Hinter der Türe in Hausnummer 2 in der Otterbachstraße ist Nilufar Hamidi zu Hause und damit auch die afghanische Frauengruppe des Vereins „Hindukusch – Zukunft für Afghanistan“.
Der zweite Besuch führt zu Nilufar Hamidi und ihre Familie. Als zentrale Persönlichkeit des Weiler Vereins „Hindukusch – Zukunft für Afghanistan“ prägt Nilufar Hamidi maßgeblich das Vereinsleben.
Mit großer Hingabe und Herzlichkeit engagiert sich Hamidi als Mentorin und Organisatorin der Frauengruppe. Ihre Erfahrungen, ihr motivierendes Wesen und ihre offene Art machen sie für viele Frauen zu einer wichtigen Ansprechpartnerin und zu einem inspirierenden Vorbild.
Der Verein entstand aus dem Wunsch nach Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung in einer Zeit, in der zahlreiche afghanische Frauen ihr Heimatland verlassen mussten. Die Geschichte des Vereins ist getragen von Mut, Hoffnung und dem festen Glauben daran, dass Integration am besten gelingt, wenn Menschen einander begegnen und sich unterstützen.
Besonders bedeutend sind die regelmäßigen Treffen im Mehrgenerationenhaus für Frauen verschiedener Generationen und ihre Kinder. Hier findet ein lebendiger Austausch statt, man hilft sich gegenseitig, feiert zusammen und knüpft Freundschaften. Gemeinsames Kochen, essen, Lachen und manchmal auch Weinen schaffen eine vertraute Atmosphäre.
Die Treffen strukturieren den Alltag und bieten praktische Unterstützung, etwa bei Behördengängen. Jede wird willkommen geheißen. Unverzichtbare Hilfe erfährt der Verein durch die Diakonie und das Mehrgenerationenhaus, insbesondere dank des Engagements von Volker Hentschel.
Auch in der Adventszeit sind die Zusammenkünfte geprägt von afghanischer Gastfreundschaft, kulinarischen Genüssen und einer besonderen Wärme, die Verbundenheit und Geborgenheit schenkt. „Wir sind füreinander wie eine Familie“, sagt Hamidi, Vorsitzende des Vereins, Leiterin des Projekts Elternmentoren und Weiler Stadträtin, sichtlich bewegt. Die Frauen bringen traditionelle Speisen mit, tauschen Rezepte aus und erzählen von Festen ihrer Kindheit.
Neben kulinarischen Highlights bereichern Musik, Geschichten und Tänze aus Afghanistan die Abende und öffnen ein Fenster in die Kultur – ein Erlebnis, das auch deutsche Gäste inspiriert.
Einmal im Monat findet ein Tanzabend statt. Es ist ein Projekt der Elternmentoren. Die afghanischen Frauen sind immer mit dabei mit Musik aus der Heimat und aus aller Welt und unterstreichen so die Vielfalt und Offenheit des Vereinslebens.
Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit wird die Bedeutung der Frauengruppe besonders greifbar. Mit Lichtern trotzen sie der winterlichen Kälte und dem frühen
Einbruch der Dunkelheit: „In der Weihnachtszeit duftet es nach Zimt und Gewürzen – das erinnert die Frauen an ihre Heimat“, berichtet die Vorsitzende. Die Wochen vor Weihnachten werden nicht als religiöses Fest, sondern als Familienfest gestaltet: mit liebevoller Dekoration, gemeinsamem Backen und dem Teilen von Erinnerungen. Die Kinder basteln, hören Geschichten und erleben, wie afghanische und deutsche Bräuche miteinander verschmelzen.
Zu Hause stellt Nilufar Hamidi einen Holzbaum auf, den sie einst geschenkt bekam, und sie genießt mit ihrem Mann und ihren vier erwachsenen Kindern ein schönes Familienfest. Traditionelle afghanische Spezialitäten wie „Palau“ – ein aromatischer Reis mit Lamm, Rosinen und Karotten, „Mantu“ – gedämpfte Teigtaschen mit Hackfleisch und Zwiebeln, serviert mit Joghurt und Tomatensoße, „Bolani“ – gefülltes Fladenbrot, „Kabuli Palau“ – der afghanische Festtagsreis mit Lamm, Mandeln, Pistazien und Rosinen sowie als festlicher Nachtisch „Firnee“, ein cremiger Pudding mit Kardamom, werden aufgetischt.
Dieses Fest steht als Symbol für Familie und Zusammenhalt – über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg. Es zeigt, wie Gemeinschaft entstehen kann, wenn Menschen ihre Erfahrungen teilen, sich gegenseitig unterstützen und miteinander feiern.