Das Grosselfinger Gasthaus Krone schließt. Dass es einst vielen Menschen das Leben gerettet hat, erfuhr Adolf Vees in Frankreich.
Als Hechinger mit vielseitigen Interessen kennt Adolf Vees das Grosselfinger Gasthaus Krone als einen „Markstein“ der Gemeinde, den er zusammen mit Kirche, Gesellenhaus und Marktplatz „zu den unverzichtbaren, identitätsstiftenden Elementen der Grosselfinger Dorfgeschichte“ zählt.
Dass dieses Gebäude aber viel mehr war als ein geselliger Ort der Begegnung, schildert er in einem Bericht an unsere Zeitung, in dem er über eine Begegnung vor 14 Jahren berichtet, die er in Joué-lès-Tours, der französischen Partnerstadt von Hechingen, hatte.
Vees war damals als Vorsitzender des Hechinger Partnerschaftskomitees mit einer Gruppe aus Hechingen in Joué-lès-Tours bei einer Veranstaltung vor dem Rathaus. Musikkapellen hätten gespielt, berichtet er, die Bürgermeister der beiden Städte und die Komitee-Präsidenten hätten Ansprachen gehalten „auf deutsch und französisch – so gut es eben ging“. Für Vees ein schöner Moment. „Wir alle waren glücklich bei Freunden zu sein, die uns willkommen geheißen hatten, uns umarmten und bewirteten mit den wunderbaren Köstlichkeiten der Touraine“.
„Ich kenne Hechingen, ich habe dort gelebt, zu Ende des Krieges“
Dann sei ein älterer Mann auf in zugetreten, und habe ihn als Komitee-Präsidenten angesprochen. Er habe sich als Albert Quinson vorgestellt und in gutem Deutsch gesagt: „Ich kenne Hechingen. Ich habe dort gelebt, zu Ende des Krieges. Ich verdanke mein Leben der Gastwirtsfamilie der Krone in Grosselfingen.“
Vees war überrascht und sofort sehr interessiert. Er fragte nach, und die Geschichte, die ihm der Mann erzählte, die habe ihn „bis zum heutigen Tage nicht losgelassen“.
Albert Quinson wurde von Deutschen aus Nordfrankreich verschleppt
Albert Quinson war ein Zwangsarbeiter aus Roubaix in Nordfrankreich, der von den Deutschen verschleppt worden war und 1944 in das Konzentrationslager Bisingen eingeliefert wurde. „Dort musste er unter unsäglichen Bedingungen Schiefer abbauen, der im Wahn des untergehenden NS Regimes mit aller Härte und Brutalität bis zum Einmarsch der französischen Truppen betrieben wurde“, berichtet Vees. In diesem Lager starben zahlreiche Menschen. Nach dem Krieg wurden in Bisingen 1157 Leichen exhumiert.
Tausende KZ-Häftlinge überlebten das Lager und Zwangsarbeit nicht
Als historisch außerordentlich interessierter Mensch war diese düstere Geschichte natürlich bekannt, aber bewegend für ihn war, plötzlich einem direkten Zeugen jener Zeit gegenüberzustehen. „Albert zeigte mir seinen Fremdenpass“, so Vees, und dann habe er den Satz gesagt: „Ich verdanke mein Leben der Gastwirtsfamilie der Krone in Grosselfingen. Sie gaben mir und meinen Kameraden versteckt und heimlich Brot, wenn wir frühmorgens in Kolonne in die Steinbrüche marschierten. Ohne diese Hilfe hätte ich nicht überlebt.“
Vees ist tief bewegt, dass Albert Quinson vergeben konnte
Für Adolf Vees, der sich in vielerlei Funktionen seit vielen Jahren für die Aussöhnung mit Frankreich und all jenen engagiert, denen im Dritten Reich von Deutschen größtes Unrecht angetan wurde, war es eine tief bewegende Begegnung an diesem Tag. „Albert hatte vergeben“, schreibt er unserer Zeitung, „Albert, habe Dank!“