Mit dem Gürtel eines Patienten musste das Praxisteam den Patienten am Stuhl fixieren, damit er nicht umkippte in den 40 Minuten Wartezeit, bis das DRK ihn wieder abholte. Foto: Andres

Aufregung in der Praxis von Tarek Andres am Mittwochvormittag: Zwei Sanitäter des DRK haben einen multimorbiden Patienten für eine nur kurze Behandlung abgeliefert – und sind einfach gegangen.

Nur wenige Minuten braucht der promovierte Urologe Tarek Andres, um bei Patienten einen Katheter zu wechseln – auch bei multimorbiden Personen wie jenem betagten Mann, den zwei Sanitäter des Roten Kreuzes am Mittwochvormittag zu seiner Praxis in der Marktstraße gebracht haben.

 

Doch statt kurz zu warten und den an Demenz leidenden, kaum gehfähigen Mann gleich wieder mitzunehmen, seien die Sanitäter verschwunden, berichtet Andres, der plötzlich ein echtes Problem hatte: Der Mann sei im Sitzen umgekippt.

„Wir mussten ihn mit dem Gürtel eines anderen Patienten an der Rückenlehne des Stuhls fixieren, denn wir sind hier keine Klinik und haben keine Möglichkeit, ihn hinzulegen“, berichtet Andres, der drei Spezialräume – den Eingriffsraum, den Röntgenraum, das Labor und dazu sein Sprechzimmer – hat und drei Arzthelferinnen beschäftigt, die alle nur allzugut ausgelastet seien.

Dem kaum gehfähigen Senior half das Praxis-Team auf einen Stuhl. Foto: Andres

40 Minuten – so lange habe es gedauert, bis die Sanitäter zurückgekommen seien – neben dem Patienten zu sitzen und ihn festzuhalten, dafür reiche die Kapazität nicht, betont der Urologe, der bis 11 Uhr am Mittwoch schon 30 Patienten zu behandeln hatte und froh war, dass ein anderer Patient den älteren Mann kannte.

Dieser lebe im selben Pflegeheim wie ein Verwandter von ihm, berichtet der andere Patient, und deshalb habe er sich um den Mann gekümmert, der apathisch dagesessen sei und darauf gewartet habe, wieder abgeholt zu werden.

Der Tonfall macht in diesem Fall keine schöne Musik

Damit nicht genug: Die Sanitäterin, die Ältere im DRK-Duo, habe ihm verweigert, ihren Namen zu nennen, sagt Tarek Andres. Seine Kritik an ihrem Verhalten habe sie barsch mit dem Satz „Sie sind nicht mein Chef“ erwidert – in einem Tonfall, über den der Mediziner nur den Kopf schütteln kann.

Bei der Integrierten Leitstelle des DRK-Kreisverbands Zollernalb, wo auch die Einsatzdienste und eben solche Krankentransporte disponiert werden, war der Vorfall zum Zeitpunkt der Anfrage unserer Redaktion noch nicht bekannt.

Am Nachmittag erklärte Dietmar Dieter, Sprecher des DRK-Kreisverbands, gegenüber unserer Redaktion, dass der Einsatz-Disponent vermutlich gedacht habe, er könne während der Behandlungszeit des Patienten in Andres’ Praxis noch einen anderen Einsatz dazwischenschieben. Grundsätzlich sei bekannt, dass ein Katheterwechsel nur wenige Minuten dauere, und „normalerweise wird die Besatzung des Krankentransporters für diese Zeit dort belassen“, so Dieter. Dass es dann länger gedauert habe, bis die beiden Sanitäter wiederkamen, bedauerte der Pressesprecher, der auch stellvertretender DRK-Kreisvorsitzender ist, und versicherte, mit den beiden Sanitätern zu sprechen – auch über ihren Tonfall dem Arzt und seinem Team gegenüber.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

„Eine Minute, nachdem die beiden verschwunden waren, waren wir hier fertig“, sagt Tarek Andres kopfschüttelnd. Froh ist er indes, dass zum richtigen Zeitpunkt zwei hilfreiche andere Patienten in seiner Praxis waren – einer, der sich um den älteren Mann kümmerte, und einer mit einem Gürtel.