Beim Reibehof pfeift nicht nur der Wind, immer wieder röhren nun auch die Windräder besonders laut. Foto: Dold

Einen dicken Hals haben die unmittelbaren Anwohner des Windparks Falkenhöhe: Kopfschmerzen und schlechterer Schlaf sind die Folgen des nervtötenden Schattenwurfs und des mitunter dröhnenden Lärms der Windräder.

Lauterbach/Schramberg-Tennenbronn - "Wir sind nicht glücklich über die Lösung", sind sich die Anwohner einig. Manfred und Sonja Heinzmann, Herbert Staiger und Norbert Broghammer wohnen alle in unmittelbarer Nähe der drei Windräder auf dem Windpark Falkenhöhe.

 

Im Winter besonders gravierend

"Man gewöhnt sich nach und nach daran, aber die Ruhe ist weg", sagt Herbert Staiger. Die Anwohner hätten nur den Krach, aber keine Entschädigungen. Anfangs habe sie ständig Kopfschmerzen gehabt, klagt Sonja Heinzmann. Im Winter sei es besonders gravierend, wenn die Rotoren vereist seien und der Wind noch mehr durchpfeife. "Da war es zeitweise laut wie auf dem Rollfeld", sagt sie. Bei starkem Wind biegen sie die Rotorblätter, hat Herbert Staiger beobachtet, was noch mehr Krach verursacht. Dieser Lärm sei für das menschliche Ohr unerträglich, betont Manfred Heinzmann – ja selbst der Hund sei verwirrt, ergänzt Norbert Broghammer. Zudem stehen die Windräder immer wieder – beispielsweise sonntags und bei viel Sonnenschein, wenn es aufgrund des Solarstroms keine Abnehmer gebe. "Wie kann so etwas lukrativ sein?", fragen sie sich.

Ärger über Betreiber

Aber auch der Schattenwurf hat es in sich: Dieser kehrt ständig wieder und stellt eine optische Belastung dar. "Nervtötend", so Staiger. Dieser Schattenwurf auf die Häuser sei auch länger als dies von den Betreibern der Windkraftanlagen – den Teckwerken und der Windkraft Schonach – zugesagt worden sei.

Überhaupt, das Gebaren der Betreiber ärgert die Anwohner maßlos: Es sei scheinheilig und immer hart am Rande der Legalität, klagen sie. Privatleute hätten keine Kenntnisse von der Materie, die Betreiber hingegen hätten Anwälte im Rücken, die bestens mit der Thematik vertraut seien.

Lärmbelastung höher als vorhergesagt

So habe es vor dem Bau geheißen: "Es gibt keinen Schattenwurf auf die Häuser". Und weiter: "Die Lärmbelastung liegt bei höchstens 35 Dezibel (dB)". Beide Aussagen stimmten nicht, die Lärmbelastung habe beispielsweise bereits bei 45 dB gelegen.

Norbert Broghammer erzählt ein weiteres Beispiel: So sei einfach eine Schneise in den Wald gehauen worden. Hinterher hieß es von den Betreibern, die Kosten könnten geltend gemacht werden. "Sie haben 1000 Euro geboten, aber 20 Bäume waren kaputt", schüttelt Broghammer den Kopf. Die Firmen hätten sich auf fremden Grundstücken bewegt, was sie aber nicht interessiert habe. "Das sind krumme Machenschaften, die mich ärgern", bekennt er. Mittlerweile befasst sich sein Anwalt mit dem Thema.

Graben läuft ständig über

Manfred Heinzmann berichtet von einem Graben, der ständig überläuft. Grund: Der Boden wurde rund um die Windräder großflächig versiegelt – und nun schieße bei stärkerem Regen das Wasser und der rote Sand der versiegelten Fläche über die Wiesen und in einen Fischweiher. Die Betreiber hätten zugesagt, dass sich das bald ändere. "Ich bin gespannt", sagt Heinzmann achselzuckend. Als bei den Bauarbeiten ein seltenes Moos an Bäumen entdeckt wurde, mussten die Arbeiten dort gestoppt werden – und es sei einfach zehn Meter weiter abgeholzt und durchgepflügt worden, so Heinzmann.

Geld spielt keine Rolle

Die Häuser sind teilweise nur etwa 500 Meter von den Windrädern entfernt. Theoretisch müsste ein Abstand von 1000 Metern eingehalten werden, sagt Sonja Heinzmann – allerdings nur, wenn ein Bebauungsplan vorliege, was im Außenbereich, wo Windräder stehen, nur äußerst selten der Fall sein dürfte. Bestandsschutz für die Höfe gebe es ebenfalls keinen. "Es steckt eine Lobby dahinter, das merkt man genau", sind sich die Anwohner einig. Geld spiele keine Rolle, für Wegerechte würden stattliche Summen bezahlt.

Nach dem Ende der Bauarbeiten werde der Weg zurückgebaut, habe es von den Betreibern anfangs geheißen. "Für mich bedeutet das: Sobald die Windräder stehen", sagt Sonja Heinzmann. Allerdings: Von Seiten der Windkraft Schonach habe es geheißen, das Ganze erfolge erst nach dem Rückbau der Windräder – also in 25 bis 30 Jahren. "Es wird getrickst, wo es nur geht", ärgert sie sich. Auch Vertragsentwürfe seien ständig geändert worden, mit denen den Anwohnern so einiges hätte untergejubelt werden sollen.

Neuer Anlauf im Ortenaukreis

Ein geplantes viertes Windrad sei aus Gründen der Optik abgelehnt worden. Nun gibt es einen weiteren Versuch einer Genehmigung – 150 Meter weiter, auf der Gemarkung des Landkreises Offenburg.

Alle Anwohner betonten, dass sie grundsätzlich nichts gegen Windkraft hätten. "Aber am richtigen Ort", sagt Norbert Broghammer. Hier sei für die Windräder viel Wald abgeholzt worden. "Das war ein gesunder Bestand", sagt Herbert Staiger. Die ganzen entstandenen Kosten wären besser in die Stromtrasse von Nord- nach Süddeutschland gesteckt worden, meint Broghammer. Ihr Fazit lautet: "Wir empfehlen allen potenziellen Anwohnern: Am besten nichts mit Windkraft zu tun haben. Es gibt nur Ärger."