Prinz Andrew verliert weitere Privilegien. Foto: dpa/Aaron Chown

Das Leben im Kreis der Reichen der Welt und der Königsfamilie ist für Prinz Andrew zu Ende. Auch das Ablegen seiner Titel stoppt neue Enthüllungen und Beschuldigungen nicht.

Als König Charles seinen Bruder Andrew am Wochenende zwang, alle ihm je verliehenen Adelstitel aufzugeben, hatte man sich in Windsor von dieser Maßnahme etwas Windstille nach dem Sturm der Vortage erhofft. Immerhin hatten die Skandale um den 65-jährigen Prinzen und ehemaligen Liebling Queen Elizabeths zuletzt turbulente Formen angenommen. Das vollständige Ende der Zugehörigkeit Andrews zur gesellschaftlichen Elite sollte der „Firma“ – den Windsors – über eine zunehmend brisante Krise hinweghelfen. Die Notwendigkeit der Aktion hatte Charles Andrew am Freitag unmissverständlich erklärt.

 

Aber am Sonntag gab es noch immer kein Anzeichen dafür, dass sich die Lage an der „Andrew-Front“ beruhigen würde. Mehrere königstreue Zeitungen in London berichteten, Andrew habe einmal einen zu seinem Schutz abgestellten Polizeibeamten aufgefordert, heimlich „Material“ über Virginia Giuffre auszugraben, die geklagt hatte, als 17-Jährige zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden zu sein. Außerdem habe nun auch eine zweite, bislang ungenannte, Frau Beschuldigungen gegen Andrew erhoben. Mehr Enthüllungen stünden bevor.

Andrew hat darauf beharrt, Epstein nicht zu kennen

Fragen beginnen nun auch laut zu werden betreffs der Gelder, die Elizabeth II. ihrem zweiten Sohn zur Verfügung stellte, um Virginia Giuffre zum Schweigen zu bringen. Immerhin soll der Prinz Giuffre im März 2022 nach einem außergerichtlichen Vergleich in New York 12 Millionen Pfund (etwa 13,8 Millionen Euro) bezahlt haben – während er gleichzeitig darauf bestand, sie nie gekannt und mit Sicherheit niemals Sex mit ihr gehabt zu haben.

Hartnäckig beharrte er auch darauf, den Kontakt zu dem reichen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, der ihm Giuffre und andere Minderjährige „zugeführt“ haben soll, frühzeitig abgebrochen zu haben. In Wirklichkeit versicherte er Epstein später noch seines Mitgefühls in einer jetzt erst bekannt gewordenen E-Mail, in der er ihm schrieb: „Offenbar sitzen wir beide im selben Boot.“

Gemeint war damit ein Foto, das Andrew mit der Hand um die Taille Virginias zeigte. Er wolle „auf jeden Fall in Verbindung bleiben“, versicherte Andrew seinem vorbestraften Freund Epstein damals, „damit wir bald weiter spielen können!!!!“ Das war, nachdem er öffentlich erklärt hatte, es gebe keinen Kontakt zu Epstein mehr.

Seine Beziehung zu Epstein wurde Andrew über die Jahre immer mehr zum Verhängnis. Auch dass sich Virginia Giuffre im April dieses Jahres das Leben nahm, hat vielfach zu bitteren Kommentaren geführt. Ein Memoirenband, den sie vorbereitet hatte, soll nun diesen Dienstag unter dem Titel „Nobody’s Girl“ posthum veröffentlicht werden. Auch das Durchsickern neuer Dokumente aus der „Epstein-Akte“ in den USA erwartet man bei Hofe mit beträchtlicher Nervosität.

Weihnachten abseits der königlichen Familie

Schon als diese Krise vor fünf Jahren für die Windsors akut wurde, hatte Andrew ja auf Geheiß seiner Mutter den Titel „Seine Königliche Hoheit“ ablegen und sich aus der Reihe der „arbeitenden Royals“ verabschieden müssen. Damals hatte man noch geglaubt, damit über das Schlimmste hinweg zu sein. Das war aber nicht der Fall. Und seit diesem Wochenende darf sich der Prinz nun nicht länger Herzog von York, Graf von Inverness oder Baron Killyleagh nennen. Auch der exklusivste britische Orden, die Runde der Königlichen Ritter des Garter-Ordens, will nichts mehr wissen von ihm.

Zu Veranstaltungen irgendwelcher Art wird er nicht länger eingeladen. Weihnachten muss er abseits der königlichen Familie feiern. Und sein Neffe, Prinz William, der Thronfolger, hat bereits deutlich gemacht, dass er Andrew bei der eigenen Krönung – wann immer dieser Zeitpunkt kommt – nicht dabei haben will.

Abgedriftet ins interne Exil

Damit ist Andrew, der sich jetzt nur noch ans Geburtsrecht seines Prinzen-Status klammert, praktisch in ein internes Exil abgedriftet im Vereinigten Königreich. Aus dem 30-Zimmer-Schlösschen Royal Lodge auf dem Windsor-Gelände, für das er einen Pachtvertrag bis 2078 hat, kann ihn zwar niemand vertreiben, solange er die 30 Millionen Pfund für den jährlichen Unterhalt aufbringen kann.

Viel mehr bleibe dem an ein lustiges Leben im Kreis der Reichen der Welt gewöhnten Prinzen jetzt aber nicht, als in Royal Lodge Videospiele zu spielen und gelegentlich auszureiten, möglichst ohne von Fotografen gesehen zu werden, erklären Bekannte des Prinzen. Seine seit langem von ihm geschiedene Frau Sarah Ferguson, die ebenfalls in Royal Lodge lebt, muss nun auf ihren bürgerlichen Namen zurückfallen, statt sich weiter Herzogin von York nennen zu dürfen. Auch sie verfing sich in einem Lügengespinst, als sie Epstein um finanzielle Unterstützung bat.

Andrews und Sarahs Töchter Beatrice und Eugenie dürfen ihre Prinzessinnen-Titel dagegen behalten. Sie hätten sich schließlich nichts zuschulden kommen lassen, ist aus Windsor Castle zu hören. Auch unterm Weihnachtsbaum dürfen sie mit dem Rest der königlichen Familie sitzen – solange nur Papa und Mama daheim bleiben in ihrer Lodge.