Bilder, die man schon fast vergessen hat: Die "Lyra" Bittelbronn bei ihrem tollen Jahreskonzert zusammen mit dem MV Betzweiler im Dezember 2019. Foto: Kost

Die Entscheidung fiel gemeinschaftlich: Statt zu proben, diskutierten Musikerinnen und Musiker der "Lyra" am Mittwochabend darüber, ob ein Adventskonzert am Sonntag angesichts steigenden Infektionszahlen und mit 2Gplus-Regeln überhaupt Sinn macht. Nein, das Konzert wurde abgesagt.

Haigerloch-Bittelbronn - Damit zieht nach dem Musikverein Hart (er hätte am Samstag ein Konzert gegeben) auch der MV Bittelbronn die Reißleine.

Dem Vorsitzenden Christof Weiß ist die Enttäuschung, darüber, dass es jetzt zu dieser Situation gekommen ist, deutlich anzumerken. Seit September hat sich die "Lyra" mit seiner Dirigentin Ramona König darauf vorbereitet, seinem Publikum mal wieder ein paar musikalische Leckerbissen zu servieren.

Super-Stücke vorbereitet

Und ein Genuss, da ist sich Lyra-Chef Weiß ziemlich sicher, wäre der Konzertabend auch geworden. "Wir waren eine super Truppe und wir hatten auch super Stücke", berichtet er aus der bisherigen Probenarbeit, die noch am vergangenen Wochenende mit intensiven Probentagen im örtlichen Bürgerhaus ihren Höhepunkt hatten und mit der Generalprobe am heutigen Freitag in der Haigerlocher Witthauhalle hätten enden sollen.

Probleme mit Organisaton von Schnelltests

Die aber jetzt baden-württembergweit in Kraft getretene "Alarmstufe II" mit ihrer 2G-plus-Regel (Genesen oder geimpft mit einem negativen Test) war aus seiner Sicht eine zu hohe Hürde. Ein eigener Selbsttest hätte nämlich gar nicht genügt; Musizierende und Publikum hätten einen offiziell beglaubigten negativen Schnelltest benötigt, der nicht älter als 24 Stunden ist.

Das Konzert hätte jedoch erst am Sonntagabend um 17 Uhr begonnen – und wo bekommt man am Samstagabend einen Schnelltest her? In Haigerloch jedenfalls nicht, DRK und Obere Apotheke haben ihre Schnelltestangebote bekanntlich schon vor einiger Zeit eingestellt. Die Situation wäre vermutlich so gewesen, dass die Lyra vor ziemlich schütter besetzten Rängen gespielt hätte. Weiß: "Wir wollen aber ein Konzert machen, zu dem alle unsere Fans kommen können."

Auch um die im Konzert eingeplante Jugendkapelle Bittelbronn/Gruol/Stetten/Weildorf/Wiesenstetten tut es ihm leid. Diese sei unter der Leitung von Frank Schnell aus Owingen auf einem tollen Weg gewesen.

Weiß: "Musiker hätten den Kopf nicht frei"

Aber es geht bei der Absage natürlich nicht nur um die schwer umzusetzenden und zu kontrollierenden Corona-Regeln, sondern um die Situation insgesamt. Man habe angesichts der steigenden Infektionszahlen als Verein auch eine gewisse Verantwortung und Verpflichtung, so Weiß. Und selbst wenn das Konzert stattgefunden hätte, glaubt er nicht, dass es ein unbeschwerter Genuss geworden wäre. Keiner der Musizierenden, so vermutet er, hätte die Situation abgeschüttelt und den Kopf völlig frei gehabt.

Lyra hofft auf besseres Jubiläumsjahr

So bleibt also das phänomenale 34. Adventskonzert zusammen mit dem Musikverein Betzweiler im Dezember 2019 der bisher letzte große Auftritt der "Lyra". Zwar wird man möglicherweise an Heiligabend in kleinen Gruppen im Bittelbronn spielen, aber das dürfte es für dieses Jahr wohl gewesen sein. Christof Weiß’ Hoffnungen ruhen auf 2022. Dann feiert der MV Bittelbronn seinen 100. Geburtstag und ist aus diesem Anlass vom 24. bis 27. Juni Gastgeber des Stadtmusikfestes. Zuvor soll es im Frühling einen Ehrungsabend geben und, so stellt es sich der Lyra-Vorsitzende vor, diesen könnte man dann mit dem jetzt abgesagten Konzert verbinden. Einstweilen bleibt Christof Weiß nur, seine Solidarität und sein Mitgefühl den Musikvereinen auszusprechen, "denen es ähnlich wie uns ergeht."