Mal eben schnell zur Tankstelle fahren und Bargeld abheben? Das war für Bankkunden viele Jahre möglich. Doch der beliebte Service ist schon bald Geschichte.
Millionen Bankkunden müssen bald auf einen beliebten Zusatzservice an Tankstellen verzichten: Ab dem 30. Juni 2025 kann nicht mehr an Shell-Tankstellen kostenlos Bargeld abgehoben werden. Das bestätigte ein Sprecher der Deutschen Bank auf Anfrage unserer Redaktion. Damit endet eine seit 2010 bestehende Kooperation, die zuletzt rund 1300 der etwa 2000 Shell-Stationen in Deutschland umfasste.
Ein Sprecher der deutschen Bank erklärte: „Die Kooperation mit Shell, über die Kunden der Cash Group bisher bis zu 1.000 Euro an teilnehmenden Tankstellen abheben konnten, läuft Mitte des Jahres aus.“ Zur Cash Group gehören neben der Deutschen Bank und der Commerzbank auch die Postbank, die Hypovereinsbank sowie deren Tochterunternehmen.
Kunden verlieren beliebten Service
Besonders beliebt war das Angebot, weil es von Kunden der beteiligten Banken auch spätabends sowie an Sonn- und Feiertagen genutzt werden konnte – Zeiten, zu denen klassische Bankfilialen und viele Einzelhändler geschlossen sind. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger zuerst berichtete, soll Shell Ende Mai seine Kunden über das bevorstehende Ende informieren.
Wie viele Shell-Tankstellen in Baden-Württemberg betroffen sind, war zunächst unklar. Eine Anfrage unserer Redaktion ließ das Unternehmen am Montag zunächst unbeantwortet. Auch ob andere Banken eine ähnliche Kooperation mit der Tankstellenkette aufnehmen werden, ist derzeit nicht bekannt.
Fest steht: Die Kunden müssen sich nun neu orientieren. Die Postbank hat auf das Ende des Shell-Angebots reagiert und bietet seit November vergangenen Jahres einen neuen Bargeldservice namens „Bargeld Code“ an. Voraussetzung: Man braucht ein Smartphone mit Internetzugang. Kunden können dann über die Postbank-App einen Barcode generieren, mit dem sich bei rund 12.500 teilnehmenden Einzelhändlern bis zu 1000 Euro täglich abheben oder einzahlen lassen.
Neue Möglichkeit für Bargeldabheben
„Dies hat das Netz zur kostenlosen Versorgung mit Bargeld erheblich erweitert – auch außerhalb der großen Ballungszentren“, sagte der Deutsche-Bank-Sprecher. Er kündigte an: „Für Deutsche Bank-Kunden folgt dieser Service zeitnah im Laufe diesen Jahres.“ Zusammen mit den Geldautomaten der Cash Group stünde den Bankkunden damit ein Netz von mehr als 17.000 Stellen fürs kostenlose Bargeldabheben zur Verfügung.
Für viele ist es eine Alternative, beim Bezahlen des Einkaufs an der Ladenkasse Bargeld abzuheben. Ein Zukunft ohne Bargeld mögen sich die meisten Menschen in Deutschland nicht vorstellen. Laut einer jüngsten Umfrage der Bundesbank zum Zahlungsverhalten finden es 69 Prozent der Befragten wichtig, selbst Bargeld nutzen zu können. Doch das Netz an Geldautomaten in Deutschland wird kontinuierlich kleiner.
Immer mehr Geldautomaten verschwinden
Weil Geldhäuser seit Jahren die Zahl der Geldautomaten verringern – auch weil Kriminelle immer häufiger solche Geräte sprengen und so hohe Schäden verursachen – sind die Wege für Verbraucher vielfach weiter geworden. Die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland hat sich von etwa 53.000 im Jahr 2002 auf 21.000 im Jahr 2023 mehr als halbiert.
Bei den Geldautomaten ging es bis zum Jahr 2018 zunächst nach oben auf etwa 59.000 Automaten, seither sinkt die Zahl: Im Jahr 2023 gab es etwa 51.000 Geldautomaten hierzulande. Bundesweit wohnen Bürger den jüngsten Bundesbank-Zahlen zufolge im Schnitt 1,4 Kilometer vom nächstgelegenen Geldautomaten oder Bankschalter entfernt. In städtischen Regionen sind es durchschnittlich 1,1 Kilometer, auf dem Land 1,9 Kilometer.