Der Baum steht, Weihnachten kann kommen. Foto: Thomas Fritsch

Wenn Nagold den Ersatz-Weihnachtsbaum aufstellt und Bauhofmitarbeiter als Weihnachtswichtel der Neuzeit unsere Innenstädte für die festlichen Tage aufhübschen, dann lässt sich eines nicht mehr wegdiskutieren: Bald ist Weihnachten! Eine Glosse zur Vorweihnachtszeit.

Und wieder ist sie ganz plötzlich gekommen, die Advents- und Weihnachtszeit. Gerade noch waren die Gedanken bei der spätsommerlichen Empörung, dass es jetzt schon Lebkuchen zu kaufen gibt. Und Schwuppdiwupp, kann man die Lebkuchen wirklich gebrauchen.

 

Weihnachten lässt sich nicht mehr wegdiskutieren. Ein untrügliches Zeichen ist auch, wenn die in Orange gekleideten Männer vom Bauhof wieder das Bild der Innenstädte prägen. Sie sind quasi die fleißigen Weihnachtswichtel der Neuzeit und in den Tagen vor dem 1. Advent omnipräsent.

Sie bauen Weihnachtsmarkthütten auf, stellen Christbäume auf, sorgen für Lichterglanz in den Straßen und putzen die Innenstädte fein heraus. Auf dass sie kommen mögen – die Heerscharen an Besuchern.

Die Lichternacht zum Vorglühen

Und sie werden kommen! Im Kreis Calw wird der Start in den Advent eh besonders intensiv begangen. Calw, Altensteig und Wildberg – gleich drei der „Big Five“-Kommunen im Kreisgebiet laden an diesem Wochenende zum Weihnachtsmarkt ein. Da kann selbst der größte Weihnachtsfan ins Schwanken geraten – und das muss noch nicht einmal am üppigen Glühweingenuss liegen. Die Qual der Wahl – in diesen Tagen ist sie so groß wie sonst nie im Jahr. Und nicht gerade einfacher wird es dadurch, dass in Nagold am Freitag auch noch zur Lichternacht geladen wird – das ist unser Vorglühen zum Weihnachtsmarkt in der Woche drauf.

Zur Lichternacht erstrahlt ja auch zum ersten Mal der golden geschmückte Weihnachtsbaum auf dem Vorstadtplatz in vollem Glanz. Das ist für mich persönlich mit einer kleinen Weihnachtstradition verbunden – fast jährlich schreibe ich über den städtischen Christbaum. 2021 war er irgendwie gehörig schief geraten, im vergangenen Jahr dann war der Baum so krüppelig, dass er – überregional viel bespottet – nach wenigen Tagen durch einen neuen ersetzt wurde. Und auch in diesem Jahr bescherte der Weihnachtsbaum uns wieder eine Schlagzeile. Der auserkorene Hochdorfer Baum brach schon beim Fällen entzwei. Der Ersatzbaum kam wenige Tage später aus Herrenberg. Was für ein wunderschönes Beispiel gelebter Nachbarschaftshilfe. Oder ist das gar schon vorweihnachtliche Nächstenliebe?

Es gibt Wichtigeres

Ich weiß, es gibt Wichtigeres, als krumme, krüppelige oder ausgetauschte Weihnachtsbäume. Gerade zur Weihnachtszeit sollte es um andere Dinge gehen – wie zum Beispiel um Geschenke!

Ich habe erst kürzlich mein Weihnachtswunschgeschenk gefunden. Als ich am Mittwochabend auf dem Nachhauseweg den vorweihnachtlichen Lichterglanz bestaunte, da sah ich in einiger Entfernung einen älteren Mann durch die Dunkelheit spazieren, der ganz stolz vor sich her eine rote Laterne trug. Nein, Kinder waren nicht in der Nähe. Und so machte ich mir ein paar Gedanken, über dieses ungewöhnliche, aber doch auch ergreifende Bild vom „Kind im Manne“. Dieser Mann der – ganz egal, was die Leute auch über ihn denken mochten – so stolz mit seiner Laterne durch Nagold spazierte.

Ganz oben auf dem Wunschzettel

Ich ließ meine Gedanken schweifen, überlegte, ob er womöglich „Ich gehe mit meiner Laterne“ vor sich hin summte. Und dann kam er näher. Leider! Denn ich musste zu meiner Schande erkennen, dass die rot leuchtende Laterne das LED-Halsband eines Hundes war, und der vermeintliche Laternenstab entpuppte sich als Leine.

Auf meinem persönlichen Wunschzettel steht nun ganz oben: Ich brauche dringend eine neue Brille!