Für dieses Grundstück soll der Bebauungsplan geändert werden. Einige Anwohner ärgert das. (Archivfoto) Foto: Fuchs

Die Anwohner der Masselstraße, die sich gegen eine Änderung des aktuellen Bebauungsplans einsetzen, traten in der jüngsten Loßburger Gemeinderatssitzung geschlossen in der Bürgerfragestunde auf, um sich beim Gremium Gehör zu verschaffen.

Loßburg - "Wir haben alle in Vertrauen auf den rechtsgültigen Bebauungsplan unsere Häuser gebaut. Jeder von uns hat seine Wünsche den Regeln angepasst, und genau das erwarten wir von der Familie Frey auch", sagten sie. Zur Erinnerung: Bauherr Hans Frey plant, seine beiden nebeneinanderliegenden Flur­stücke zu vereinen und ein Haus darauf zu bauen.

Enderle: Keine Arbeit mit Gefälligkeiten

Der Bebauungsplan sei keinesfalls Schrott oder veraltet, sondern gut ausgewogen, so die Gruppe um Christoph Haug. Sobald etwas geändert werde, entstehe Unordnung im Baugebiet. Der Bebauungsplan würde "vogelfrei". Eine Änderung sei ausschließlich erlaubt, wenn die städtebauliche Entwicklung und Ordnung es erforderlich mache, und dies ausschließlich aus Gründen der sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Belangen. Sie fragten Bürgermeister Christoph Enderle, in welchen dieser drei Punkte er das Wohlfühlen der Familie Frey eingruppieren würde. Der hatte sich die Ausführungen bis dahin mit widerwilligen Blicken angehört. Es gehe um die Zusammenlegung zweier Flurstücke, erwiderte er, die eine Bebauung ermöglichen solle.

"Wir haben schon einen Fall, in dem zwei Flurstücke zusammengelegt wurden, nämlich beim Spielplatz – ohne neuen Bebauungsplan", konterten die Bürger. Davon war der Gemeindeverwaltung nichts bekannt. "Dann differiert die Aussage des Landratsamts vielleicht mit der Realität", so der Bürgermeister sichtlich gereizt.

Die Bürger bleiben dabei: Die Änderung des Bebauungsplans sei eine "Gefälligkeitsplanung". "Unterstellen Sie dem Gemeinderat, dass wir käuflich sind?", echauffierte sich der Bürgermeister. "Wenn jemand seinen eigenen Bebauungsplan backen kann, wenn er zahlt, passiert genau das", erwiderten die Anwohner der Masselstraße.

Enderle stellte klar, dass die Verwaltung nicht mit Gefälligkeiten arbeite. Es handle sich um einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan, der rechtlich sauber sei. Das Landratsamt habe mehrfach gesagt, die Zusammenlegung der Flurstücke sei nur mit Bebauungsplanänderung möglich. Die Anwohner zweifelten auch an, dass diese Ansage vom Landratsamt gekommen sei.

Auf Nachfrage unserer Redaktion heißt es seitens des Landratsamts, dass die Gemeinde darauf hingewiesen worden sei, dass für das Vorhaben der Bebauungsplan geändert werden müsse. Mehr habe man nicht gesagt, da die Änderung eines Bebauungsplans in die Planungshoheit einer Gemeinde falle.

"Können Sie uns im Detail erklären, warum die Geschosshöhe von 3,40 Metern und die Kniestockhöhe von 2,90 Metern nichts damit zu tun haben, dass die Traufhöhe so massiv erhöht wird?", setzten die Anwohner zur nächsten Frage an. Die Gruppe könnte nicht erwarten, dass er in der Bürgerfragestunde aus dem Stegreif den Bebauungsplan analysiere, so der Bürgermeister. "Wir drehen uns im Kreis." Da müsse man sich einmal zusammensetzen. Diesen Vorschlag befürworteten auch die Anwohner.