Mit Emphase spielte sich Ana Helena Surgik bei den Adventskonzerten des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach in die Herzen der Zuhörer. Foto: Jürgen Scharf

Das Oberrheinische Sinfonieorchester und die Cellosolistin Ana Helena Surgik begeistern im Lörracher Burghof.

Das Oberrheinische Sinfonieorchester scheut sich nicht vor großen Herausforderungen. So waren die beiden Adventskonzerte in der gut besuchten Wehrer Stadthalle und im bis auf wenige Plätze voll besetzten Burghof sowohl höchst anspruchsvoll als auch entdeckungsfreudig.

 

Dirigent Siping Wang holte alles aus dem Klangkörper heraus, was man von einem Amateurorchester verlangen kann. Hörbar profitiert hat es aber auch davon, dass es mit einer ganzen Reihe von Berufsmusikern im Bläserbereich verstärkt war.

Mit Gespür für die Sprachmelodie

Wer die Solistin, die seit 16 Jahren in Lörrach lebende Cellistin Ana Helena Surgik, mit ihrem famosen Spiel gehört hat, war sicher verwundert, dass sie erst jetzt zum ersten Mal solistisch in ihrer Wahlheimat aufgetreten ist. Im Zentrum stand das Solistenkonzert, Edward Elgars berühmtes Cellokonzert, ein bedeutendes und dankbares Werk für Cellisten, das virtuose Anforderungen an den Cellopart stellt. Ana Helena Surgik beeindruckte mit einer engagierten Darstellung dieser wahrlich schönen Musik.

Mit vehementer Bogentechnik und vollem, warmem Ton geht sie die emotionsgeladenen Kantilenen in diesem melancholischen und schmerzerfüllten Stück an, das am Schluss aber nicht ohne Hoffnung ist, wenn die optimistische Cello-Rezitation der Einleitung wiederkehrt.

Die Solistin holte alles aus ihrem Instrument heraus, das die menschliche Stimme repräsentiert. Die Ecksätze gestaltet sie mit leidenschaftlichem Impetus und im zweiten Satz gefällt sie mit einem Rubato der Lyrik, was der Noblesse der Musik gut ansteht.

Das Oberrheinische Sinfonieorchester war der ideale Begleitkörper für dieses Instrumentalkonzert. Mit seiner souveränen Stabführung hielt Siping Wang den Orchesterapparat zusammen, baute die emotionalen Stimmungen, die Steigerungen und Kontraste feinfühlig auf, zeigte nicht zuletzt Gespür für die Sprachmelodie im langsamen Satz und vermittelte somit auf überzeugende Weise Elgars Grandeur.

Dasselbe trifft auf die dritte Sinfonie von Schumann (mit dem Beinamen „Rheinische“) zu, die aber kein romantisches Idyll von Vater Rhein ist. Bei der imponierenden Orchesterleistung zeigten die vielen guten und professionellen Bläser orchestrale Präsenz und Wirkung. Die Holzbläser etwa erfreuten mit viel Gespür fürs koloristische Idiom, das Hörnerquartett mit seinem romantischen Klang und am Schluss tat der weihevolle Posaunenglanz das Seinige dazu. So viele Posaunen waren noch nie dabei!

Sinfonisch dahinfließende Musik

Auch die Streicher nahmen sich dieser sinfonisch breit dahinfließenden Musik mit Liebe und exakter Intonation an. Die Musiker behielten den Schwung des Kopfsatzes bei, auch im behaglichen ländlerischen Scherzo, bis zum strahlenden Durchbruch im Finale. Siping Wang hatte die musikalische Architektur gut im Griff, so dass sich die poetische Idee Schumanns „Ein Stück Leben am Rhein“ vor dem geistigen Auge der Zuhörer entfalten konnte.

Zu Beginn wartete das Orchester mit der Musik eines Komponisten auf, den bisher kaum jemand kannte: Louis Théodore Gouvy, ein romantischer Klassizist. Seine „Symphonie brève“, eine zugängliche Musik, klang in der Wiedergabe sehr gepflegt: 15 sinfonische Minuten, kristallklar, geschliffen, hörenswert.