu bedenken.
Für die Zukunft brauche eine Lösung, fand Günter. Er wünschte sich die Überprüfung, ob nicht für das eine betroffene Kind eine Übergangsregelung bis zum nächsten Kindergartenjahr möglich sei. Fichter wies darauf hin, dass es auch in Brigach schon Überbelegungen gab. Strumberger bot an, die Vergabekriterien in der zweijährlichen Kuratoriumssitzung überprüfen zu lassen.