Wie viel Licht darf dieses Jahr zum Advent leuchten? Das ist bislang noch nicht ganz klar. Foto: Fritsch

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt? Mal sehen. Wie viel Beleuchtung die Stadt Calw in diesem Jahr rund um Weihnachten einschalten wird, ist derzeit weitgehend unklar. Immerhin: Der Weihnachtsmarkt steht bislang offenbar nicht in Frage.

Calw - "In diesem Winter sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sowohl auf die Weihnachtsbeleuchtung in Städten als auch die der Häuser und Wohnungen verzichtet wird." Mit dieser Aussage sorgte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, vor wenigen Tagen für Aufsehen – und reichlich Diskussionsstoff.

Argumente hatte er dabei einige auf seiner Seite. Immerhin würden private "Beleuchtungsorgien" pro Jahr mehr als 600 Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen. "So viel wie eine mittlere Großstadt mit 400 000 Einwohnern im Jahr", sagte Resch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Hinzu komme die Beleuchtung in Städten und Gemeinden. Für diese schlug er einen beleuchteten Baum pro Stadt und Gemeinde vor.

Klar scheint bislang nur, dass nichts klar ist

Was bedeutet eine solche Äußerung nun gerade für die Stadt Calw? Gehören die festlich beleuchteten Fachwerkhäuser nicht einfach dazu? Doch wie viel Strom verbrauchen gerade diese Lichterketten, die sicher nicht mit sparsamer LED-Technik ausgestattet sind?

Fragen dieser Art kamen nun auch in der jüngsten Sitzung des Calwer Gemeinderats auf den Tisch. Und klar scheint bislang nur, dass nichts klar ist. So erklärte Jan Hambach, Leiter der Stabstelle Strategie und Projekte bei der Verwaltung, dass derzeit noch geprüft werde, was unter Umständen wann und wie beleuchtet werde – oder wie viel Strom das tatsächlich verbrauche.

Entweder ganz oder gar nicht?

Fest steht: Das Thema scheint schwierig. "Wir können nicht anfangen, jedes zweite Birnle rauszudrehen", brachte es beispielsweise Oberbürgermeister Florian Kling überspitzt auf den Punkt. Auch eine kürzere Anschaltezeit etwa lasse sich nicht unbedingt einfach umsetzen. Denn die Beleuchtung sei mindestens zum Teil auch mit der Straßenbeleuchtung verschaltet. Mit anderen Worten: Entweder ganz oder gar nicht, lautet die Devise. "Wir können keinen Nachtwächter anstellen, der die Lichter ausbläst", stellte Kling mit einem Anflug von Sarkasmus klar.

Und abgesehen davon: "Egal ob alles an oder alles aus, man kann es nur falsch machen", meinte der Oberbürgermeister. Schon jetzt bekomme er Beschwerde-Mails zum Thema Energie, die sich sogar auf einzelne angeschaltete Heizkörper beziehen würden.

Vielleicht nur für den Weihnachtsmarkt

Grundsätzlich hielt er fest, dass seiner Ansicht nach nur ein beleuchteter Baum zu wenig für die historische Altstadt sei – gerade mit Blick auf den Weihnachtsmarkt, der, das ließ sich seinen Aussagen klar entnehmen, offenbar derzeit nicht in Frage steht.

Vielleicht wird die Festbeleuchtung auch nur für diesen angeschaltet. Ein denkbarer Kompromiss – immerhin dauere der Markt keine zwei Monate, sondern lediglich vier Tage. "Wir können ihn auch absagen", warf Kling in den Raum. Ein Vorschlag, der angesichts des ablehnenden Raunens im Gremium eindeutig keine Zustimmung fand. 2020 war die Veranstaltung wegen Corona komplett ins Wasser gefallen, im vergangenen Jahr durften fast nur Calwer Bürger kommen.

Insgesamt wird definitiv gespart

Am Ende holte der Oberbürgermeister das emotionale Thema schließlich ein wenig auf den Teppich zurück. "Es geht nachher nicht um das einzelne Lichtle", unterstrich er. Sondern um das Gesamtpaket. Und hier werde definitiv gespart. Nun sollten erst mal die Fachleute ran und prüfen.

Mit dem Sparen im Allgemeinen scheint es indes ebenfalls nicht ganz einfach zu sein. Das zeigte sich bereits in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Sitzung. Dabei führte Kling aus, dass mindestens zwei Ansätze der Stadt, um den Energieverbrauch zu reduzieren, nicht überall problemlos umgesetzt werden können. Beispielsweise sei es wegen teilweise alter Heizungsanlagen nicht ohne weiteres möglich, in allen öffentlichen Gebäuden die Temperatur um zwei Grad zu senken, wie es ursprünglich geplant war. Auch das Vorhaben, an den Handwaschbecken nur noch kaltes Wasser laufen zu lassen, bereite Schwierigkeiten wegen der Legionellengefahr.