Lieblingsort: Porträt am Ort von Hildegard Schades liebsten Hobby, das Museum für Volkskunst Foto: Franke

Es sei Zeit, die Jungen ranzulassen: Hildegard Schade wird künftig keine Sonderausstellungen mehr im Museum für Volkskunst veranstalten. Langweilig wird es ihr nicht werden.

Meßstetten - Es ist einfach ihr Platz, das Meßstetter Museum für Volkskunst in der Hangergasse 16. Zusammen mit Alfred Hagenlocher, dessen Name das Museum bis vor zwei Jahren noch ergänzte, hat Hildegard Schade den Aufbau der anspruchsvollen Einrichtung von Anfang an mitgestaltet. Der frühere Bürgermeister und spätere Landrat Willi Fischer brachte sie mit Hagenlocher zusammen. Dieser war ein Kenner der Sammler- und Kunstszene im süddeutschen Raum und den angrenzenden Gebieten. Schade profitierte von seiner Erfahrung und führte nach dessen Tod sein Werk fort.

Schon früh für weitere Angebote gesorgt

Immer schon war ihr klar, dass ein Museum nicht allein von den ausgestellten Exponaten leben kann. Schon früh begann Schade deshalb Sonderausstellungen und Aktionen zu organisieren. Das fiel ihr deshalb nicht sonderlich schwer, weil sie selbst eine Kunstfreundin und -sammlerin ist und deshalb über ein Netz an Kontakten verfügt.

Doch wer ist diese Frau, die mit mehr als 80 Jahren noch so drahtig und unternehmungslustig ist? Sie wuchs bei einer Tante in Erding auf, ging dort auch zur Schule, studierte in München. Sie arbeitete bei Amerikanern, spricht fließend Englisch. Eines Tages war es Fritz, der in ihr Leben trat. Ein Flieger. Einer, der unter anderen Maschinen auch die Lockheed F-104, den "Starfighter", flog. Einer, der es bis zum Oberst im Generalstab gebracht hatte. Das habe sie aber nicht beeindruckt, sagt Schade. Wichtiger sei ihr, dass Menschen ordentlich miteinander umgingen. Ihr Mann hatte eben diesen Beruf, der es auch mit sich brachte, dass sie mit ihm mehr als ein Dutzend Mal umziehen musste.

Aufenthalt in Washington

Ein Aufenthalt in Washington war beispielsweise dabei. Die im Alltag geschliffene Fremdsprache war die Basis, um später zehn Jahre lang bei der Volkshochschule Meßstetten Englisch zu unterrichten. Eine Zeit lang lebten die Schades in Flensburg, wo Tochter Gabriele auf die Welt kam. Mit ihr und auch mit der Enkelin Lena pflegt sie lebendige Kontakte und freut sich, dass das Interesse an der Kunst offensichtlich "vererbt" wurde. Von ihrem Mann musste sie schon zur Jahrtausendwende Abschied nehmen. Trotz dieses herben Verlustes betont sie, dass es ihr gut gehe. Sie hat ein schönes Haus, einen gepflegten Garten und "ganz liebe Nachbarn". In Meßstetten sei sie wirklich gern zuhause.

Spaziergänge halten sie fit

Fit hält sich Schade mit ambitionierten Spaziergängen. Wann immer es geht, schwimmt sie ausgedehnt mit einer Freundin im Stausee Oberdigisheim, genießt das regelrecht. Trotzdem geht auch das Leben seinen Weg. Sie wird keine Sonderausstellungen mehr gestalten, hat sie Bürgermeister Frank Schroft mitgeteilt. Sie wurde zwar immer tatkräftig von Hausmeister Dieter Schuler unterstützt, von dem sie sagt: "Der kann alles." Aber die vielfältigen Belastungen wollen doch auch gemeistert sein. "Außerdem", sagt sie mit ihrer frischen, herzlichen Art, "außerdem sollten jetzt mal Junge ran." Und natürlich wird sie dieser Person gerne beratend zur Seite stehen, wenn das gewünscht wird. Langeweile stellt sie sich nicht vor, wenn sie demnächst neue Freiheiten findet. Sie habe ja ihren Garten, bilde sich gerne weiter und werde sich auch weiterhin mit Kunst beschäftigen.