Ein Fahrzeug biegt aus der Bühlstraße in Richtung Hüfingen ab. Das ist ab heutigem Mittwoch nicht mehr möglich. Die Baustelle Friedrich-Ebert-Straße verschiebt sich, die allzu beliebte Abkürzung durch das Wohngebiet entfällt. Foto: Jens Wursthorn

Rund 30 Anwohner beklagen sich über Raser in ihrem Wohngebiet. Die Strecke nutzen Autofahrer als Umfahrung für die Baustelle in der Friedrich-Ebert-Straße. Die Stadt will nun auf gescheiterte Maßnahmen reagieren.

Die Verärgerung über die Sanierung der Friedrich-Ebert-Straße nimmt nicht ab. Waren es zuletzt die Gewerbetreibenden, die sich über angeblich schlechte Kommunikation und wenig stringente Ausführung der Maßnahme beschwerten, geht der Unmut von Anwohnern in eine andere Stoßrichtung.

 

Es sind die Anwohner aus den Baugebieten Schützenberg und Bühlstraße, die sich diese Woche mit einem offenen Brief inklusive Unterschriftenliste Hilfe suchend an die Stadt gewandt haben. Sie beklagen sich über Lärmbelästigung und Verkehrsgefährdung in den verkehrsberuhigten Bereichen und Tempo-30-Zonen vor ihrer Haustür. Und das als unmittelbare Folge der offiziellen und weiträumigen Umfahrung der Baustelle. Ihre Positionen hatten etwa 30 Anwohner bei einem gemeinsamen Treffen in der Vorwoche formuliert.

Sie sprechen von der Gefährdung von Passanten, insbesondere von Kindern und einer erheblichen Minderung der Wohnqualität, wenn sich ortsfremde Fahrzeuge, von der Dietrich-Bonhoeffer-Straße auf den Schützenbergweg abbiegend, über schmale Wohnstraßen und enge Kurven den Weg zur Bühlstraße bahnen, um an deren Ende nach links in Richtung Stadt oder nach rechts in Richtung Hüfingen abzubiegen.

Wer dabei die vorgeschriebene Geschwindigkeit von maximal sieben Kilometern pro Stunde einhält, bewegt sich dabei im Rahmen der gängigen Rechtssprechung. „Wenn sie ordentlich durchfahren, ist das in Ordnung“, sagt Steffen Burdorf. Der Wirtschaftsingenieur lebt mit Frau, drei Kindern und Hund in der Elisabeth-Rothweiler-Straße. Seine Beobachtungen und das, was ihm erzählt wird, sind besorgniserregend. Angefangen bei den Geschwindigkeitskontrollen. Ja, es werde geblitzt im Wohngebiet. Vier- bis fünfmal häufiger pro Stunde als an der Bundesstraße, habe er sich von einem Bediener des in einem Auto eingebauten Blitzers sagen lassen.

Dazu kommen Raser

Dazu kämen die Raser. Nicht nur die, die mit dichtem Auffahren und Hupe jene Fahrer nötigten, die tatsächlich in Schritttempo durchs Viertel fahren. Sondern auch jene, die bei Straßengabelungen nach links Gas gäben, um das vor ihnen nach rechts abbiegende Auto vor der nächsten Zusammenführung zu überholen. Die Eltern hätten Angst um ihre Kinder. „Man sieht keine Kinder mehr auf der Straße.“ Und selbst? „Ich fahre mit dem Auto ganz vorsichtig raus, und den Hund nehmen wir nur noch an die kurze Leine“, sagt der dreifache Familienvater.

Die Bemühungen des Gemeindevollzugsdienstes, die Geschwindigkeitsüberschreitungen zu unterbinden, nehmen die Anwohner zwar erfreut zur Kenntnis. Die Kontrollen deckten aber einen engen Zeitraum ab und finden laut Wahrnehmung der Anwohner nur tagsüber und an Werktagen statt. Um Abhilfe zu schaffen, bitten die Anwohner um die Umsetzung sofortiger Maßnahmen. Kurzfristig müsse die Einmündung Bühlstraße in Richtung Hüfingen gesperrt werden. Dieser gegenüber der Baustellenplanung vorgezogene Schritt würde die vermeintliche Attraktivität der schnellen Verbindung in Richtung Nachbarstadt unterbinden, sagt Daniel Burkhard, einer der Unterzeichner.

Nicht motorisierte Zweiradfahrer sollten den vorhandenen Rad-/Gehweg in Richtung Grüner Baum weiter nutzen können. Abhilfe soll auch eine erweiterte Beschilderung an der Kreuzung Dietrich-Bonhoeffer-Straße/Schützenberg schaffen. Das Verkehrsschild Sackgasse soll um das Schild „Durchfahrt verboten/Anlieger frei“ ergänzt werden. Die Anwohner bieten der Stadt im Schreiben generell konstruktive Gespräche zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation an – ergänzt um Maßnahmen, die über die Baustellen-Begleiterscheinungen hinaus gehen.

Situation verschärft sich

Die Stadt habe im Zuge der Baustelle stets reagiert, räumt Steffen Burdorf ein. Sei es bei den Absperrungen anfangs oder bei den Geschwindigkeitskontrollen. Inzwischen aber fühlten sich die Anwohner im Stich gelassen. „Obwohl sie diverse Beschwerden bekommen haben, nehmen sie Unfälle billigend in Kauf“, ärgert sich Burdorf. Zumal es dieser Tage zu einer Verschärfung der Situation gekommen sei. Nachdem zwischen Jet-Tankstelle und Biedermann-Kreisel die Straße gesperrt war, sei der Umfahrungsverkehr plötzlich in beiden Richtungen durchs Wohngebiet geflossen.

„Man sieht keine Kinder mehr auf der Straße“, meint Anwohner Steffen Burdorf. Foto: Steffen Burdorf

Maßnahmen, den Schleichverkehr zu unterbinden, sind aus Sicht der Stadt gescheitert. Das räumte die Sprecherin der Stadtverwaltung, Beatrix Grüninger, ein. Die Umleitung werde durch zahlreiche Verkehrsteilnehmer nicht beachtet. Stattdessen wähle eine Vielzahl von Verkehrsteilnehmern mit Fahrziel Hüfingen und Allmendshofen den Schützenberg als Umfahrungsstrecke. Auch zusätzlich von der Stadt angebrachte Umleitungshinweise sowie die Präsenz von Gemeindevollzugsdienst und Polizei mit vermehrt vorgenommenen Geschwindigkeitsmessungen bei den Verkehrsteilnehmern hätten nicht zum Ziel geführt. Trotz beachtlicher Zahlen scheint der verkehrserzieherische Effekt überschaubar.

500 Knöllchen verteilt

„Über 500 Verkehrsteilnehmer wurden seit Beginn der Arbeiten Ende Juni wegen Nichteinhaltung der Schrittgeschwindigkeit im dortigen verkehrsberuhigten Bereich belangt“, bilanziert Grüninger. Die Konsequenz definiert sich aus dem Baustellenfortschritt. Sie greift ab Mittwoch, 11. September, und betrifft die Ausfahrt aus der Bühlstraße. Abbiegen in Richtung Hüfingen ist nicht mehr möglich, der Verkehr muss in Richtung Stadtmitte folgen.

Im Zuge der Leitungsverlegung auf der Friedrich-Ebert-Straße wird die Bühlstraße gequert. Die Arbeiten werden dann unter halbseitiger Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße bis zur Schellenbergstraße fortgesetzt. Mit Blick auf die Unzufriedenheit der Anwohner im Wohngebiet kündigte Grüninger Lösungsansätze an. Im Rahmen einer Verkehrsschau mit Polizei und der Verkehrsbehörde der Stadt würden mögliche langfristige Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation und der allgemeinen Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten Bühlstraße und Schützenberg geprüft und erörtert.

So geht es weiter

Ab 23. September müssen in einem weiteren Bauabschnitt mehrere Hausanschlüsse an der Friedrich-Ebert-Straße verlegt werden. Schächte und Straßenabläufe müssen angepasst werden dann folgen Belagsarbeiten. Diese Arbeiten werden unter Vollsperrung ausgeführt und sollen bis Ende Oktober abgeschlossen werden. Je nach Baufortschritt ist nur noch Anliegerverkehr sehr eingeschränkt möglich. Auch die Zufahrt zur Bühlstraße bleibt dann zu. Während der abschließenden Deckenarbeiten muss die Fahrbahn in beiden Richtungen komplett gesperrt werden. Umleitung über die B 27.