So stellt sich Lidl die Zukunft des Fachmarktzentrums vor: Wo jetzt Hallen leer stehen, will der Discounter neue Gebäude errichten (Bildmitte). Foto: Lidl

Handel: Discounter erhält im Technischen Ausschuss heftigen Gegenwind / Abriss der Ex-Obi-Hallen und Neubauten vorgesehen

Lahr - Bei seinen Expansionsplänen in Lahr beißt Lidl weiterhin auf Granit. Diesen Eindruck vermittelte die Sitzung des Technischen Ausschusses, auch wenn die Ratskollegen das heikle Thema ohne Beschluss vertagt haben.

Stadtverwaltung hatte Lidl die Vergrößerung untersagt 

Der größte Discounter-Konzern der Welt will auch in Lahr wachsen, und zwar erheblich. Die beiden Filialen in der Offenburger Straße und der Geroldsecker Vorstadt sollen ausgebaut werden, ein Ansinnen, für das die Supermarktkette sogar vor Gericht gezogen ist, da die Stadtverwaltung die Erweiterungspläne abgelehnt hat. Beide Verfahren laufen noch. Darüber hinaus will Lidl einen weiteren Markt im Fachmarktzentrum eröffnen – doch auch dieser Wunsch ist mit Schwierigkeiten verbunden.

Mit der Stadt liegt der Discounter-Riese rechtlich seit Jahren im Clinch. Auch den Einstieg ins Fachmarktzentrum betrachtet man im Lahrer Rathaus als unfreundlichen Akt, da man mit den Gesprächen mit dem Investor Vivum sehr weit war, der dort an den Sonderpostenhändler Thomas Philipps vermieten wollte. Bis Lidl dazwischengrätschte und sich das frühere Obi-Grundstück sicherte, um dort eine eigene Filiale zu eröffnen. Das wäre dann der dritte Lidl-Markt in der Stadt – obwohl das Baurecht das an der Stelle gar nicht zulässt.

Auch einige Sozialwohnungen könnten entstehen 

Soweit die Ausgangslage vor der Sitzung des Technischen Ausschusses, in der Paul Barkhoff, Prokurist und Immobilienleiter bei Lidl, die Pläne des Discounters in Lahr vorstellte. Barkhoff machte deutlich, dass Lidl an einer Einigung mit der Stadt interessiert ist und dafür auch bereit ist, eine geplante Erweiterung moderater ausfallen zu lassen: Der Markt in der Offenburger Straße soll mittlerweile nur noch von 819 auf 1400 Quadratmeter vergrößert werden – Lidl hatte dort zunächst eine Verkaufsfläche von 1750 Quadratmetern angepeilt.

Darüber hinaus sei man bereit, einen Teil der Grundstücksfläche für sozialen Wohnungsbau abzugeben und die Kosten für die fällige Änderung des Bebauungsplans zu übernehmen. Außerdem würde man auf die dortige KiK-Filiale verzichten, was der Innenstadt zugute käme, so der Lidl-Sprecher.

In der Geroldsecker Vorstadt sei man bereit, eine 923 Quadratmeter große Grundstücksfläche an die Stadt abzugeben, die das dortige denkmalgeschützte Gebäude dann revitalisieren könne, so Barkhoff. Dafür wolle man die Erlaubnis, eine 185 Quadratmeter große Lagerfläche in weitere Verkaufsfläche umwandeln zu dürfen. Der dortige Lidl-Markt wäre dann 1000 Quadratmeter groß. Auch hier erwartet Lidl sich im Gegenzug ein "Ruhenlassen der Gerichtsverfahren".

Im Fachmarktzentrum will Lidl die leerstehenden Ex-Obi-Hallen abreißen und eine Filiale mit 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche errichten. Außerdem sei ein weiterer, rund 2000 Quadratmeter große Markt geplant, bei dem der Mieter offen sei – laut Barkhoff ist dort auch Thomas Philipps denkbar.

Es solle auch zusätzliche Parkplätze geben. Barkhoff zeigte Visualisierungen der Lidl-Pläne – demnach würde das Fachmarktzentrum teils sein Gesicht verändern, an die Stelle der leerstehenden Ex-Obi-Hallen zwei neue Gebäude treten, eines für Lidl, das andere für den weiteren Nutzer, der erst noch gefunden werden muss.

Die Expansionspläne begründete der Lidl-Mann mit der Lahrer Bevölkerungssteigerung: Die Stadt würde proportional gesehen schneller wachsen als Freiburg und Offenburg. "Alle wollen nach Lahr", so Barkhoff.

Stadt sieht die Gefahr, dass Lidl und Kaufland ein Monopol bilden

Gegenwind kam von Sabine Fink und Stefan Löhr vom Stadtplanungsamt: Wenn alles nach Lidl-Wunsch laufe, würde der Discounter in Lahr auf 4400 Quadratmeter Verkaufsfläche anwachsen, verdeutlichten sie in der Sitzung in der Mehrzweckhalle. Rechne man die 5500 Qudratmeter von Kaufland hinzu, das wie Lidl von der Schwarz-Gruppe als Muttergesellschaft kontrolliert wird, drohe eine Monopolstellung.

Dann hätten Lidl und Kaufland zusammen fast die Hälfte der gesamten Lebensmittel-Verkaufsfläche in Lahr. Damit werde auch der Spielraum für mögliche weitere Lebensmittelläden zu klein. Löhr verwies hier auf das Lahrer Einzelhandelskonzept, das die Entwicklung der Nahversorgungsflächen festschreibt – dafür seien die Lidl-Pläne eindeutig zu groß dimensioniert, durfte man ihn verstehen.

Den Expansionswünschen des Discounters steht man im Rathaus so unverändert ablehnend gegenüber. Ohnehin scheint das Tischtuch zerschnitten zu sein. Denn von Seiten der städtischen Vertreter hieß es etwa auch, dass man beim Bau des Arena-Einkaufsparks mit Edeka bessere Erfahrungen als in den vergangenen Jahren mit Lidl gemacht habe.

Auch die Fraktionssprecher äußerten sich skeptisch, bisweilen sogar verärgert über die Pläne des Supermarkt-Riesen. "Das ist eine gewaltige Entwicklung von Lidl, die man uns hier präsentiert. Wir sehen das kritisch", so Klaus Girstl von den Freien Wählern. "Das Verhalten von Lidl kann man aggressiv nennen", stellte Dorothee Granderath (Grüne) fest. "Es ist fast krakenartig, wie die Lidl-Märkte die Stadt umspannen", so Roland Hirsch (SPD).

"Wir haben kein Entgegenkommen bei Lidl gesehen", monierte Ilona Rompel (CDU). "Wir sehen die Gefahr, dass mittelfristig andere Lebensmittelhändler aus dem Markt gedrängt werden", sagte Manfred Himmelsbach (AfD). Und Jörg Uffelmann (FDP) betonte: "Die Strategie von Lidl ist ein knallharter Verdrängungswettbewerb. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen, auch wenn wir dafür prozessieren müssen."

An der Sitzung nahm auch der Mietersheimer Ortschaftsrat teil. Die Ratskollegen verzichteten auf Wortmeldungen. Ortsvorsteherin Diana Frei sagte, dass der Stadtteil mit Lebensmittelläden mehr als genug versorgt sei und man in Sachen Lidl/Fachmarktzentrum auf die Belange der Gesamtstadt Rücksicht nehme.

Info

Es gebe noch reichlich Klärungsbedarf, deshalb sei es für eine Beschlussfassung zu den Lahrer Lidl-Plänen früh, war in der Sitzung am Mittwoch von mehreren Fraktionen zu hören. Deshalb vertagte man sich ohne Beschluss.

Nun wollen die Fraktionen zunächst intern beraten, ehe das Thema erneut im Technischen Ausschuss behandelt werden soll – dann nichtöffentlich, wie mehrere Fraktionssprecher betonten, da die Stadt ja gerade zwei Prozesse gegen Lidl führe.

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