Der Ball ging an den Pfosten, auf der Anzeigetafel wurde es als Tor gewertet: Eine solche Szene in der 2. Liga beschäftigt nun die Sportgerichte (Symbolbild). Foto: Tom Weller/dpa

Schon wieder gibt es in der 2. Handball-Bundesliga Ärger: Nach einem „Phantomtor“ hat ein Aufstiegskonkurrent des HBW Balingen-Weilstetten Einspruch eingelegt.

Spätestens seit der knappen Niederlage des Tabellenführers SG BBM Bietigheim ist klar: Die 2. Handball-Bundesliga steuert auf ein extrem spannendes Meisterschafts- und Aufstiegsrennen zu.

 

Neben den Bietigheimern und dem HBW Balingen-Weilstetten – derzeit aufgrund der besseren Tordifferenz als der Verfolger aus Dresden Tabellenzweiter – dürfen sich auch vier weitere Teams berechtigte Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten zwei machen.

Denn der Tabellensechste Eintracht Hagen hat derzeit nur drei Minuspunkte mehr auf dem Konto als die Balinger. Die Geschehnisse rund um das Spiel eben jener Hagener und dem TuS Ferndorf dürfte man daher auch beim HBW zumindest mit einem Auge verfolgen.

Ein Unentschieden, das keines war

Denn am Freitagabend trennten sich die beiden Teams mit 32:32 – ein Unentschieden, das der Eintracht in der Tabelle wehtut. Ob das Remis jedoch weiterhin Bestand haben wird, ist höchst unklar. Schon unmittelbar nach Spielschluss legten die Hagener Verantwortlichen Einspruch gegen die Wertung ein. Der Grund: Ein „Phantomtor“ der Ferndorfer, das zwar auf der Anzeigetafel berücksichtigt wurde – jedoch nie fiel.

Fehler des Kampfgerichts bis Spielende nicht korrigiert

In der 42. Minute traf Ferndorfs Rechtsaußen Finn Scharnweber beim Spielstand von 23:22 für Hagen den Pfosten – und das Spiel lief weiter. Das Kampfgericht jedoch trug auf der Anzeigetafel, die mit der Anzeige beim Streaming-Anbieter DYN gekoppelt ist, einen Treffer zum 23:23 ein. Bis Spielschluss wurde das jedoch nicht korrigiert, so dass das Spiel am Ende mit 32:32 gewertet wurde.

„Statt mit 32:32 – so die bislang offizielle Wertung – hätte das Spiel also 32:31 für die Eintracht enden müssen. Unmittelbar nach Spielschluss hatte die Eintracht Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt“, schreiben die Hagener auf ihrer Homepage. Und auch der DHB hat sich bereits geäußert und der Eintracht in der Sache Recht gegeben.

DHB gesteht Fehler ein – verweist aber auf das Sportgericht

Bereits am Freitagabend ging Jutta Ehrmann, Leiterin des Schiedsrichterwesens des Deutschen Handballbundes, mit Zeitnehmerin, Sekretärin und Delegierten in die Analyse. Klare Erkenntnis: Das Kampfgericht hat ein Tor wahrgenommen, das keines war.

„Seitens des DHB-Schiedsrichterwesens bedauern wir, dass die Situation nicht richtig erkannt wurde, und das gilt insbesondere für alle am Spielfeldrand mit der Leitung dieser Partie verantwortlichen Personen. Wir werden das intern selbstverständlich mit aller Konsequent weiter aufarbeiten, wünschen uns aber auch einen sportlich-fairen Umgang miteinander“, sagt Ehrmann. Eine Entscheidung über die Wertung des Spiels – im Kampf um den Aufstieg von großer Bedeutung – steht jedoch noch aus. „Über die Wertung der Partie und ein mögliches Wiederholungsspiel wird die Sportgerichtsbarkeit entscheiden“, schreibt der DHB.

Nicht der erste Regel-Vorfall in der 2. Handball-Bundesliga

Es ist nicht das erste Spiel in der 2. Handball-Bundesliga in der jüngeren Vergangenheit, das ein juristisches Nachspiel hat. In der Vorsaison hatten gleich mehrere Partien, bei denen in entscheidenden Situationen ein Spieler zu viel auf dem Feld stand, für Aufsehen gesorgt. Eine Partie musste gar nach dem Saisonende wiederholt werden und hätte theoretisch sogar die Abschlusstabelle durcheinanderwirbeln können.

Diskussionen auch nach HBW-Spiel in Hagen

Auch nach der Partie des HBW Balingen-Weilstetten bei Eintracht Hagen gab es Irritationen: Die Hagener hatten sich mehrfach in Berichten und Social-Media-Posts über die Schiedsrichterleistung ausgelassen, so dass sich der HBW dazu genötigt sah, dieser Kritik in einem Statement öffentlich zu widersprechen. „Der HBW möchte sich bei den zahlreichen Sportfreunden bedanken, die sich aus dem Raum Hagen für das teilweise sehr exklusive Verhalten des dortigen Hallensprechers sowie die dortige Nachberichterstattung, entschuldigt beziehungsweise Unverständnis gezeigt haben“, schreiben die Balinger damals.