in Musikgenuss höchster Güte war das Konzert des Musikvereins „Lyra“ Bittelbronn und des Städtischen Orchesters Albstadt am ersten Advent in der Haigerlocher Witthauhalle.
Als nach drei Stunden Musik und der wunderschönen weihnachtlichen Zugabe „Rudolf, das rotnasige Rentier“ tosender Applaus aufbrandete, war der Lyra-Dirigentin Ramona König die Erleichterung anzumerken. Sie und ihr Blasorchester hatten sich ein höchst anspruchsvolles Programm vorgenommen und dieses souverän – und vor allem mit viel Leidenschaft und Emotionalität – dargeboten. Da zollte auch der Albstädter Musikdirektor Attila Hepp respektvoll Applaus.
Dass ein kleiner Musikverein wie die „Lyra“ einen Gast von der Qualität des Städtischen Orchesters Albstadt als Partner für einen solchen Konzertabend gewinnen konnte, ist sicher nichts Alltägliches. Persönliche Kontakte hatten diese ungewöhnliche Kombination ermöglicht.
Albstädter Orchester brilliert mit Filmmusiken
Und das Höchststufenorchester aus Albstadt blieb seinem Ruf nichts schuldig. Mit dem opulenten und sehr kraftvollen Werk „Music for a Solemnity“ von Jan den Haan eröffnete das fast 60-köpfige Orchester den Abend. Es folgte „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Arrangeur Guido Rennert hat in dieser Suite die schönsten von Karel Svoboda komponierten Melodien aus dem tschechischen Weihnachtsfilmklassiker zu einem wunderbaren Gesamtwerk verschmolzen.
Aus einem Film – nämlich dem Weltkriegsdrama „Der Soldat James Ryan“ stammte auch das nächste Stück, die „Hym to the Fallen“, die von einer dramatischen Rettungsaktion erzählt, sich zum Schluss immer mehr steigert und sehr blechbläserbetont ist.
„Evolution“ von Mario Bürki ist ein Werk in dem es wild durcheinandergeht. Kein Wunder: fasst es doch von Urknall und der Entstehung des Universums bis zum Auftreten des Menschen geschätzte 14 Milliarden Jahre in zwölf Minuten zusammen. Am Schluss seines mit viel Applaus bedachten Auftrittes widmete sich das Stadtorchester nochmals einem Hollywoodklassiker – und zwar der Musik aus „Robin Hood – Prince of the Thieves“.
Lyra Bittelbronn fährt mit dem Geisterschiff
Die Messlatte lag hoch, aber verstecken musste sich die mit ein paar Gastmusikern und jungen Konzert-Debütanten verstärkte „Lyra“ hinter den Albstädtern nicht. Auch die Bittelbronner begannen furios. In der von Hans Zimmer komponierten Musik zum Feuerwehr-Film „Backdraft“ kommt die zerstörerische Kraft des Feuers nämlich auf sehr dramatische Weise zur Geltung.
Das Hauptwerk folgte auf dem Fuße. „The Ghost Ship“ von Jose Alberto Pina erzählt vom der 1994 nach einem Sturm auf mysteriöse Weise verschwundene und dann am Strand von Fuerteventura wieder aufgetauchten „SS American Star“.
Die Blaskapelle meisterte das äußerst schwierige und 16 Minuten lange Stück souverän. Vor allem das Schlagwerk tat sich hervor, um die geheimnisvolle Atmosphäre auf dem Geisterschiff zu erzeugen.
Musik von Adele und Polkas von Strauss
Mit „Adele 21“ bekam das Publikum dann die drei von Jiin Joo für Blasmusik arrangierten Welthits „Rollin‘ Into Deep“, „Set Fire to the Rain“ und „Someone Like You“ der englischen Sängerin Adele geboten.
Das Johann Strauss nicht nur Walzer-König ist, sondern auch das Genre der Polka beherrschte, wurde in „A Few Dots of Polka“ deutlich. Das heitere Stück ist ein Mosaik aus vier der bekanntesten Strauss-Polkas.
Was wäre ein solcher Abend ohne Marsch? Den gewährte die „Lyra“ dem Publikum mit dem effektvollen „Mens Sana in Corpore Sano“ (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper). Er endet in einem triumphalen Finale der Bläser und Schlaginstrumente.