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Ära geht zu Ende Sulzbergforum in Alpirsbach schließt

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Verkündeten das Ende des Sulzbergforums (von links): Beatrix Werner, Ursula Schnidrig und Helga Bösel. Foto: Fuchs

Alpirsbach - Der Musik- und Kunstunterricht im Sulzbergforum läuft noch dieses Schuljahr. Danach ist Schluss, wenn kein Wunder geschieht. Wie es dazu kommen konnte, lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Eine Ära geht zu Ende. Alpirsbach verliert einen langjährigen Kulturstandort. Das Sulzbergforum mitsamt gleichnamigem Verein wird im kommenden Jahr aus finanziellen Gründen aufgelöst. Damit nimmt ein zweijähriger Kampf um den Erhalt der Musik- und Kunstschule ein bitteres Ende.

Die größte Hoffnung ruhte auf einer Umfrage, die der Verein im Juli an alle Alpirsbacher Haushalte geschickt hatte. Damit sollte ermittelt werden, ob überhaupt Bedarf an Musikunterricht besteht, kurzum, ob es sich lohnt, weiter für die Schule zu kämpfen. Nun folgte die Ernüchterung: Die Beteiligung war erschreckend gering. In den verschwindend wenigen Rückmeldungen zeichnete sich ab, dass vor allem Nachfrage nach musikalischer Früherziehung da ist, doch genau da fehlen im Sulzbergforum die Lehrer. "Eigentlich wollten wir das noch anbieten, aber die Lehrkräfte in diesem Bereich sind Mangelware", erklärt Ursula Schnidrig, Vorsitzende des Vereins Sulzbergforum. Ihr sei klar geworden: Die Musikschule ist unter diesen Voraussetzungen nicht zu retten.

Elf Jahre Unterricht seit der Gründung, aktuell zwölf Musiklehrer und zwischen 70 und 100 Schüler. Hinzu kommen Kurse im Kunst- und Kulturbereich. Das klingt nach viel, dennoch "ist das Gebäude eigentlich zu groß für uns", meint Schnidrig und schaut sich in dem Musiksaal im ersten Stockwerk der Schule am Sulzberg 12 um.

Unzählige Möglichkeiten durchgespielt

In der Ecke steht ein Flügel, viele weitere Instrumente warten in den Lagerräumen dahinter auf ihre Spieler. "Aber wir haben es damals genommen und konnten es all die Zeit gratis nutzen." Der Kulturpunkt sei dem früheren Besitzer "eine Herzensangelegenheit" gewesen. Dieser verstarb jedoch vor etwa drei Jahren und mit seinem Nachfolger werden nun Mietkosten in Höhe von 900 Euro pro Monat im ersten Jahr fällig, die sich bis zum dritten Jahr auf 1500 Euro steigern würden (wir berichteten).

"Unserem Vermieter kann man keinen Vorwurf machen", stellen Schnidrig und ihre Vorstandskollegin Beatrix Werner klar. Er müsse schließlich auch schauen, wo er bleibe. "Wir sind ihm dankbar, dass er uns die Miete für noch zwei Jahre erlassen hat und uns dann mit einem so geringen Startbetrag entgegen gekommen ist", sagen sie. Nun sei der Vermieter gerade auf der Suche nach neuen Mietern ab September kommenden Jahres.

Auch Corona trägt eine Mitschuld

Das erste Jahr könne der Verein noch stemmen, "weil wir gut gehaushaltet haben", sagt Werner. Mitte nächsten Jahres seien die Rücklagen jedoch aufgebraucht. 900 Euro pro Monat klingen erst einmal nicht nach viel für ein Schulgebäude. "Aber das ist ja nicht das Ende der Fahnenstange", gibt Werner zu bedenken. "Außerdem sind das nur die reinen Mietkosten, dazu kommen Nebenkosten, der Reinigungsdienst, Versicherungen und andere laufende Zahlbeträge." Unzählige Möglichkeiten seien in Gedanken durchgegangen worden, auch die Unterrichtspreise zu erhöhen und das Gehalt der Lehrer zu reduzieren, sei eine Überlegung gewesen. "Aber wir glauben nicht, dass das funktioniert", sagt Schnidrig. "Bei den Lehrergehältern ist die Schmerzgrenze erreicht, das sind studierte Leute, die nicht nur zum Spaß unterrichten." Bei höheren Preisen befürchtet sie, dass einige Schüler abspringen könnten, was es noch schwerer machen würde, die Schule zu halten. In den vergangenen Monaten seien ohnehin Schüler verloren gegangen, weil den Eltern aufgrund von Kurzarbeit das Geld fehle.

"Es haben viele Faktoren dazu beigetragen, dass es so gekommen ist, aber ein Stück weit hat uns auch Corona den Hals gebrochen", überlegt Werner. In diesen Zeiten Sponsoren zu finden – ebenfalls ein Punkt auf dem Schlachtplan – sei gerade aussichtslos. "Jeder schaut jetzt zuerst nach sich selbst", meint Schnidrig dazu. Der Vereinsvorstand habe keine Möglichkeit ausgelassen. "Wir waren mit dem Bürgermeister im Gespräch, aber es hieß, die Stadt könne uns nicht unterstützen, weil das anderen Vereinen gegenüber ungerecht sei", erklärt Schnidrig. "Außerdem sei kein Geld da. Dann haben wir uns ans Landratsamt gewandt, aber auch da wurde uns nur gesagt, dass es keine Fördermöglichkeiten für uns gibt." Als Verein, der eine laufende Musikschule betreibe, falle das Sulzbergforum durch alle Raster.

Auf Landesebene zum Beispiel werden nur Projekte gefördert. Es habe keine Unterstützer gefunden werden können, obwohl "wir zwei Jahre lang intensiv nach außen gezeigt haben, dass wir Hilfe brauchen", so Schnidrig. Etliche Arbeitsstunden haben die Ehrenamtlichen in einen Rettungsplan gesteckt, "aber es hat sich kein Fundament gebildet, auf dem wir fortbestehen können."

Stadt hat selbst kaum Mittel übrig

Bürgermeister Michael Pfaff versichert, zu bedauern, dass die Stadt eine "interessante kulturelle Einrichtung" verliere. Er habe sich bereit erklärt, den Verein als Bürger zu unterstützen, so gut es gehe, aber "die Umfrage war das Todesurteil", sagt er. "Es wurde deutlich, dass nicht genügend Interesse von außen da ist, dass es sich lohnen würde, es zu erhalten. So schmerzlich es ist." Dass die Nachfrage fehle, zeige, dass das Angebot von den Bürgern nicht gewünscht werde.

Die Stadtverwaltung habe sich dagegen entschieden, den Verein finanziell zu unterstützen, weil "wir kaum genügend Mittel haben, um unsere Pflichtaufgaben zu erfüllen", so der Bürgermeister. "Vor der Gründung des Sulzbergforums hatten wir eine städtische Musikschule, die wir auch aus finanziellen Gründen aufgeben mussten." Andere Vereine nutzen ihr Angebot selbst und haben neben Mitgliedsbeiträgen Einnahmen aus Veranstaltungen, an denen sie sich beteiligen. "Das Sulzbergforum dagegen bietet lediglich Musiklehrern eine Plattform. Das ist ein strukturelles Problem. Selbst wenn wir im nächsten Haushalt Mittel bereitstellen würden, wäre dieses Problem nicht gelöst, sondern nur zeitweise überbrückt."

Damit war die Entscheidung unabwendbar: Das Sulzbergforum wird Ende August 2021 aufgelöst. "Es ist sehr traurig, aber es ist, wie es ist", zieht Schriftführerin Helga Bösel sichtlich geknickt ihr Fazit. "Jetzt wissen wir wenigstens, woran wir sind", ergänzt Werner.

Es bleibt die Hoffnung auf neue Räume

Doch was wird aus den Schülern? "Die werden weiter unterrichtet, nur eben zu Hause", verkündet Schnidrig eine Botschaft, die viele Betroffene aufatmen lassen sollte. "Die Lehrer wohnen hier in Alpirsbach und haben zu den Alpirsbacher Musikschülern keinen weiten Weg." Lediglich für die auswärtigen Musikschüler und die Gruppen müsse eine Lösung gefunden werden. "Wir wollen noch einmal mit der Stadtverwaltung reden, ob es eine Möglichkeit gibt, uns bezahlbare Räume zu stellen", meint Schnidrig.

Für den Gesangsunterricht sowie die wachsende Geigen- und Bratschengruppe müsse ein Ort her. "Da sind wir auf die Mithilfe der Stadt angewiesen und hoffen auf Entgegenkommen." Es werden also weiterhin Musikschüler angenommen und das letzte knappe Jahr läuft im ganz normalen Betrieb, bevor die Musikschüler auf Heimunterricht umsteigen. Neue Kurse werden nicht mehr angeboten. "Wie und ob es mit den Kunst- und Kulturangeboten weitergeht, ist noch völlig unklar."

Mit dem Umfrageergebnis habe die Hoffnung auf junge Familien die Stimmung im Vereinsvorstand kurz aufgehellt, aber dann sei klar geworden, die Kinder sind großteils noch zu jung. "Wenn in zwei oder drei Jahren Bedarf an Musikunterricht da ist, ist es für uns zu spät", ist Schnidrig klar. "Es bleibt uns nichts anders übrig als mit dem Sulzbergforum abzuschließen. Uns bleibt nur die Hoffnung auf neue Räume."

Auf die Frage, ob die Hoffnung begründet sei, antwortet Bürgermeister Pfaff ohne zögern. "Die Stadt kann dauerhaft keine Räume zur Verfügung stellen." Leerstand gebe es nicht, nicht einmal ein Jugendhaus oder freie Räume in der Schule. "Es müsste Platz da sein, um Instrumente dauerhaft zu lagern und da können wir leider gerade nichts passendes anbieten."

Der Verein war mit seiner Gründung an den Betrieb im Gebäude Sulzbergforum gebunden. Mit der Auflösung der Schule löst sich auch der Verein auf. Das muss er nun noch beschließen. Dazu wird in kurzer Zeit eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen.

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