Es ist eine gefährliche Kreuzung, nicht nur für die Gleisarbeiter. Während der Arbeiten der SWEG müssen auch Fußgänger höllisch aufpassen. Oder besser, so empfiehlt es das Unternehmen, kleine Umwege laufen. Foto: Rapthel-Kieser

Ein Bürger in Burladingen, der öffentlich seinen Unmut teilt, ein SWEG-Pressesprecher, der nicht auf Facebook ist und ein Bürgermeister, der sich jetzt einschaltet.

Der Ärger bei einigen Bürgern in Burladingen ist groß. Dass die SWEG während der Arbeiten an den Bahngleisen alles dichtmacht, stößt auf Unverständnis. Auf dem Profil „Spotted Burladingen“ im sozialen Netzwerk Facebook macht sich da ein Burladinger Luft, veröffentlichen ein Foto und gibt teils gallige Kommentare ab. Nicht alle geben ihm Recht. Aber: Die Wellen über die Bahnarbeiten bei der SWEG schlagen – wegen der zahlreichen Hashtags – so hoch, dass sich inzwischen auch der Bürgermeister der Fehlastadt, Davide Licht, mit einem Statement in die laufende Diskussion eingeschaltet hat.

 

Seit Monaten das gleiche Bild

Dass es rund um die Bahngleise in Burladingen aussieht wie auf einer Großbaustelle, dass es Lärm und abgesperrte Straßen gibt, dass Bagger fahren und Container auf Parkplätzen stehen – geschenkt.

Container, Bagger, schweres Gerät und Absperrungen. Die Burladinger verlieren die Geduld. Foto: Rapthel-Kieser

Erst hieß es, die SWEG arbeite daran, Ein- und Ausstiege für die Bahnkunden barrierefrei zu gestalten, jetzt wird offensichtlich an den Stellwerken und wohl auch schon in ersten Schritten an der Elektrifizierung der Strecke gearbeitet. Denn künftig soll die Personenbeförderung der SWEG umweltfreundlich sein und die Energie dazu nachhaltig produziert werden. Schließlich sei Burladingen ja das „Electric Valley der Energiewende“, wie es ein Vertreter der Netze BW jüngst erklärte.

Alle Fußgängerüberwege sind gleichzeitig dicht

Bis die Arbeiten der SWEG beendet sind, muss ein Burladinger, der in der Kernstadt von A nach B kommen will, Umwege in Kauf nehmen. Denn, so kritisiert es der Post: alle Fußgängerbahnüberwege seien wegen der Arbeiten gesperrt. „Was läuft hier schief?“ fragt er. Es gäbe keine Sanierung, keinen Ersatz und keine Info für die Bürger, also keine Transparenz. Er bekommt zahlreiche Antworten.

Ein anonymer Aufstand

Jemand rät ihm, erst nachzudenken, bevor er sich beschwert, denn tatsächlich seien die Bahnübergänge für die Fußgänger sehr unsicher, sogar lebensgefährlich. Und gerade wer körperlich eingeschränkt sei, könne vielleicht nicht schnell genug reagieren, laufe entweder vor einen Zug oder – auf der anderen Seite – vor ein Auto. Man könne ja auch nicht die Fidelisstraße einfach eineinhalb Meter tiefer legen.

Eine Frau kritisiert den „anonymen Aufstand“, denn der Initiator nennt seinen Namen nicht. Er solle erst die genauen Hintergründe erfragen, statt Forderungen zu stellen, ohne sich Gedanken zu machen. Die Stadt, so sagt sie in Anspielung auf die Hashtags, sei auch nicht für jede Baustelle in der Stadt verantwortlich. Ein anderer kritisiert, dass die Bauarbeiten so lange dauern. „China schafft das an einem Tag.“

Der Chef der Verwaltung von Burladingen, Davide Licht, hat nun ein Statement unter die Posts gestellt, auch die SWEG selbst. Deren Pressesprecher räumte beim Anruf der Redaktion zwar ein, nicht auf Facebook zu sein und von dem Entrüstungssturm noch nichts mitbekommen zu haben. Aber offensichtlich haben seine Kollegen schon reagiert.

Das sagen der Burladinger Bürgermeister Davide Licht und die SWEG zur Situation

Transparent
Wir nehmen die Kritik an der fehlenden Transparenz sehr ernst, möchten aber klarstellen, dass die Bürgerinnen und Bürger über die Maßnahmen im Zuge der Bauarbeiten umfassend informiert wurden. Die geplanten Änderungen, einschließlich der Schließung bestimmter Fußgängerüberwege, wurden mehrfach in öffentlichen Sitzungen thematisiert und transparent vorgestellt. Darüber hinaus hat die SWEG über die lokale Tageszeitung berichtet, so dass auch außerhalb der städtischen Kanäle Informationen zugänglich waren. Zusätzlich wurden die Informationen auf unserer städtischen Homepage unter „Aktuelle Meldungen“ veröffentlicht, ebenso wie im Amtsblatt. Wir werden auch weiterhin in diesem Stil die Öffentlichkeit mit der größtmöglichen Transparenz informieren

Zu gefährlich
Die SWEG als Betreiber der Strecke hat in Abstimmung mit der Polizei, der Stadt Burladingen, des Landratsamts und der Landeseisenbahnaufsicht im Rahmen einer Verkehrsschau beschlossen, dass die Fußgängerüberwege zu gefährlich sind. Technisch sichern wäre nur bedingt möglich, da die Barrierefreiheit nicht realisierbar wäre. Es bedarf bei Neugestaltung der Bahnübergänge gewisse gültige Gesetze und Regeln die es einzuhalten gilt. Würde man diese Fußwege nach gültigem Regelwerk umbauen, müsste der Straßenverkehr stark eingeengt werden. Außerdem kostet so eine Anlage sehr viel Geld, was vom Steuerzahler und Kunden der SWEG (Ticketpreise) getragen werden muss. Des Weiteren ist es auch den Fußgängern zumutbar, dass Sie einen Umweg über die Stettener Straße (150 m) bzw. Friedhofweg (50 m) in Kauf nehmen. Die gesamte Strecke hat eine neue Sicherungsanlage bekommen, in die die Altanlagen nicht migriert werden konnten. Aus diesem Grund hätte hier auch kein Bestandsschutz geholfen. Aus den vorgenannten Gründen ist ein Umbau der Fußwege zu einem barrierefreien Bahnübergang weder sicher noch wirtschaftlich. Leider kann nicht immer dem Wunsch jedes Einzelnen Rechnung getragen werden.