Da gab es einiges zum Auspacken für die Kinder. Foto: Ziegler

Die Kinder der Kinderbetreuung im "Ankunftszentrum Ukraine" in Meßstetten haben getanzt und gesungen beim Adventsfest, das für alle Bewohner ein besonderes Ereignis gewesen ist.

Meßstetten - Der Krieg in der Ukraine hinterlässt Zerstörung. Viele Menschen sind geflohen und weit weg von ihrer Heimat und der Familie. Der Heilige Abend wird in vielen Familien gemeinsam gefeiert: Es gibt ein leckeres Essen, Geschenke, und man hat Zeit, sich auszutauschen. Aber wie machen es die geflüchteten Menschen aus der Ukraine, und wie feiert man in der Ukraine überhaupt Weihnachten?

 

Die Bürger spenden Kuchen

Für die 458 Bewohner des "Ankunftszentrums Ukraine" in Meßstetten veranstalteten die Helfer ein Adventsfest. Von Seiten des Landkreises lag die Organisation bei Katja Weiger-Schick, unterstützt von Ehrenamtskoordinatorin Greta Pfister und Rüdiger Wysotzki. Die Jusos Zollernalb waren außerdem mit einem Helferteam dabei. Die Kuchen spendeten Bürger. Der Musikverein Obernheim schickte Nüsse und Obst für die Kinder.

Rund 70 Kinder waren beim Adventsfest dabei, und für jedes gab es bei der Bescherung ein Geschenk vom Nikolaus. Landrat Günther-Martin Pauli hatte diesen höchstpersönlich mit Leckereien versorgt. Die Geschenke waren gestiftet von der Berta-Benz-Schule in Sigmaringen, von der Langwiesenschule in Engstlatt und der Grundschule Schmiden. "Wir sind immer wieder überwältigt von der Hilfsbereitschaft in der gesamten Region. Wir danken jedem, der uns im vergangenen Jahr in irgendeiner Form unterstützt hat", sagte Weiger-Schick.

Schmuck für den Christbaum gebastelt

Das Adventsfest griff einige Weihnachtstraditionen aus der Ukraine auf, von denen die Ukrainerin Valentyna erzählte. So bastelten die Kinder aus der Kinderbetreuung den Schmuck für den Christbaum selbst, führten zusammen mit ihren Erziehern Tänze auf und sangen "Schneeflöckchen weiß Röckchen" und "Oh Tannenbaum", bevor sie ihre Geschenke vom Nikolaus bekamen.

Genauso geschieht es auch in der Ukraine. Die Kinder schmücken den Baum ohne die Hilfe der Eltern. Wenn der Weihnachtsmann kommt, werden sie gefragt, ob sie auch brav waren, und wenn das der Fall ist, singen sie ihm ein Lied oder tragen ein Gedicht vor. Erst danach gibt es die Geschenke. Eine weitere Tradition ist, dass an Weihnachten zwölf verschiedene Gerichte kredenzt werden. In der Ukraine feiern die orthodoxen Christen nach dem julianischen Kalender, weil den von Papst Gregor XIII. 1582 eingeführten gregorianischen Kalender die meisten orthodoxen Kirchen für die kirchliche Feiertagsrechnung nicht übernommen haben. So fallen der 24. und 25. Dezember des julianischen Kalenders derzeit auf den 6. und 7. Januar des gregorianischen. Heiligabend ist in der Ukraine demnach am 6. Januar. An diesem 6. Januar erhalten die Kinder die Geschenke. Am 24. Dezember gibt es nur Süßigkeiten und kleine Geschenke.

Neujahr ist erst Mitte Januar

Vom 13. auf den 14. Januar wird das Fest "altes, neues Jahr" gefeiert, also der 1. Januar nach dem julianischen Kalender, was sich etwas mit Halloween vergleichen lässt. Die Kinder laufen bei den Nachbarn vorbei: Die Mädchen singen Lieder und die Jungen verkleiden sich und bestreuen die Menschen. Dafür erhalten die Kinder dann kleine Geschenke wie Brot oder auch etwas Geld.

Auch in der Ukraine wird Weihnachten mit der Familie gefeiert. Dieses Jahr ist das kaum möglich, da viele Familien getrennt sind. Diejenigen, die noch im Kriegsgebiet leben, werden aber trotzdem feiern. Vielleicht nicht mit zwölf Gerichten, sondern nur ein oder zwei, dennoch sollen die Traditionen gewahrt werden: Die Ukrainer werden selbst im Keller nur mit Kerzen Weihnachten zelebrieren.

Das Hochhalten der Traditionen zeigt, wie wichtig das Adventsfest im "Ankunftszentrum Ukraine" in Meßstetten für alle Bewohner und besonders für die Kinder war. "Es geht nicht nur darum, die Leute zu verwalten, sondern auch um Gemeinschaft", betont Weiger-Schick.